Chile

 

Reisezeit: 25.02.2007 bis 12.04.2007

 

Weiter führt uns unser Weg durch den Nationalpark Conguillio. Eigentlich sind hier Hunde verboten, aber wir versprechen dem Ranger nur durchzufahren, die Hunde nicht laufenzulassen und nicht zu übernachten. Er lässt sich auf den Deal ein und für 3000 Pesos p.P. öffnet er uns den Schlagbaum. Hätte er uns allerdings vorher gesagt, was auf uns zukommt, wären wir umgedreht. Die nur ca. 23 Km lange Piste durch den Park ist an vielen Stellen so eng, dass wir so gerade mit unserem Goliath durchpassen. Zum Teil wirklich Millimeterarbeit in engen Kurven und an der Piste stehenden Bäumen, mit Steigungen die 4x4-Betrieb nötig machen, weil unsere Hinterräder durchdrehen. Und dann immer wieder Gegenverkehr, aber zum Glück nur PKW.

Von hier aus geht es weiter auf die Ruta 5 nach Norden bis zu dem größten Wasserfall von Chile, dem Salto del Laja, der sich über 100 Meter breit, 30 Meter in die Tiefe stürzt. Hier ist der Eintritt mal umsonst. Die Campingplätze sind hier zwar nicht umsonst, aber dafür zu eng für uns. So fahren wir ca. 1 Km durch den Ort und finden einen großen freien Platz zum Übernachten.

Am Nachmittag gesellen sich noch Gisela und Rainer zu uns mit ihrem Mercedes 1114 - "Made bei Füss". Weiter geht's auf der Panamericana, Ruta 5, zum Naturreservat Siete Tazas. Wir fahren mit der Kawa vom Camping aus in den Park. Wie schon so oft sind auch hier Hunde verboten. Vom Parkplatz aus gelangt man auf einen 1 Km langen Fußweg zu den sieben terrassenförmig abfallenden Wasserfällen. Die Chilenen haben es auch raus die Touristen abzuzocken, denn wir müssen den doppelten Preis berappen (3000 Pesos p.P.).

Über die legendäre Panamericana erreichen wir am 03.03.07 Santiago. Normalerweise muss man auf dem Ring um Santiago herum eine Extramaut bezahlen. Das erforderliche Pickerl kann man an Tankstellen kaufen, doch wir haben mehrfach gehört, dass das elektronische Erfassungssystem ausländische Kennzeichen nicht lesen kann und fahren somit ohne das Pickerl nach MAN. Nach 70000 gefahrenen Kilometern, lassen wir hier alle Öle wechseln, Ventile einstellen, usw. Wie ich es fast erwartet habe, sind nicht alle Teile unserer bestellten Motorbremse vorrätig. Einen Befestigungsflansch hat man vergessen zu bestellen, aber es baumelt noch ein alter Flansch an unserem Abgasrohr rum den wir verwenden können. Na und da ist ja immer noch unser altes Problem mit den Federn!!! Der MAN Chef Marcel Bunout sagt zu mir, es kommt nicht in die Tüte, dass du die teuren Federn von Deutschland bestellst. Wir haben hier eine Federfabrik die alle Federn für die amerikanischen Lkw herstellt. O.k., ich lass mich bequatschen und wir stehen am nächsten Tag in der Firma Invicta und lassen Maß nehmen. Ich erkläre dem Chef, dass ich mittlerweile ein gebranntes Kind bin. Wenn ich nicht zufrieden sei, würde man solange basteln, bis ich zufrieden wäre. Man sagt mir, sie werden alles etwas verstärken und dann klappt das schon, Preis für 2 Pakete inkl. Arbeit ca. 800 Euro - hört sich gut an. Ich sage noch, das Fahrzeug ist aber links 500 Kg schwerer. Alles kein Problem. Am nächsten Tag sind die Dinger eingebaut, die Kiste wird runter gelassen und hängt wie von mir erwartet links wieder runter. Alles freut sich, sieht doch gut aus, nur ich bin nicht zufrieden. Ich sag nur, entweder gleicher Stand auf beiden Seiten oder kein Geld. Also linkes Paket wieder raus, ein Blatt mehr rein und alles nochmal nachgebogen. Das Ergebnis sieht erstaunlich gut aus und ich bin zufrieden. Doch einen Haken hat das Ganze. Wir sind nun so hoch auf den Beinen, dass unsere Stoßdämpfer zu kurz sind. Wir bekommen noch zwei längere Stoßdämpfer verpasst und alles ist hoffentlich nun in Ordnung. Nur zur Erinnerung! 2 Pakete in Südafrika, aber Scheiße, kosteten 1600 Euro, 1 Originalpaket von MAN 1400+Märchensteuer in Deutschland, 1 Originalpaket in Santiago inkl. Fracht und 18%iger Märchensteuer auch nur 1400 Euro. Letzteres ist mir relativ unverständlich. Da ich mittlerweile etwas skeptisch geworden bin, was die Haltbarkeit unserer Federbolzen angeht, lasse ich mir noch 4 zusätzliche Bolzen aus 10.9 Material drehen, Preis inkl. Touristenzuschlag 40 Euro. In Deutschland haben mich 4 dieser Bolzen von MAN sage und schreibe 246 Teuro + Steuer gekostet.

