Chile.

 

Reisezeit: 13.04.2007 bis 09.05.2007

 

Nun, da sind wir wieder in Chile unterwegs. Vom höchsten Punkt des Passes aus sind es noch ca. 100 Km bis zur chilenischen Grenzabfertigung. Die letzte Nacht haben wir kaum geschlafen, weil wir noch bei weit über 3000 Meter übernachtet haben. Eines der lästigen Übel in der Höhe. Ich konnte bei diesen Höhen bislang nie schlafen und Marion nicht, weil sie fast immer von Kopfschmerzen geplagt wird. Früh morgens stehen wir am Schlagbaum. Alle Jalousien sind noch zu, denn der Pass ist nachts nicht geöffnet. Bis dann erst mal alle Computer in Gang und alle Grenzer auf den Beinen sind, vergeht einige Zeit.

Von hieraus geht es nach La Serena, wo auch MAN sein soll, denn ich trau es mich kaum noch zu erwähnen und es entwickelt sich langsam zum Albtraum. Seit kurzem muss ich wieder feststellen, dass unser MAN beim Bremsen nach rechts zieht. Ein Blick in die Bremstrommel, schon wieder ÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖL!. Ich kriege bald die Fräggeln! Der letzte Simmerring wurde doch in Santiago gewechselt und seitdem sind gerade mal 5 Wochen und 1500 Km vergangen. Also nix wie wieder hin nach Unión Técnica, denn das ist ja schließlich Garantie. Der Laden da ist ein Lacher, zwar verkaufen sie MAN-Teile und haben auch eine Werkstatt, aber da steht nicht ein einziges Auto drin und der einzige Schrauber ist auch nicht immer da, der wird im Bedarfsfall bestellt. Also für Montag den Schrauber bestellt. Am Montag kommt er dann, mit einer Aldi-Tüte voll Werkzeug, denn in der Werkstatt haben sie keins. Ohne mein Werkzeug, was ich freundlicherweise zur Verfügung stelle, ständen wir wahrscheinlich heute noch da. Ein Außenplanetengetriebe hat er auch noch nicht gesehen, aber ein netter Kerl ist er. Na, das kann ja lustig werden!!!! Also, wir beide zusammen gehen an die Arbeit unter meiner Anleitung. Na und was müssen wir da feststellen? Die Ballerbirnen in Santiago scheinen das Radlager nicht richtig festgezogen zu haben. Der Simmerring ist kurz davor aus seinem Sitz zu fallen, das innere Radlager ist inne Fritten und der Lagersitz ausgeschlagen. Der Lagersitz muss ausgedreht und erneuert werden. Noch Fragen? Ein Gutes hat die Geschichte allerdings. 5 Tage übernachten wir auf dem Parkplatz des Jumbo-Supermarktes und machen tagsüber Frusteinkäufe, so mit Schwarzwälder Kirschtorte, Rittersport Schokolade, Schweinefilet usw.

Am Sonntag besuchen wir noch im benachbarten Coquimbo eine Rennstrecke. Was bei uns vor 30 Jahren auf den Rennstrecken zu finden war, ist hier noch aktuell. Fiat 600 und 128 kreischen mit Höllenlärm über den Parcours. Einfach toll. Aber dann kommt die Königsklasse und lässt einem die Hose feucht werden. Die amerikanischen Achtzylinder sind an der Reihe. Das muss man einfach mal miterlebt haben, wenn 30 dieser Monster mit Auspuffrohren wie Schornsteine in ohrenbetäubendem Lärm über die Strecke hämmern. Für uns auf jeden Fall ein Muss, solche Veranstaltungen zu besuchen, wenn wir die USA erreicht haben.

