Bolivien – Flussdelphine und Pippi Langstrumpf-Äffchen.

 

Reisezeit: 21.07.2007 bis 15.08.2007

 

Wir schaffen es endlich am 21.07.07 La Paz zu verlassen. Also auf geht's zur Touratech-Runde. Bis Guanay sind wir beim letzten Mal ja schon gekommen, bis uns unser kaputtes Kreuzgelenk zur Umkehr zwang. Zum 4. Mal fahren wir nun die Piste Coroico - Caranavi. Bereits in La Paz hören wir von mehreren Reisenden, dass die Touratech-Runde mit unserem großen Fahrzeug wahrscheinlich nicht machbar sei. Einmal wurde sie mit dem Motorrad und einmal mit einem Toyota gefahren und beide behaupteten, es sei sehr eng und hätte einige wackelige Brücken. Unterwegs, wir schauen uns fragend an: Sollen wir uns das antun? Wenn wir nicht durchkommen müssen wir wieder zurück und Goldminen finden wir auch noch woanders. Wieder mal einer Meinung biegen wir in Caranavi ab nach Yucumo, um von dort aus nach Riberalta zu fahren. Diese Strecke haben wir vor einiger Zeit wegen meiner Rückenbeschwerden abgebrochen. Auf dem Weg dorthin und zwar in Santa Rosa werden Bootstouren auf dem Rio Yucuma angeboten, die sehr lohnenswert sein sollen.