Nun aber genug der Zahlenspielerei. Ein bitterer Beigeschmack kommt auf, wenn wir an die MAN-Werkstatt in Santiago denken. Noch nie habe ich so viel Gleichgültigkeit und schlechte Koordination in den höheren Etagen erlebt. Der kleine Schrauber macht seine Arbeit eigentlich ordentlich, wenn man ihm auf die Finger sieht, aber auch an unserem Fahrzeug wurden Muttern vergessen anzuziehen, wie wir später in Mendoza feststellen mussten. Die von uns vor einem halben Jahr bestellten Ersatzteile wurden nicht korrekt oder gar nicht bestellt und bei Ankunft nicht kontrolliert. Eine Reparaturliste die zusammen mit dem Werkstattmeister erstellt wurde, wäre nur zu 1/3 fertig gestellt worden, hätten wir den Meister nicht daran erinnert, dass noch einiges fehlt. Aber das Härteste war, dass wir wahrscheinlich heute noch auf dem Werkstattgelände stehen würden, wenn wir nicht darauf aufmerksam gemacht hätten, dass auch wir Kunden seien und nicht das Maskottchen der MAN-Werkstatt. Eine Beschwerde bei Marcel Bunout, dem Chef der Firma, hat dann letztendlich Bewegung in die Sache gebracht. Das Einzige, was einwandfrei geklappt hat, war die Bestellung unserer 8 neuen Michelin 14.00 XZL Reifen. Unsere alten können wir noch für 200 US$ verkaufen.

Nach ganzen 2 Wochen verlassen wir mit neuen Pneus das MAN-Gelände und fahren noch ein letztes Mal übern Berg nach Mendoza, um unseren Freund Fabián in Argentinien zu besuchen.

Am 17.03.07 fahren wir zum zweiten Mal über den Paso Sistema Cristo Redentor, der übrigens für uns der schlechteste Pass ist, wenn es um die Abfertigung am Zoll geht. Vorsicht ist geboten bei der Einreise von Argentinien nach Chile. Man unterschreibt ein Formular, dass man keine verbotenen Sachen, wie Obst und Fleisch einführt. In diesem Fall hat man sie entweder sehr gut versteckt oder man hat wirklich nichts dabei. Finden sie bei der Kontrolle des Fahrzeugs die verbotenen Sachen, zerpflücken sie einem das Fahrzeug nach allen Regeln der Kunst (bis zu 3 Std.) und ist eine Strafe von 100 € los. Bekannten ist es so ergangen.

Allerdings werden wir für einiges wieder entschädigt, wir sehen nämlich den 6959 Meter hohen und gleichzeitig höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua, bei strahlendem Sonnenschein.

