Chile.

 

Reisezeit: 31.01.2007 bis 24.02.2007

 

Visum: Aufenthalt 3 Monate ohne Visum möglich.

Hunde: Von Argentinien kommend benötigt man eine tierärztliche Gesundheitsbescheinigung mit der man zur SENASA geht und bekommt dort eine zweite Bescheinigung, die an der Grenze vorzulegen ist.

Versicherung: Wir haben in Mendoza eine neue Versicherung, gültig für ½ Jahr, für 263 Pesos bei der San Cristobal in Argentinien abgeschlossen, die für fast alle südamerikanischen Länder gilt.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich. Man bekommt ein landeseigenes Titulo De Importación Temporal De Vehiculos und das Fahrzeug kann bis zu 3 Monate im Land bleiben.

Währung: Chilenischer Peso. Ca. 700 Pesos = 1 Euro, 538 Pesos = 1 US$.

Bargeld: Bei allen Banken und an Automaten mit Visa/Master/ (Maestro bis zu 400000 Pesos).

Kreditkarten: Visa/Master/Maestro sind weit verbreitet.

Diesel: Zwischen 430- 460 Pesos.

Benzin: ca. 580 Pesos.

 

Am 31.01.2007 stehen wir am Grenzübergang Chile Chico an der Grenze zu Chile. Wir drücken sofort dem zuständigen Beamten von der SAG (was in Argentinien die SENASA ist) unsere Hundepapiere in die Hand. Alle anderen Formalitäten sind schnell erledigt. Ohne unser Fahrzeug nach Früchten und dergleichen zu kontrollieren, können wir die Grenze passieren. Übrigens bis jetzt der freundlichste und angenehmste Übergang nach Chile. Wir fahren entlang dem Lago General Carrera, in der Mitte die Grenze Chile - Argentinien, hier heißt er Lago Buenos Aires und ist der zweitgrößte See Südamerikas.

Ab dem Grenzort Chile Chico beginnt die knüppelharte Piste mit üblen Löchern und Wellblech, dass uns fast die Plomben aus den Zähnen rappeln, aber dafür werden wir für herrliche Landschaft entschädigt. Es ist ein ständiges bergauf und bergab. Unser MAN hat seit langem mal wieder richtig zu arbeiten mit natürlich gehörigem Durst.

Wir erreichen den Ort El Maitén und biegen Richtung Norden auf die Ruta 7, die legendäre Carretera Austral oder die Panamericana. Einige Kilometer südlich findet sie ihren Anfang und endet nach ca. 15000 Km in Alaska. Nach langem Tag auf harter Piste sind wir froh einen schönen Platz an einem Bergbach zu finden. Aber was kann ich euch berichten, es scheint als hätten wir im Moment Läuse und Flöhe zusammen, alles kommt auf einen Haufen. Nicht nur, dass zum dritten Mal unser linkes Außenplanetengetriebe ölt, nein, zur Abwechslung bricht uns jetzt zum ersten Mal der rechte vordere Federbolzen. Aber nicht nur das, innerhalb von drei Tagen haben wir auch noch zwei Plattfüße vorn. Da es mit dem ölenden Planetengetriebe noch nicht so hochdramatisch ist, wechsle ich nur den Bolzen in Windeseile, denn man hat ja jetzt langsam Übung in diesen Dingen. Doch glücklicher macht mich das nicht. Als ich so in meinen Federn vertieft bin, ruft einer von der Brücke ganz oben: "Eh ihr da, wie kommt man zu euch herunter?" Einige Minuten später steht Sascha da, mit seinem Nissan Patrol, den wir schon vor einiger Zeit in Argentinien getroffen haben. Er fährt noch eben ins nahe gelegene Dorf, um uns alle mit lecker Grillfleisch zu versorgen und wir runden den Abend mit reichlich Alkohol ab. Nach zwei Tagen brechen wir wieder auf und zwei weitere Tage später kommen wir doch nicht umhin, unseren Simmerring vom Außenplanetengetriebe zu wechseln. Also legen wir einen außerplanmäßigen Stopp ein, denn das Öl tropft nur so aus unserer Bremstrommel. Na, und weil ich schon mal dabei bin, kann ich auch gleich die kaputten Staubdichtungen vom Bremszylinder wechseln und unseren letzten Plattfuß flicken, so hat sich das dann auch gelohnt. Nach vollendeter Arbeit schlürfen wir uns noch einen Kaffee in aller Ruhe. Plötzlich schauen wir uns an, was wackelt denn hier so? Zwei Mal innerhalb von 10 Minuten erleben wir ein Erdbeben, nicht dramatisch, aber ein sonderbares Gefühl. Übrigens nichts Besonderes hier in Chile, mehr als 500 Mal im Jahr wackelt hier die Erde.