Es fängt an zu regnen und in Windeseile verwandelt sich unsere Piste in eine gefährliche Rutschpartie. In der Nähe der Stelle, wo wir schon mal das Taxi rausgezogen haben, wird die Strecke wieder neu gerichtet. Irgendein birniger Volvo-Fahrer versucht an dem Grader vorbeizufahren und versackt knietief in der weichen Scheiße. Als wir an der Stelle ankommen, versucht der Grader gerade den Volvo F12 von hinten anzuschieben - vergeblich. Na, da kommen wir doch gerade recht um unsere Winde mal wieder auszuprobieren. Doch so ein beladener Dreiachser ist ganz schön schwer, sodass unsere Winde nur stöhnt. Also bufft der Grader noch von hinten dran und der F12 kommt wieder in Fahrt. Wir werden in den höchsten Tönen gelobt: Oh Alemania, bueno maquina und so weiter. An den steilen Abfahrten staut sich der Verkehr, die Lkw trauen sich nicht herunter, es gleicht einem Himmelfahrtskommando. Es ist glatt wie Schmierseife. Sie werden wohl warten bis die Strecke wieder abgetrocknet ist. Wir allerdings, dank 4x4-Antrieb und Schneckentempo versuchen unser Glück, denn auch hier geht's einige Meterchen senkrecht runter. Kurz vor Yucumo übernachten wir an einer noch nicht fertigen Tankstelle. Der nächste Morgen, ca. 2 Km weiter kommen wir zum 2. Mal an die wohl unfreundlichste Zahlstelle von ganz Bolivien. Sie verlangen viel zu hohe Straßenmaut, haben angeblich keine Liste, auf der man die Gebühr nachvollziehen kann usw. Bis Santa Rosa sind es ca. 220 Km der übelsten Sorte. Unser GPS errechnet einen Schnitt von 25,2 km/h. Der einzige Lichtblick ist, dass es weiterhin regnet. Nun ist die Piste wenigsten nicht mehr ganz so hart, dafür aber aufgeweicht wie ein Schwamm und von den tausenden Volvos völlig zerpflügt. Das ist ein Spaß!!! Nach 2 Tagen erreichen wir Santa Rosa, doch vor dem Ort stehen wir in einer Warteschlange vor einem geschlossenen Schlagbaum. Kein Mensch weiß was Sache ist. Nach zwei Stunden geht es nach einer Zahlung von 10 Bolivianos weiter und wir sehen auch den Grund für unsere Zwangspause, na was wohl? Zwei Volvo F12 (logisch, was sonst) haben in der völlig verschlammten Ortsdurchfahrt den Verkehr lahm gelegt. Im Ort stockt der Verkehr wieder, aber wir schlängeln uns dank 4x4 an dem Chaos vorbei. Ca. 5 Km außerhalb des Ortes, bei (S14°07.179 W066°47.806) finden wir den Bootsanleger, von wo aus die Touren abgehen. Wir finden Señor Iber, handeln einen Preis von 50 Bs/Std. aus und einen Termin für den nächsten Tag um 9.00 Uhr. Maximal 4 Stunden haben wir ausgemacht. In einem kleinen, schmalen, wackeligen Bötchen mit 30-PS-Außenborder knattern wir flussaufwärts. Wir sind gerade hinter der ersten Flussbiegung, da liegen schon faul die ersten Krokodile, Alligatoren und Kaimane in der Morgensonne. Hunderte dieser schönen Echsen beobachten uns wachsam auf unserem weiteren Weg. Unzählige Reiher und andere Vögel stehen im Wasser, sitzen kreischend in den Bäumen oder fliegen über uns hinweg. Verschiedene Affenarten sind zum Greifen nah, wenn wir unter dem dichten Gestrüpp hindurchfahren. Nach ca. 45 Min. etwa werden wir durch einen besonderen "Knaller" belohnt, von dem wir gehört, aber eigentlich nicht mit gerechnet haben. Plötzlich tauchen 2 Flussdelphinpaare aus dem trüben Wasser auf. Durch klopfen unseres Skippers an den Bootsrumpf tauchen sie fast spontan auf, atmen aus, holen kurz Luft und verschwinden wieder in der trüben Brühe. Sie sind so schnell und wendig, dass es sehr schwierig ist überhaupt ein Foto zu erhaschen. Man kann sogar mit ihnen schwimmen gehen, denn wo sie auftauchen, verziehen sich die Krokodile (kein Witz). Selbst die so gefürchteten Piranhas sollen einen in Ruhe lassen. Die Delphine begleiten uns ca. 1 Km und verschwinden so schnell wie sie gekommen sind. Nach etwa 2 Stunden treten wir den Rückweg an, doch die Delphine sehen wir nicht wieder. Iber erzählt uns, wir hätten großes Glück heute so viele Tiere zu sehen und dies sei der einzige Flusslauf in Bolivien mit diesem geballten Tiervorkommen. Wir sind auf jeden Fall froh diese Fahrplanänderung gemacht zu haben! Am nächsten Tag verlassen wir Santa Rosa in Richtung Riberalta. Der Regen hat zwar aufgehört und die Piste ist zum größten Teil abgetrocknet, aber der Zustand ist weiterhin beschissen. Doch nach ca. 50 Km jedoch wandelt sich der Pistenzustand grundlegend. Von einem Meter auf den anderen haben wir plötzlich eine fast rennstreckenähnliche Piste unter den Rädern mit Geschwindigkeiten bis zu 90 Sachen und können somit unseren schlechten Schnitt der letzten Tage etwas wett machen.