Am Mittwoch den 18.04.07 machen wir uns wieder auf Richtung Norden, nach Antofagasta. Doch zuvor fahren wir die Küstenstraße zur Isla Damas, wo Karibikflair herrschen soll. Aber daraus wird nichts, denn die Insel liegt im Nebel und wir lassen sie im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Später wechseln wir auf die Ruta 1, die direkt an der Küste entlang führt. Hier sind wir über lange Zeit völlig allein, mal abgesehen von einigen wenigen Fischern, die hier in ihren Blechhütten vegetieren. Anfangs noch recht zügig zu befahren, entwickelt sich der weitere Verlauf zum Teil sehr steinig und eng und wir kommen nur langsam voran. Viele Umgehungen wurden geschaffen, da unzählige, zurzeit trockene Flussläufe die Piste weggespült haben. Es gibt haufenweise schöne Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Wasser und wir genießen die Einsamkeit. Doch irgendwann hat auch die schönste Piste mal ein Ende und wir treffen auf die asphaltierte Ruta 5. 16 Km von hier, Richtung Süden, wollen wir noch zur Mano del Desierto. Da hat ein Künstler eine überdimensionale Hand in den Wüstensand gebastelt. Dort treffen wir auf Volkmar und Gudrun aus Berlin, unterwegs mit einem VW Bulli. Wir beschließen ein paar Tage zusammen zu reisen. Unser erstes gemeinsames Ziel ist Antofagasta und das nördlich gelegene La Portada, ein riesiges vom Meer geformtes Felsentor. Wir stehen einige Tage an der Steilküste mit Blick auf das Portada. Hunderte von Seevögeln, darunter viele Pelikane, Kormorane, Möwen und Geier geben sich hier in den Aufwinden ein Stelldichein und sind fast zum Greifen nah.

Doch dann haben wir genug der Vogelkunde, denn wir wollen ja noch nach Calama und der 16 Km entfernten, größten Tagebau-Kupfermine der Welt in Chuquicamata einen Besuch abstatten. Der Ort selbst fast ausgestorben, weil fast alle Anwohner nach Calama umgesiedelt wurden, denn die Mine breitet sich rasend schnell aus. Wir übernachten an der Plaza im Ortskern fast gegenüber des Anmeldebüros der Minengesellschaft. Täglich um 14.00 Uhr, außer an Wochenenden, findet eine geführte Bustour in die Mine statt. Die Tour ist umsonst, doch man spendet p.P.1000 Pesos an ein Kinderhilfswerk. Nach einer kurzen Information über die Mine geht's dann los. Man Leute, das muss man gesehen haben. Hier arbeiten ca. 5000 Menschen, davon 1000 in drei Schichten. Aber im Angesicht der riesigen Maschinen, die hier wie die Ameisen rumsausen, bleibt mir die Spucke weg. Wir bleiben am Rand der Mine stehen und schauen in das 5 Km lange, 3 Km breite und 900 Meter tiefe Loch. Es ist selbst vom Weltall aus gut zu erkennen. 70 von insgesamt 90 Mördermuldenkippern bewegen sich 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, mit 15 Km pro Stunde die Pisten rauf und runter, der kleinste transportiert 170 Tonnen, der größte Made by Liebherr, 400 Tonnen. 4000000 US$ kostet so ein Spielzeug und einer der 4 Meter hohen Reifen kostet 18000 US$, die zwischen 6 und 8 Monate halten. Den 3000 PS starken Motor treibt allerdings nur ein Stromgenerator an. Der Antrieb erfolgt über 4 Elektromotoren, an jedem Rad einer. Der durchschnittliche Verbrauch an Diesel liegt bei 2-3 Liter pro Minute. Normale Dieselaggregate als Antrieb haben die immer größer werdenden Steigungen und steigende Nutzlast der Fahrzeuge nicht mehr bewältigen können. Aus den zwei 30 cm dicken Auspuffrohren kommt ein infernalischer Sound der mir die Buchse flattern lässt. Eine Million Tonnen reines Kupfer werden hier im Jahr aus dem Loch geholt und wenn ich mich recht erinnere fallen dabei 90 Millionen Tonnen Abraum an. Weitere Minen liegen in wenigen Kilometern Entfernung. In ca. 15 Jahren will man sie verbunden haben und es soll ein gigantisches Loch von 15 Km Länge und 5 Km Breite entstehen. Mein größter Wunsch wäre gewesen, unserem MAN neben einem solchen Riesen auf ein Foto zu bannen, aber keine Chance.

