Ecuador.

 

Reisezeit: 21.09.2007 - 31.10.2007

 

Visum: Bis zu drei Monaten, an der Grenze erhältlich.

Hunde: Haben keinen interessiert.

Versicherung: Keine Pflicht. Kaum einer besitzt eine. Keiner fragt danach, so fahren wir ohne.

Carnet de Passages: Man bekommt eine landeseigene DECLARACION PARA INGRESO DE VEHICULO.

Währung: Seit dem Jahr 2000 ist der amerikanische Dollar offizielles Zahlungsmittel.

Bargeld: In größeren Städten an Automaten (ATM)

Kreditkarten: Akzeptanz in fast allen größeren Orten und an deren Tankstellen. Doch Vorsicht, es sagt einem keiner, dass die Tankstellen eine recht hohe Gebühr für die Kreditkarten-Benutzung berechnen.

Diesel: Fast überall ca. 1,037 US$ pro US-Gallone = 3,785 Liter (ca. 0,21 €/l).

Benzin: Super 2,18 US$ pro Gallone (ca. 0,46 €/l). Der Kraftstoff soll generell eine sehr schlechte Qualität haben, doch wir haben bis jetzt keine Beanstandungen zu machen.

 

Am 21.09.2007 stehen wir bei Macará an der Grenze zu Ecuador. Da soll mir noch mal einer sagen, Computer sind ein Segen für die Menschheit. Nachdem ich bei der Migración unsere Stempel im Pass innerhalb von 5 Minuten erhalte, stehe ich 45 Minuten an der Aduana, bis der Mensch alle erforderlichen Daten in die Kiste eingegeben hat, inklusive haufenweiser Kopien. Zu Fuß hätte es max. 10 min. gedauert. Wir sind auf relativ gutem Asphalt unterwegs auf der Ruta 35 nach Loja. In Loja sind unsere Kraftstoffreserven fast am Ende und wir finden am Anfang der Stadt eine Texaco-Tanke, die Kreditkarten akzeptiert. 661 Liter können wir fassen.

Doch nun kommt der Hammer, wir brauchen nur ca. 139 € bezahlen, einschließlich der ca. 5,50 €, die für die Benutzung der Kreditkarte verrechnet werden. Beim nächsten Mal sind wir schlauer und bezahlen cash. Wir kommen recht schnell voran.