Wir erreichen Riberalta. Hier ist sprichwörtlich die Hölle los. Ca. 50000 Menschen sollen hier leben und ich glaube jeder besitzt zwei Mopeds. Mindestens 50% sind Zweitakter und dementsprechend hüllt sich diese Stadt in eine blaue Dunstglocke, dass einem das Atmen schwer fällt. Jeder dieser Mopedbesitzer ist auch gleichzeitig Taxiunternehmer. Wer nämlich ein 4-rädriges Taxi sucht, sucht vergeblich. Einfach alles wird auf ihnen befördert. Von bis zu 5 Personen exklusive dem Säugling auf dem Schoß bis hin zu 200-Liter-Spritfässern ist alles möglich. Weil wir noch einige Kilometer vor uns haben fahren wir eine Tankstelle an um nachzutanken, aber im ganzen Ort gibt's keinen Diesel. Morgen wird uns versprochen und da uns die Bolivianos knapp werden, der Sprit aber Cash bezahlt werden muss, mache ich mich mit einem fürchterlich stinkenden 2-Takt-Taxi für 3 Bolis auf in die City. Es gibt mehrere Banken hier, aber ich suche vergeblich einen Bankautomaten. O.k, dann tausche ich eben unsere Euros. Den Mist will erst recht keiner haben! Nur US$ scheinen hier das einzig Wahre zu sein, die wir aber nicht in ausreichender Menge haben. Na, schöne Scheiße! Wir kratzen fast alles an US$ zusammen was wir haben, um am nächsten Tag zu tanken, das müsste bis nach La Paz zurück reichen?! Selbst beim Tanken musst du flink wie ein Wiesel sein. Ein LKW mit 25000 Liter Diesel ist wegen der schlechten Strecke diese Woche nur bis hier durchgekommen und diese paar Liter werden auf 5 Tankstellen verteilt. Nachschub in einer Woche. Also heißt es anstellen. Zum Glück stehen wir als drittes Glied in der langen Kette. Die weiter hinten gehen leer aus - dumm gelaufen. Ein paar Flöhe brauchen wir ja auch noch für die 600 Km in Brasilien. Mindestens 2 Mal müssen wir auf ein Ponton, dafür brauchen wir auch noch Kohle. So klamm an Dineros waren wir noch nie! Umdrehen können wir aber auch nicht mehr, weil unser Visum ausläuft. Aber wie sagt man doch so schön: "no risk, no fun". Also starten wir am nächsten Morgen auf nach Guayaramerim an der Grenze zu Brasilien. Hier gibt's aber keinen Bankautomaten der unsere Kreditkarten nimmt, aber wir haben ja noch 300 Bolis. Na, auf der anderen Seite werden sie schon so fortschrittlich sein, dass man Knete bekommt?! Die Ausreise geht fix und für die Fähre müssen wir 250 Bolis berappen, da waren's nur noch 50 Bolis. Weitere 20 Bolis (Verhandlungssache) müssen für die Desinfektion unseres Fahrzeugs dran glauben. Zwei Minuten feudelt der Typ mit einer Handspritze ums Auto, fertig. Da waren's nur noch 30 Bolis (3 €). Auf der brasilianischen Seite machen sie es besonders kompliziert. Wir kommen erst einmal nicht vom Ponton runter. Erst mal kommt eine Delegation von wem auch immer, Kontrolle der Desinfektionsbescheinigung, der Gelbfieberimpfung, des Passes und der Hundeimpfungen. Danach dürfen wir 150 Meter weiter. Wieder Stopp. Freundlich wird uns gesagt, dass die Einreise nicht hier erfolgt, entweder Taxi oder laufen. Da wir von unserem ersten Besuch in Brasilien noch 1 Real (ca.0,30 €) besitzen, erledigt sich das Taxi. An Bankautomaten ist an Knete nicht zu denken, keine Akzeptanz. O.k., dann eben Dollars tauschen, ne, die wollen sie auch nicht und unseren Schrott erst recht nicht. Also erstmals 15 Minuten laufen zur Polícia, wegen der Passstempel. Wieder zurück zur Aduana, wegen der Fahrzeuge. Ja, zuerst müssen sie von den Fahrzeugpapieren und Pässen Kopien machen. Also wieder 15 Minuten irgendwohin einen Kopierer finden, aber wir haben ja noch unseren Real! Das reicht so gerade, Glück gehabt! Ganze 3 Stunden verbringe ich dann in der klimatisierten Aduana. Marion muss bei fast 40° in unserer Hütte schwitzen. Die Brasis haben voll den Lattenschuss, noch