Bolivien - Faszination pur.

 

Reisezeit: 01.06.2007 bis 20.07.2007

 

Nach einer Woche verlassen wir den Camping des ACB in Santa Cruz gen Westen. Vorerst auf Asphalt geht's locker dahin bis Pailón, wo uns der Rio Grande stoppt. Hier hat man es in der Vergangenheit versäumt eine Brücke für den Autoverkehr zu bauen, doch eine Eisenbahnbrücke existiert. Das Ding wurde so gebaut das auch Autos und LKW hier passieren können, allerdings müssen wir ca. 1 Stunde Wartezeit in Kauf nehmen, bis wir endlich an der Reihe sind. Zuerst verkehrt mehrmals der Zug und dann ist der aufgestaute Verkehr der Gegenseite dran und danach wir. Die Bauarbeiten an einer Brücke für den Autoverkehr sind in vollem Gange. Kurz hinter Pailón biegen wir ab auf die Piste nach San José. Wir übernachten auf dem großräumigen Gelände des RTM (Radio Trans Mundial). Am Abend stellt sich heraus, dass es sich um eine Missionsstation von kanadischen Mennoniten handelt, die auch noch behaupten sie sprächen Deutsch, doch wir verstehen kein einziges Wort.

Am nächsten Tag verlassen wir diesen Ort und fahren weiter auf dem wohl schlechtesten Pistenteilstück von Bolivien?! Man hat uns schon im Vorfeld gewarnt, aber wir wollten mal wieder nicht hören. Von Sprüchen wie: wenn dein Auto bis jetzt noch nicht kaputt ist, dann passiert es da usw. Sie hatten bis jetzt in diesem einen Fall Recht, zumindest was die ersten 120 Km angehen. Landschaftlich uninteressant, durchlöchert wie ein Schweizer Käse, hart wie Beton und staubig wie die wilde Wutz. Beim Schnitt von 25 km/h überholt man alles was auf Rädern unterwegs ist und das ist nicht wenig, denn dies ist eine Hauptverbindungsstrecke von und nach Brasilien. Zu erwähnen wären da noch die steigenden Temperaturen. War es noch in Santa Cruz um die 22°, steigt das Quecksilber nun auf 36-40°. Also bei unseren "Jungs" heißt das, Zunge weit raushängen lassen und hecheln was das Zeug hält. Nach diesem besagten Teilstück wird es dann etwas besser, zumindest was die Landschaft angeht, es wechselt über in Urwald und unser Schnitt erhöht sich auf 30 km/h. Auch die Temperaturen bleiben, selbst nachts geht es kaum unter 25°. Wer wollte eigentlich diese Reise machen?

San José ist erreicht. Ab hier wird die Piste besser und es geht wieder flott voran über San Rafael nach Concepción, wo sich Jesuiten ihre reich verzierten Gebäude hingesetzt haben. In San Rafael übernachten wir an einem kleinen Stausee kurz vor der Stadt. Da kommen drei kleine Jungs daher, die im See baden wollen. Ich frage: „Könnt ihr eine Frisbeescheibe gebrauchen?“ Großes Fragezeichen in ihren Augen, was ist ein Frisbee? Ich werf das Ding schwungvoll aus dem Handgelenk und prompt landet es mitten auf dem Teich. Aber die Burschen können alle nicht schwimmen. Fix raus aus den Klamotten, einen alten Kühlschrank als Paddelboot umfunktioniert und sie stechen in Teich. Not macht erfinderisch. Ich wäre ja selber reingesprungen aber ich habe Angst vor Piranhas und den südamerikanischen Pimmelfischen. Was ihr kennt die nicht? Da gab's mal bei BBC Exklusiv eine Dokumentation über diesen hinterlistigen Fisch, der mit seinen ekelhaften Widerhaken versucht in alle Körperöffnungen zu schwimmen. Ist er einmal irgendwo drin, bedarf es ärztlicher Hilfe.