Zwischendurch kommen in den Bergen einige Baustellen und ich bemerke jedes Mal wenn unser Fahrzeug tief ein- und ausfedert ein lautes Krachen rechts vorn. Nach genauerer Inspektion stellt sich heraus, dass sich an der hinteren Federaufhängung Langlöcher gebildet haben. Scheint wohl der Tribut der schlechten Pisten in Bolivien und Perú zu sein. So machen wir uns auf dem schnellsten Weg auf nach Ambato, wo es in der Avenida Indoamerica eine MAN-Vertretung mit Namen Autoline S.A. geben soll. Nur ein TGA steht gerade mit defekter Einspritzpumpe unter dem zum Teil überdachten Platz, somit haben die Jungs wenig zu tun. Unter neugierigen Blicken und gezückten Fotohandys können wir sofort unter die Bedachung fahren, denn so ein Fahrzeug hat man hier noch nicht auf dem Hof gehabt. Mit Ersatzteilen könne man uns allerdings nicht dienen, da solche Fahrzeuge nicht in Ecuador laufen würden. Welch eine Neuigkeit! Somit werden die beiden Platten ausgebaut, spezielles Material gekauft (hoffentlich) und in einem metallverarbeitenden Betrieb bearbeitet. Der untere Bolzen ist auch schon zur Hälfte durch und muss somit auch ersetzt werden. Gut, dass wir uns damals in Chile vier Bolzen als Reserve haben machen lassen. Gleichzeitig wird auch wieder ein Ölwechsel fällig. Da unser Motor seit einiger Zeit ölt und mit zunehmenden Kilometern mehr wird, spreche ich dieses Problem auch noch an. Der Werkstattmeister behauptet allerdings es sei Diesel aus einer leckenden Leitung. Ich wette mit ihm um 1 US$, dass es nicht so ist. Ich gewinne natürlich, weil ich schon seit längerer Zeit beobachte, dass es am Flansch der Einspritzpumpe leckt. Die Pumpe wird ausgebaut, der Flansch abgedichtet und wieder eingebaut. Und jetzt starten sie mal! Aber unser Goliath ist nicht zum Leben zu erwecken. Ah, vielleicht falsche Gradzahl, wieder raus, jetzt mit 5°. Goliath will immer noch nicht und so geht es den ganzen Tag ohne dass man den Motor zum Leben erwecken kann. Ich scherze noch, die Marokkaner haben das vor 4 Jahren alles in fünf Stunden geschafft und ihr? Dann versucht man die Motornummer zu entziffern, aber es gibt keinen Aufschluss auf die einzustellende Gradzahl. Der Werkstattchef ist mit seinem Latein am Ende und ruft die Hauptniederlassung in Guayaquil an. Es stellt sich heraus, dass der Motor um 180° verdreht stand. Das sind übrigens nicht die einzigen Böcke, die diese Pfeifen hier schießen. Hier geht es eher nach dem Motto, 10000 Volt in den Armen und oben brennt keine Lampe. Der Hammer ist das wichtigste Werkzeug und bei jedem Schritt muss man aufpassen sich nicht aufs Kreuz zu legen, weil alles in Öl versinkt. Fazit: Ambato ist mit Abstand die schlechteste MAN-Werkstatt, die wir bisher angefahren haben, aber dafür sind alle super nett.

Und da haben wir auch schon wieder das Problem mit unwuchten Reifen. Da gibt es im Übrigen einiges zu sagen. Wir würden am liebsten unsere 395/85-20 wieder haben. Das gilt allerdings nur bei der Benutzung mit Schläuchen wie in unserem Fall. Der von Michelin angegebene Luftdruck bei einer Achsbelastung von 6 Tonnen liegt bei 4,25 Bar. Anfangs lagen wir darunter, was uns unter anderem unsere häufigen Plattfüße beschert hat. Es waren immer nur die Schläuche durchgescheuert. Selbst bei den angegebenen 4,25 Bar ging ihnen auf Pisten die Luft aus. Erst als wir sie auf 5 Bar aufgeblasen haben, waren unsere Probleme verschwunden. Daraus entwickelte sich allerdings ein großer Nachteil. Unsere Kiste ist seitdem auf den Pisten so hart, dass unsere Hirnwindungen an die Wände knallen und das macht wiederum Kopfschmerzen. Alles in allem eine sehr unbefriedigende Angelegenheit, noch harmlos ausgedrückt. Dazu kommt, dass es hier für unsere Felgen keine passenden Gewichte gibt und alles mit Autospielzeuggewichten verziert werden muss. Das Ganze kleidet dann den halben Felgendurchmesser aus, weil die Unwuchten zum Teil so groß sind und die Gewichte oftmals nicht ausreichen. Wir finden zwar hier in Ambato eine Reifenbude, die eine Maschine haben, die unsere Reifengröße überhaupt spannen kann, doch die LKW-Gewichte sind wie erwartet nach zwei Minuten alle wieder verschwunden, sodass wir wieder auf die Spielzeuggewichte ausweichen müssen, die allerdings auch nur halten, weil wir sie mit Silikon fixieren, aber eben mit unbefriedigendem Erfolg. Unsere alten 395er haben wir ständig mit 3,5 Bar gefahren, auf schlechten Pisten sogar mit wesentlich weniger Druck und das über hunderte von Kilometern ohne nennenswerte Beschädigungen. Zumindest würden wir nie mehr ohne ausreichende, passende Gewichte losfahren. Sollte jemand ein Patentrezept haben darf er sich gerne unter unserer E-Mail melden!