schlimmer als bei uns. Am späten Nachmittag, alle sind wir genervt, finden wir in dieser komischen Stadt bei den Bomberos (Feuerwehr) endlich einen Schlafplatz. Mit spärlichen 70 Centavos und ein paar trockenen Brötchen machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg der ca. 600 Km langen Reise, um bei Cobija wieder nach Bolivien einzureisen. Nach ca. 120 km stoppt uns der Rio Abunã, aber ohne Knete müssen wir wohl schwimmen, denn man verlangt für die Überfahrt 21 Reais. Ich quatsche dem Kassierer einen Knopf ans Ohr und überzeuge ihn, dass Euro oder Dollar auch eine schöne Währung sei. Also Euro, ne, da will er absolut nicht ran, dann schon lieber US$. Und schwupp sind wir für 11 US$ auf der anderen Seite. Na geht doch! Ca. 500 Km haben wir auf der berühmten Transamazonica vor uns - alles asphaltiert. An unseren alten Brötchen beißen wir uns fast die Zähne aus, als wir den Grenzort Brasileia erreichen. An der Grenze, arrogante und äußerst unfreundliche Arschlöcher von Zöllnern. Ausreiseformalitäten der Polizei am anderen Ende der Stadt (2 Min.) 100 Meter weiter, Gott sei Dank, Bolivien. Brasilien, nie wieder! Migración Bolivien ist in 15 Min. erledigt. Aduana auch hier, am anderen Ende der Stadt. Doch hier scheint unser Glück zu versagen. Da sitzt so ein kleiner Scheißer, der meint, also vor 18.00 Uhr wird das nix und es ist gerade mal 12.00 Uhr, schließt die Bude ab und macht Mittag. Ich treffe zufällig den Chef und beschwere mich. Der kleine Scheißer wird daraufhin sehr schnell, überreicht mir kurz darauf die Papiere und verlangt ein kleines Schmiergeld für die schnelle Bearbeitung, die allerdings auch insgesamt 2 Std. gedauert hat. Wir starten ohne zu bezahlen. Aber wenigstens gibt es in Cobija bei der Banco Union (Western Union) einen Bankautomaten, dass wir uns wieder mit ausreichend Knete versorgen können. Die brauchen wir auch dringend, denn es sind auf dem Weg nach Riberalta oder Santa Rosa 4 Flüsse zu überqueren. Das erste Ponton 100, das zweite 150, das dritte 130 und das vierte 70 Bolis (verlangt wurden anfangs 100), wobei letzteres für 20 Meter Überfahrt der dreisteste Preis ist. Zum dritten Mal steuern wir La Paz an, doch dieses Mal soll es ein kürzerer Aufenthalt werden. Fünf Nächte werden es dann doch, bis wir endlich die Kurve kriegen. So verlassen wir La Paz am 15.08.07 in Richtung Peru. Doch zuvor wollen wir noch der Ruinenstadt Tiwanako, 70 Km von La Paz entfernt, einen Besuch abstatten, da es eh auf unserem Weg liegt. Bei der Anfahrt auf den Parkplatz sehe ich schon von weitem, das ist nix für Walter, alles nur umgefallene Steine. Marion geht allein, doch fünf Minuten später steht sie wütend wieder auf der Matte. Die sind doch wohl bescheuert, Einheimische bezahlen 10 Bolis und ich soll 80 abdrücken, nicht mit mir. Das ging recht fix. Wir starten wieder durch und plötzlich taucht er vor uns auf, der Titicacasee, der höchstgelegene See der Welt. Mir verschlägt es fast die Sprache, nicht weil er so besonders schön ist, sondern weil ich ein halbes Leben davon geträumt habe, einmal hier zu stehen und die besondere Atmosphäre, die für mich von diesem Ort ausgeht, zu genießen. Noch am selben Tag stehen wir eher unerwartet bei Desaguadero an der Grenze zu Peru.

In 15 Minuten ist die Ausreise erledigt. So verlassen wir Bolivien nach etwa insgesamt 4 Monaten Aufenthalt und ca. 7500 gefahrenen Kilometern mit einem weinenden Auge, denn es hat uns hier sehr gut gefallen.

An Straßenmaut mussten wir etwa 491 Bolis (etwa 49 €) berappen. Na, dann machen wir nun endlich Schluss mit Bolivien, bleibt sauber und wir hoffen, dass wir uns alle gesund und munter in Perú wiedersehen.

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.