Wir verbleiben noch einige Tage auf einem Camping in Calama, versorgen uns mit allen wichtigen Sachen, tanken hier noch einmal für rund 490 Pesos pro Liter, denn unsere letzte Versorgungsmöglichkeit vor der bolivianischen Grenze, in San Pedro de Atacama, wird nur noch teurer. Auf dem Weg dorthin liegen die Geysire von El Tatio, in 4320 Metern Höhe. Doch zuvor übernachten wir noch eine Nacht in der Pampa, um uns besser an die bevorstehende Höhe zu gewöhnen und haben gleichzeitig noch ein freudiges Ereignis zu feiern, VW-Bulli-Gudrun wird 60 Jahre, ein Grund um einen leckeren Apfelkuchen anzuschneiden.

Die Geysire, letztes Jahr noch umsonst, kosten jetzt 3500 Pesos p.P für Ausländer, Einheimische bezahlen 2500 Pesos. Hunde erlaubt. Ach ja, und am nächsten Tag verlangt man dann noch plötzlich 2000 Pesos pro Fahrzeug fürs Parken. Für mich mal wieder Zeit am Überdruckventil Dampf abzulassen, um nicht zu explodieren. Für uns ist es die höchste Übernachtung bislang überhaupt und es wird seit langer Zeit mal wieder richtig kalt. Unsere Webasto funktioniert in der Nacht zwar noch, hat aber die ganze Zeit über einen Würfelhusten. Minus 10° zeigt unser Thermometer am Morgen. Am Mittag quittiert sie dann gänzlich ihren Dienst aus Sauerstoffmangel. Gegen die Höhenbeschwerden werden uns Cocablätter angeboten, von denen wir uns Tee machen, selbst unser Eros verschmäht das Zeug nicht. Mal schauen ob es hilft!!!???

Marion will unbedingt noch zur Laguna Miscanti und Laguna Meñiques. O.k., dann fahren wir da auch noch hin. Über San Pedro de Atacama arbeiten wir uns wieder auf 4300 Meter rauf. Nu kotzt es mich aber langsam an, da hält schon wieder einer die Hand auf. Für jede Pfütze haste hier die Mücken zu zücken, 2000 Pesos p.P., Hunde im Fahrzeug erlaubt.

Seit einiger Zeit versuchen wir unsere Reifen auszuwuchten. Anfangs in Santiago sah alles ganz gut aus, aber nach einiger Zeit wurde das Wabbeln immer schlimmer. Keiner kann uns die Reifen wuchten, weil alle nur die Maschinen haben, die von außen das Rad antreiben. In Calama kommt man auf die Idee die ganze Karre aufzubocken, den größten Gang rein und Vollgas, dann die Maschine dran und siehe da es klappt. Von 100 - 900 Gramm pro Rad ist alles vertreten. Danach die Probefahrt, ich mache natürlich richtig Schwung, komme wieder auf den Platz gefahren und fast alle Gewichte sind weg. Ich hoffe nur, dass ich keinem mit den bis zu 300 Gramm schweren Gewichten einen vorzeitigen Tod beschert habe.

Wie schon öfters, ändern wir unsere Pläne und entscheiden uns nicht bei San Pedro de Atacama über die Grenze nach Bolivien zu gehen, denn nach genauerer Studie der Karten, wäre das für uns mit knapp über 5000 Metern nicht nur der höchste Pass, sondern wir würden uns die folgenden Tage immer bei weit mehr als 4000 Metern bewegen und auch nächtigen müssen, mit dementsprechender Arscheskälte. Nein wir verzichten darauf. Am 09.05.07 machen wir uns erneut von Calama auf zum 180 Km entfernten Grenzübergang Ollagüe an der Grenze Boliviens.

Am chilenischen Grenzposten treffen wir Jo und Paul mit Söhnchen Elliott mit ihrem Landrover wieder, die wir bereits auf dem Camping in Calama kennengelernt haben. Völlig gefrustet wollen sie gerade ihren Rückweg nach Chile wieder antreten. Angeblich sind rechtsgesteuerte Fahrzeuge in Bolivien nicht erlaubt und der bolivianische Grenzer lässt sich nicht erweichen. Wir können ihnen leider auch nicht weiter helfen und so erledigen wir unsere Ausreise problemlos in wenigen Minuten. Inzwischen hat sich ein weiterer VW-Bulli mit Raimund und Michaela uns angeschlossen und so steuert der ungleiche Convoy auf die  Grenze von Bolivien zu.

Wir hoffen, ihr werdet nicht müde unsere Berichte weiterhin zu verfolgen und wir sehen uns wieder in Bolivien.

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.