Am nächsten Tag treffen wir bei unserem Freund Fabián überraschend ein. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, dass wir noch mal wieder kommen, dementsprechend groß ist die Freude. Mendoza ist für uns wie das Schlaraffenland, es gibt hier fast alles um Mensch und Maschine zu versorgen. So lassen wir hier unsere zerdepperte linke Frontscheibe ersetzen. Da wird einen Tag vorher Maß genommen, am nächsten Tag steht man wie vereinbart um achte auf der Matte, damit es dann um zehne endlich losgeht. Dann wird der Rohling angeliefert und vor Ort zugeschnitten. Das Ganze dann für schlappe 70 €, zu Hause 200.

Den Konstrukteur unserer Seilwinde sollte man an der nächsten Laterne baumeln lassen, denn ihm haben wir es zu verdanken, dass bei Flussdurchfahrten Wasser ins Innere gelangt und Rost ansetzt. So wird sie bei einem Hydraulikspezialisten an einem Tag ausgebaut, am nächsten Tag zerlegt und am dritten Tag wieder eingebaut. Da Chef Andrés auch Drehmaschinen hat, lassen wir uns noch unsere ausgeleierten Buchsen vom Hinterachsstabilisator neu drehen, dessen Material ich vorher als Rohling gekauft habe. Alles zusammen kostet uns der Aufwand 1000 Pesos (250 €) inklusive einer Einladung zum Asado bei Andrés und seiner Familie. Zuhause hätten mich wahrscheinlich nur die Buchsen für den Stabi 250 € gekostet. Nachdem alle Arbeiten erledigt sind, drehen wir mal wieder ein paar Runden mit Fabián durch die Berge Mendozas.

Ein Besuch der 220 Km entfernten Laguna del Diamante sollte man sich nicht entgehen lassen. Doch Achtung, Hunde verboten. Am Eingang des Parks werden sogar Kontrollen gemacht. Sie schauen in unseren Koffer, wir haben allerdings die Hunde im Fahrerhaus versteckt. Nur mit Mühe kann Marion den neugierigen Whisky im Fußraum halten, Eros verpennt natürlich wieder alles. Bei 3300 Höhenmetern und herrlicher Offroadstrecke erstrahlt dann die Lagune in ihrem Azurblau, im Hintergrund der 5200 Meter hohe Vulkan Maipo.

Dann bietet sich noch Fabián's Freund Roberto an mit uns eine 4x4-Strecke um Uspallata zu machen. Hier brauchen wir an manchen Stellen alle Hebel, die wir am Armaturenbrett zur Verfügung haben, bei Steigungen, dass uns die Spucke wegbleibt. Ich habe zum Teil nicht gedacht, dass wir da hoch kommen. Oben angekommen haben wir einzigartige Ausblicke auf die schneebedeckten Anden mit dem Berg Aconcagua. Unsere Fahrzeugversicherung ist abgelaufen. Wir werden bei der San Cristobal Vertretung in Mendoza vorstellig. Alles kein Problem, allerdings nur für 6 Monate max., aber dafür 50% billiger als in Buenos Aires.

Nach 2 Wochen bei Fabián wird es Zeit weiter zu ziehen, denn wenn wir wieder nach Chile wollen, müssen wir uns sputen, da schon die ersten Pässe wegen Schneefall gesperrt wurden. Fabián scherzt noch, nun hätten wir den MAN runderneuert und hätten für die nächsten 100000 Km nichts zu befürchten. Wir verabschieden uns.

120 Km später bei 80 Sachen blockieren uns die Hinterräder. Mit schlingerndem Heck schaffe ich es gerade noch auf den Seitenstreifen, eine nach Gummi stinkende Wolke umgibt uns. Marion, weiß wie die Wand und zitternd, fragt nur, was war das denn? Ich, bin ich Jesus, habe ich Löcher in den Händen? Nach kurzer Inspektion wird die Ursache unserer tollkühnen Bremsaktion sichtbar. Ein durchgescheuerter Luftschlauch der Handbremse hat sich plötzlich verabschiedet und uns diesen Schreck beschert. Ich tausche kurzerhand den ganzen Schlauch von vorne bis hinten aus, aber auch nur, weil MAN meinte an unserer Handbremse 9 mm Schläuche verarbeiten zu müssen und wir nur 8 mm oder 10 mm Verschraubungen für die Reparatur haben. 1 1/2 Stunden später sind wir wieder im Rennen und auf dem Weg nach Alaska.