Als alle Probleme beseitigt scheinen, verlassen wir die freundliche MAN-Werkstatt in Ambato und machen uns auf nach Baños und Puyo, 40 bzw. 80 Km weiter am Rande des tätigen Vulkans Tungurahua, der 2006 übrigens das letzte Mal ausgebrochen ist. Die beiden Städte werden uns als sehr schön angepriesen, mit schönem Blick auf den Vulkan, wenn er denn mal nicht von Wolken verdeckt ist. Uns haben die beiden Städte nicht vom Hocker gehauen.

Was allerdings lohnenswert ist, sind die Besuche in verschiedenen kleineren Tier- und botanischen Parks. In einem kleinen Privatpark können wir unseren ersten Tapir bewundern. Wir stampfen durch das riesige unwegsame Gelände. Unser Führer versucht pfeifend den Tapir anzulocken, aber nix tut sich. Nach einer Viertelstunde bemerken wir, dass er es sich nur 5 Meter neben uns im hohen Dickicht gemütlich gemacht hat und uns eigentlich die ganze Zeit beobachtet hat. Selten haben wir ein so freundliches und friedliches Tier gesehen. Es lässt sich bereitwillig streicheln, legt sich dabei auf die Seite und lässt erst mal genüsslich einen "sausen ", dass einem fast die Kappe wegfliegt.

Wir erreichen die Hauptstadt Quito. Herr Schweitzer von MAN Ecuador hat es uns ermöglicht, dass wir auf dem Gelände der in wenigen Wochen eröffnenden Zweigstelle von MAN in Quito, an der Av. Eloy Alfaro y Av. Anonas (S 0°07.806' W 78°28.233') einige Tage unbehelligt stehen können. So können wir tagsüber beruhigt mit dem Taxi in die berühmte und historische Altstadt fahren. Auf jeden Fall ein lohnenswerter Besuch, den Rest von Quito kann man in die Tonne treten. Ekelhafter Gestank von Abgasen, katastrophaler Verkehr und Dreck bestimmen das Bild von Quito. Nach drei Tagen sind wir froh dieses stinkende Loch verlassen zu können. Aber da wir schon mal in Ecuador sind und es der Name schon sagt, dass man sich am Äquator befindet, sollte man auch dem Mittelpunkt der Erde einen Besuch abstatten. Ein riesiges Monument weist auf diese Tatsache hin. Doch zuvor sind 1,50 US$ Parkplatzgebühr und 2 US$ p.P. an Eintritt zu berappen. Auf höfliche Anfrage dürfen wir sogar die Nacht auf dem Parkplatz übernachten.

Kurze Zeit später, auf dem Weg nach Nordosten, überqueren wir ein zweites Mal den Äquator. Ein kleineres Monument weist auch hier auf den Mittelpunkt der Erde hin, doch hier hätte es nix gekostet. Auf nach Otavalo, denn hier gibt es an den Wochenenden einen farbenfrohen, riesigen Markt. Einheimische geben sich hier in ihren schönen Trachten ein Stelldichein.

Wir versuchen im Hostal und Camping La Luna unter zu kommen, aber das Gelände ist für uns zu klein und außerdem hält man sich hier 4 riesige Hunde, also nix für uns. Wir finden auf dem Weg zur Laguna Mojanda, ca. 1 Km von der Panamericana, bei N 00° 13,148' und W 078° 16,574', den Camping Rincón del Viajero. Zurzeit besteht nur ein Stellplatz unserer Größe in der Einfahrt des Geländes, jedoch verspricht Chef Denis in näherer Zukunft eine größere Einfahrt auf der anderen Seite des Geländes zu machen, um auf den großen Rasenplatz zu gelangen. Für 3 US$ p.P. eine lohnenswerte Adresse. Von hieraus machen wir noch einen kleinen Abstecher zur ca. 15 Km entfernten Laguna Mojanda.