In Coihaique versorgen wir uns erst einmal mit frischem chilenischen "Zaster", damit wir erst mal wieder nach Herzenslust unser Fressalienlager auffüllen können. Auf unserem Weg müssen wir durch den Nationalpark Queulat, der mal ausnahmsweise nichts kostet. Kurz vorher treffen wir noch Christina aus Brasilien wieder. Sie kämpft gerade auf der steinigen Piste mit ihrem vollbepackten Drahtesel gegen kalte Windstärke 18 oder so an. Das arme Mädchen ist völlig erschöpft, wir können ihr leider nicht helfen. Sie hätt sich ja auch ein Auto zum Reisen kaufen können?!

Der Park ist einfach eine Augenweide, völliger Urwald erwartet uns hier. Die fast einspurige Piste führt vorbei an unzähligen Wasserfällen, chilenischem Rhabarber, deren Blätter teilweise mehr als 1,5 Meter Durchmesser messen. Eine unübersichtliche Kurve jagt die andere und nicht selten bringen wir unsere Räder zum Blockieren, weil die Chilenen meinen, ihnen gehört die Piste allein. Lustig mit anzusehen wie den Burschen dann mit weit offenem Mund die Augen vor Schreck fast an die Frontscheibe knallen. Wir haben vollstes Verständnis für deren Situation. Andere wiederum pochen auf ihr Recht in der Mitte zu fahren und wir sollen in den Graben, aber ich halte stur drauf zu, was glaubt ihr wer gewonnen hat? Wir machen uns zwar keine Freunde damit, aber was soll's, ein paar mehr oder weniger bringen uns nicht um. Nach ca. 900 Km müssen wir Chile wieder verlassen, denn ab nun geht es nur noch auf dem Wasserweg weiter und der ist uns zu teuer.

Kurz vor der Grenze nach Argentinien, in Futaleufu, bei S 43°12.294' und W 71°54.768' finden wir ein ausgesprochen schöneres Plätzchen an einem glasklaren Fluss und zudem noch alte Bekannte und wir beschließen einige Tage hier zu verweilen. Zum ersten Mal buche ich eine Rafting-Tour mit dem Schwierigkeitsgrad 4-5, wenn das einem was sagt, bei 6 soll angeblich Schluss sein und nicht mehr zu bewältigen. Also besagter Tag, wir fahren mit dem Auto, 6 wagemutige Männer + 1 Frau, zum Startplatz. Nach einem Kurs in Verhaltensregeln, springen wir in unsere Neoprenanzüge, Schwimmweste an, Helm auf und stechen in Fluss. Tolle Landschaft begleitet uns links und rechts des Ufers. Dann, es wird unruhiger und plötzlich paddeln wir auf die ersten Stromschnellen zu. Ca. 3 Meter hohe Wellen stellen sich uns in den Weg, der Skipper schreit irgendwelche Instruktionen und schwupp sind wir durch. Das ist ja easy, denke ich. Der Fluss beruhigt sich und wir bekommen die nächsten Instruktionen fürs nächste Abenteuer, was sich schon laut tosend ankündigt. Alle paddeln wie die Blöden, doch wir gehen quer, im wahrsten Sinne des Wortes, den Bach runter und es kommt wie es kommen muss, unsere Nussschale bäumt sich auf und wir gehen alle baden. Meine Leidensgenossin taucht aus den Fluten auf und krallt sich in ihrer Panik an meiner Rettungsweste fest und ich bin noch unfähiger die Richtung zu halten. So kommt das Unvermeidliche, wir knallen auf einen Felsen. Mein Ellenbogen schmerzt und plötzlich sind wir durch diese Mörderstromschnelle hindurch. Es dauert noch eine halbe Stunde bis der Lumpensammler mit seinem Rettungsboot alle wieder eingesammelt hat. Und so geht es 2 Stunden weiter, allerdings ohne ein weiteres Mal baden zu gehen. Mein Ellenbogen hat bis auf einen schmerzenden Bluterguss nichts weiter abbekommen.