In Concepción finden wir dann tatsächlich einige interessante Bauwerke der Jesuiten und am in der Nähe liegenden Stausee übernachten wir. An sich ein idyllisches Plätzchen, aber am Wochenende sehr laut, auch nachts und alles zugemüllt. Es gibt zwar Mülltonnen, einige Menschen benutzen sie sogar, doch die haben keine Böden und keinen wundert's wenn unten alles wieder rausfällt. Der Wind wird's schon richten. Wir entscheiden uns deshalb nur für einen Tag Aufenthalt und fahren dann weiter Richtung Trinidad. Kurz hinter Trinidad werden wir durch den Rio Marmoré gestoppt. Aber wieso das? In unserem Kartenmaterial ist eine durchgängige Straße eingezeichnet. Aber egal, es scheint auf jeden Fall lustig zu werden, denn wir müssen den Fluss mit einem Holzponton überqueren, das mit einem kleinen Boot mit 40-PS-Außenborder geschoben wird. Gleichzeitig läuft eine Wasserpumpe, die das einsickernde Wasser wieder rauspumpt und die ganze Fahrt soll auch noch 45 Minuten dauern. Das Abenteuer kostet uns 200 Bs. Doch wenn jemand glaubt hier gibt's für den Preis einen halbwegs vernünftigen Bootsanleger, der hat sich getäuscht. Auf der anderen Seite angekommen, geht es auf einer von Hand geschaufelten Auffahrt wieder runter vom Boot. Weiter geht's wenige Kilometer auf übler Piste und Stopp. Schöne durchgängige Straße! Schon wieder stehen wir vor einem breiten Fluss. Hier hat sich allerdings ein Stau gebildet, weil die Abfahrt zu den Pontons so ausgespurt ist, dass kein Mensch mehr durch kann. Eine Stunde soll es dauern, wird uns berichtet; es werden drei, bis wir wieder auf so einem klapprigen Holzgerüst stehen. Doch der Erste aus dem Stau, ein Mack-Tankwagen hängt mit schleifender Kupplung vor dem Ponton, wohlbemerkt bergab und kommt nicht drauf. Es hilft alles nix, aber die Mülltonne muss wieder hochgezogen werden. Keiner wird bei diesen Aktionen nervös, alle bleiben ruhig, es ist eh nicht zu ändern. Jetzt versucht der Trucker es mit Schwung und es klappt. Dies Mal werden wir mit 150 Piepen zur Kasse gebeten. Nach 20 Mininuten sind wir am anderen Ufer angekommen, aber wir können nicht von unserer Dschunke runter. An dem steilen Anleger war vor uns ein Mercedes Rundhauber mit Sattelauflieger hängen geblieben, der dann letztendlich nur mit einem Caterpillar befreit werden konnte. Jetzt aber ist die Auffahrt so ausgelutscht, dass kein Fahrzeug mehr rauf kommt. Der Caterpillar ist aber schon wieder weg, also schaufeln ca. 10 Mann wie die Blöden, dass der Betrieb weiter geht, doch das dauert weitere 1½ Stunden. Dann denkste, nu geht's aber flott voran, geschissen, nach wenigen Kilometern wieder ein Bächlein, nur kurz, aber für weitere 50 Piepen. Doch bevor wir auf das letzte Klappergerüst von Fähre fahren, kommt für uns einer der schwärzesten Tage als Hundeliebhaber. Als wir losfahren, muss sich ein großer einheimischer Hund vor unserem rechten Hinterrad in den Schatten gelegt und nicht bemerkt haben, als wir anrollen. Wir hören nur einen fürchterlichen Aufschrei, Marion schaut entsetzt aus dem Fenster und ruft, wir haben einen Hund tot gefahren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sofort tot war und um möglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, machen wir uns schnell aus dem Staub.