Sie liegt in 3700 Meter Höhe und bietet einige schöne Plätze zum freien Übernachten, was in Ecuador schon erwähnenswert ist. Der Weg bis an die Lagune ist Kopfsteinpflaster, ab hier Erdpiste mit Tücken. Wir wollen versuchen die Lagune zu umrunden und freuen uns, endlich mal wieder Piste. Auf der anderen Seite angekommen müssen wir einem Erdrutsch ausweichen, der die Piste z.T. weggespült hat. Wir müssen an den Pistenrand ausweichen und in Sekundenschnelle haben wir das sportlichste Ereignis des Tages und der letzten drei Jahre. Der Pistenrand ist weich wie Pudding und ehe wir uns versehen sackt unsere 12-Tonnen-Fuhre rechts, vor wunderschöner Bergkulisse, bis auf die Achsen ab. Wir stehen so schräg, dass Eros sich auf seinem Stammplatz in der Mitte des Fahrerhauses nicht mehr halten kann und erst mit dem Hintern an der Beifahrertür gebremst wird. Unsere Winde ist uns hier überhaupt keine Hilfe, denn weit und breit kein Baum und kein Fels, an dem man das Seil befestigen könnte und auch keine Menschenseele ist zu sehen. Also Schaufeln raus und unsere Warmlaufphase beginnt. 1 1/2 Std. brauchen wir, um uns bis an den Grund der Gummis vorzuarbeiten, um dann schlussendlich unsere bis jetzt nie gebrauchten Sandbleche unterlegen zu können. In 3700 Metern mit dem entsprechend wenigen Sauerstoff nicht ganz einfach. Die Räder haben sich in dem Modder so festgesogen, dass erst der kleinste Gang in der Untersetzung es schafft unser trautes Heim in Bewegung zu setzen. Langsam aber stetig befreit sich unser Goliath aus seiner misslichen Lage. Doch die Arbeit ist noch nicht zu Ende, wo sind unsere Sandbleche? Sie sind bei dieser Aktion so tief in der Scheiße verschwunden, dass wir eine weitere Stunde damit verbringen sie wieder auszubuddeln. Total verbogen können wir sie bergen. Wir legen sie unter die Räder und bügeln sie wieder glatt.

Video

So, für heute reicht uns das, wir fahren zurück zum Camping.

Am 31.10.07 brechen wir auf zur letzten Etappe, zur kolumbianischen Grenze. Doch zuvor nochmal die Dieselfässer auffüllen, denn in Kolumbien soll der Sprit teurer sein. Also brummen wir an die Tanke. Eine Frau steht dort schon mit gezücktem Rüssel. Zu bezahlen haben wir 135 US$, ich lege 140 US$ hin und sie gibt mir 25 US$ zurück. Ich schaue sie verdutzt an, keine Reaktion, steige ins Auto und denke, der Saft war heute aber billig. Wir sind schon 10 Minuten unterwegs auf der Panamericana, da überholt uns ein Taxi, aus dem Beifahrerfenster ein Arm wild gestikulierend, ich soll anhalten. Da steigt die Frau von der Tanke aus, bittet vielmals um Entschuldigung, aber sie hätte sich zu meinen Gunsten verrechnet. Lachend gebe ich ihr die 20 US$ zurück. 2 Stunden nach diesem lustigen Zwischenfall stehen wir 13 Km hinter Tulcán an der Brücke Rumichaca, der Grenze Kolumbiens. Die Ausreise geht ratzfatz vonstatten. Ecuador hat uns neben Brasilien bis jetzt am wenigsten gefallen und deshalb sind wir froh von hier verschwinden zu können.

 

Bleibt alle sauber und wir sehen uns wieder in Kolumbien. Marion, Walter, Whisky und Eros.