Am 11.02.07 stehen wir wieder einmal an der Grenze zu Argentinien bei Futaleufu. Ratzfatz sind wir über die Grenze ohne irgendwelche Kontrollen und schon sind wir auf dem Weg nach Trevelin um einzukaufen und zu tanken. Doch auch hier weigert sich die YPF-Tankstelle uns Diesel zum normalen Preis von 1,379 Pesos zu verkaufen und wir winken ab. Am Ende des Ortes versuchen wir es bei Petrobras. Bei uns kein Problem, sagt uns der Tankwart, 100 Liter zu 1,379, alles über 100 Liter zu 2,60 Pesos. Ich winke wieder ab und will schon losfahren. "Wie viel Liter braucht ihr denn?" Ich sage mindestens 300 Liter, o.k., ihr bekommt es zum normalen Preis. Na geht doch !!!!!

Zum zweiten Mal steuern wir Siete Lagos an, die wir beim ersten Mal im Winter erlebt haben. Eigentlich müsste jetzt Sommer sein, doch weit gefehlt. Wir haben zwei Tage Dauerregen. Am Morgen des dritten Tages fallen dicke Schneeflocken, die sich aber gegen Mittag verflüchtigen.

In San Carlos de Bariloche, man nennt diese Gegend die Schweiz Argentiniens, wollen wir eigentlich ein paar Tage rasten. Doch was uns hier erwartet ist eine der übelsten Städte, die wir gesehen haben. Der totale Touristennepp mit den entsprechenden Preisen und Verkehr ohne Ende. Nix wie weg hier! Übrigens, man sollte auf jeden Fall noch vor Bariloche tanken, denn ab dort wird der Sprit um ca. 20 Centavos teurer!!!! Ab hier endet der staatlich unterstützte Spritpreis.

Wir erreichen San Martin de los Andes. Da es kurz vor der chilenischen Grenze liegt, wollen wir uns hier unser Gesundheitszertifikat für die Hunde holen. Zwar ist dieser Ort auch total auf Tourismus ausgelegt, aber es hat einen leicht verschlafenen Touch, ist nicht so überlaufen und gefällt uns sehr gut. Da gerade Wochenende ist und die Büros geschlossen sind, haben wir ausreichend Möglichkeit die Stadt zu Fuß zu erkunden. Unserm Eros gefällt das allerdings nicht, denn der wird immer fauler und bewegt sich nur noch wenn es unbedingt sein muss.

Wir stehen am Ortseingang auf einem kleinen Kiesplatz, viele Interessierte kommen uns besuchen. Da ich uns aus Deutschland ein MP3-Radio mitgebracht habe, was bei uns wesentlich billiger ist, haben wir unser altes Autoradio mit CD-Player in der Ecke liegen. Marion schreibt ein Verkaufsschild, was wir in die Frontscheibe hängen wollen, für 50 US$. Ich geh raus, um es an der Scheibe zu befestigen, stehen da drei begeisterte Burschen, sehen den Verkaufszettel und verkauft ist unser alter CD-Player, der uns fünf Jahre treue Dienste geleistet hat. Am Montag geht es dann zum Tierarzt, den man an jeder zweiten Ecke findet und danach wie immer zur SENASA in der Belgrano 612 gegenüber der Polizei. Die Preise bei der SENASA sind Einheitspreise (13,40 Pesos pro Hund), wobei die Preise der Tierärzte zwischen 20 und 40 Pesos pro Hund schwanken.

Kurz vor der Grenze wollen wir hier noch schnell Diesel tanken, aber alle Tankstellen wollen uns den edlen Saft nur zum saftigen fast doppelten Preis andrehen. Wir finden ca. 5 Km außerhalb der Stadt eine Petrobras Tanke, die diesen Nepp nicht mitmacht. So tanken wir hier für billige 1,55 Pesos.

Am gleichen Tag fahren wir in den Nationalpark Lanín, wo sich auch der gleichnamige Vulkan Lanín befindet. Hunde erlaubt. Für 12 Pesos p.P. fahren wir in den Park und am Ende des Parks auf einen freien Camping zeigt sich uns der 3776 Meter hohe, ganzjährig schneebedeckte Vulkan in seiner ganzen Schönheit bei strahlend blauem Himmel. Was für eine Augenweide!!