Der zweite Schock des Tages abends in der Pampa. Ein lauer Herbstabend, wir spazieren noch ein paar Meter mit Eros und Whisky in einem Flussbett. Im letzten Moment und direkt vor meinen Füßen macht sich eine 1½ Meter lange Schlange von dannen, giftig oder nicht. Die Viecher sind so gut getarnt, dass sie kaum zu erkennen sind. Wenn die sich nicht bewegt hätte, wäre ich mit Sicherheit drauf getreten. Damit haben wir mal wieder nicht gerechnet.

Wir steuern den Provinzialpark Ischigualasto an. Für 15 Pesos p.P. Eintritt, übrigens das 3fache was ein Argentinier bezahlt, können wir im Konvoi in den Park fahren, sogar mit Hunden, wenn sie denn im Fahrzeug bleiben. Allerdings ist es rausgeworfenes Geld. Nichts , was man nicht schon hundertfach in freier Natur gesehen hätte. Na, und weil meine Marion noch unbedingt in den Nationalpark Talampaya muss, werden wir da auch noch vorstellig. Allerdings verschlägt es mir hier die Sprache und ich bin kurz davor den Park sausen zu lassen. 12 Pesos Eintritt p.P, 38,50 Pesos p.P. für die Fahrt mit dem Bus (keine andere Wahl) und abends kommt dann noch so ein Hutzelzwerg, der auch noch 3 Pesos p.P. für die Übernachtung auf dem Parkplatz haben will. Fairerweise muss ich zugeben, dass

man Duschen und Toiletten benutzen kann. Der bislang teuerste Park in Argentinien. Sehenswert ist er schon, der Preis ist allerdings bei weitem nicht gerechtfertigt. Zum anderen wird man mit normalen Kleinbussen reingekarrt, die dann, wie in unserem Fall, im Sand stecken bleiben. Dann kommen sie mit einem Toyota Pickup und wollen diesen tonnenschweren Bus rausziehen, diese Hammerwerfer. Wir werden zum Teil auf Pickups verladen und die Tour wird fortgeführt bei sehr schlechter Organisation. Mein Bedarf an Parks ist vorerst gedeckt!

Über San José de Jachal wollen wir nun endgültig Argentinien verlassen, aber wir brauchen ja wieder die Reisepapiere für unsere beiden Kampfdackel. Aber in diesem Kaff sind sie so blöd, dass sie die Schweine beißen. Was, man braucht eine Genehmigung um mit einem Hund nach Chile zu kommen? Erklärungen unsererseits schlagen fehl, gefrustet verlassen wir die Büros und entschließen uns ca. 150 Km südlich nach San Juan zu fahren, wo man hoffentlich etwas besser aufgeklärt ist. Zur SENASA in der Barrionuevo 2299 lässt man sich besser mit dem Taxi fahren, denn das Büro liegt in einer Wohnsiedlung, deren Strom- und Telefonleitungen so niedrig hängen, dass ab jetzt einige Haushalte auf unabsehbare Zeit auf diesen Komfort verzichten müssen.

Hurra, wir sind nun endlich im Besitz dieser für uns äußerst wichtigen Papiere und brummen wieder die 150 Km zurück, um nach 341 Tagen Argentinien zum allerletzten Mal über den Paso del Agua Negra zu verlassen. Dieser Pass ist eine Augenweide und für uns der höchste und schönste Pass, den wir bislang überquert haben. In endlosen Serpentinen, anfangs auf Asphalt, später Piste, schrauben wir uns stetig von ca. 1000 Meter auf den höchsten Punkt, wo sich unser GPS bei 4766 Metern einpendelt. Wir verlassen allerdings diesen Platz recht schnell, da sich bei uns beiden Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen äußerst unangenehm bemerkbar machen. So verlassen wir Argentinien am 12.04.07 Richtung Chile.

 

Bis dahin. Marion, Walter, Whisky und Eros.