Am 21.02.07 stehen wir bereits zum fünften Mal an der chilenischen Grenze am Paso de Mamuil Malal in der Nähe des Vulkan Lanín. Die Einreise geht zügig vonstatten und wir holpern auf der Ruta CH 119 im wahrsten Sinne des Wortes in Richtung Pucón.

Dies ist mit Abstand die härteste, löcherigste und übelste Piste, die wir bis jetzt gefahren sind. Selbst ich als Pistenfreak bin froh, dass irgendwann die Piste wieder in Asphalt übergeht. Mit Chile scheinen wir auch irgendwie auf Kriegsfuß zu stehen. Kaum beginnt der Asphalt, halten wir auf einem Parkplatz an, um unserem geschundenen Rücken eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, zischt es wieder einmal aus unserem linken Vorderrad. Dies ist mittlerweile der 6. Plattfuß auf unserer Reise. Kaum ist das Rad gewechselt, kommt, man glaubt es kaum, Marcel Bunout, Chef von MAN-Chile des Weges. Er macht hier in der Gegend mit seiner Familie Urlaub. Wir schlabbern einige Gläschen Wein am Straßenrand und verabschieden uns wieder. Wir treffen uns sowieso am 05.03.07 in Santiago wieder, um unsere Reifen abzuholen. Sie sind noch nicht ganz weg, ruft er mir noch zu, sei froh, dass du deine Reifen so früh bestellt hast, Michelin hat vor kurzem die Preise um satte 20% angehoben. Glück muss man haben!!!!

Am nächsten Tag fahren wir bis kurz vor Pucón und statten dem Landhaus San Sebastian einen Besuch ab (S 39°13.844' W 71°50.194'). Die Besitzer, Gabriela und Andreas Bath, betreiben hier eine Übernachtungsherberge und Restaurant mit deutschen Spezialitäten. Da wir zum Mittagessen noch etwas früh dran sind, das heißt hier ca. 1400 Uhr, machen wir noch einen Spaziergang zu den 1 Km entfernten Wasserfällen Ojos del Caburgua. Mit knurrenden Mägen treffen wir pünktlich zur Mittagszeit ein und genehmigen uns zwei Schweinefilet mit Spätzle. Und weil's so lecker ist, ordern wir zum Abend sofort noch einmal, allerdings Gulasch mit Kartoffelpüree. Aber das ist noch nicht alles, denn der Nachmittag wird noch mit Apfelstrudel und Sahne verfeinert. Jaja werdet ihr sagen, das können wir jeden Tag haben, aber in diesen Ländern, in denen es weitaus mehr Rinder gibt als Menschen, wird die Küche von Rindfleisch beherrscht. Wenn man dann so wie wir eher ein totes Stück Schwein bevorzugt, muss man die Gelegenheit schnell beim Schopf packen und sich den Bauch voll hauen. Eigentlich ist man ja bescheuert, erst haut man sich die Kiepe so voll, dass man kaum noch laufen kann und danach muss man das Ganze wieder abtrainieren, indem man auf die Alm der Familie Bath steigt. Die kleine Wanderung lohnt sich, denn von hieraus haben wir einen traumhaften Blick auf den rauchenden Vulkan Villarrica. Wir können auf dem großen Grundstück der Familie umsonst übernachten. Wer allerdings Duschen und Toiletten benutzen möchte, muss dafür bezahlen. Was noch zu erwähnen ist, dass die Chefin des Hauses auch eigenes Brot nach deutschem Rezept backt und wir es uns nicht entgehen lassen am nächsten Tag noch bis Mittag zu warten, um eines dieser Köstlichkeiten unser Eigen zu nennen.

Über Villarrica geht's dann über die Ruta Interlagos bis nach Cunco. Eine schnuckelige Piste durch die Berge. An einer Aussichtsplattform halten wir an, holen die Stühle raus und beschließen heute nicht mehr weiterzufahren, denn wir haben nochmals einen herrlichen Blick auf den Vulkan und den Lago Villarrica.

 

Wir sehen uns wieder zum 2. Teil Chiles. Marion, Walter, Whisky und Eros.