Am anderen Ufer angekommen, wird die Piste extrem schlecht und staubig. Die Landschaft besteht fast völlig aus Sumpf oder es säumen tausende von kleiner Seen oder Tümpel den Weg. Sie entstanden durch Ausheben der Erde, die zum Anfüllen der Piste verwendet wurde. Doch Vorsicht, in jedem zweiten Tümpel haust ein hinterlistiger Kaiman. Sie sind zwar, glaub ich, zu klein, um einem Menschen gefährlich zu werden (ca.1 - 1½ Meter), aber ein Hund, der mal eben ein bisschen Wasser schlabbert, könnte eine leichte Mahlzeit werden. Weiterhin leben hier logischerweise Unmengen von Moskitos und massenhaft Schlangen. Die größte, die bisher unseren Weg kreuzte war ca. 2 Meter lang. Aber leider haben wir noch keine Anakonda sichten können, was für mich zweifellos ein Highlight wäre. Doch nach allem Schrecken, den wir heute schon erlebt haben, gibt es auch Schönes zu berichten. Zuerst sehen wir 5 Tukane in einem Baum sitzen, doch für ein Foto sind wir nicht schnell genug, denn sie sind sehr scheu. Aber schnell genug sind wir für ein Dreizehenfaultier, das unsere Piste überquert. Wir halten direkt vor dem Tier mitten auf der Piste, ansonsten wäre es wahrscheinlich von einem uns folgenden LKW erwischt worden. In aller Ruhe können wir eindrucksvolle Fotos schießen, denn diese Spezies hat es bekanntlich nicht eilig. In San Borja müssen wir mal wieder an einer lästigen Zahlstelle stoppen, ich will aussteigen, eine falsche Bewegung und da schießt mir die Hexe in den Rücken, dass ich nicht mehr aus dem Auto komme. (Hallo Linus und Silke, ich denk an euch). Fahren geht noch, aber die unzähligen Schlaglöcher machen mir gehörig zu schaffen, bis wir dann ca. 50 Km weiter, in Yucumo, schon am Mittag beschließen für heute Schluss zu machen. Wie eine Schnecke krieche ich förmlich aus dem Auto. Doch was müssen unsere Ohren mal wieder hören, ein zischender Plattfuß bahnt sich an (Nr. 9). Na, das sind ja schöne Aussichten, aber dank unserer gut bestückten Hausapotheke, die meine Schmerzen lindern, haben wir es später gerichtet, Marion allerdings mehr als ich. Unsere Nachtplätze sind meistens an den o.g. Teichen oder Tümpeln oder aber an kleinen, schönen, klaren Flüsschen. Zweifellos würde jedem Aquarianer bei uns zu Hause das Pippi in die Augen treten. Hier tummeln sich munter alle Fischchen, die man in Europa teuer zu bezahlen hat. Von Barschen über sämtliche Schwarmfische bis hin zu den Stabfischen (ich glaub so heißen sie) ist alles vertreten was das Herz begehrt. Drei Tage legen wir in Yucumo an einer Tankstelle eine Zwangspause ein, bis Diclofenac seine Wirkung zeigt und ich wieder längere Zeit am Steuer sitzen kann. Wir brechen auf nach Riberalta. Doch die Piste ist soooo was von beschissen, dass ich nach 20 Km beschließe umzudrehen. Sie ist total zerlöchert und bretthart, nichts für meinen Rücken und das Ganze wäre mindestens 500 Km so weitergegangen und wir hätten den Weg wieder zurück gemusst. Ich glaube ich werde alt! So geht es in die andere Richtung durch die Yungas nach La Paz.

Die Yungas, angeblich die gefährlichste Piste der Welt. In Caranavi biegen wir ab in Richtung Yungas. Zuerst geht's noch flockig voran, aber nach wenigen Kilometern wird die Piste schmaler und schmaler und schmaler. Die Abhänge tiefer und steiler. Dann mahnen uns Schilder: Ab hier Linksverkehr und nur für Fahrzeuge mit einer max. Breite von 3,50m. Die Piste ist mittlerweile einspurig, aber hier und da einige Ausweichstellen, die zum Teil nicht sehr vertrauenserweckend aussehen. Linksverkehr, weil der Fahrer den todbringenden Abgrund besser erkennen kann. Es ist Mittagszeit und es herrscht hier reger Verkehr. LKW-Fahrer verhalten sich sehr gesittet, wobei jedoch Taxis und Busse fahren als wäre der Teufel hinter ihnen her. Uns wundert es nicht, dass die Piste mit Kreuzen übersät ist. Wir sind erst am Anfang dieser Piste und schon ist Stau. Ein Dreiachser Volvo F12 hält den Verkehr an einer matschigen Bergaufstrecke auf, Kreuzgelenk vom Kardan abgerissen. Ein anderer zieht ihn rückwärts aus der Scheiße. Ein Taxi, Marke Toyota Kombi, versucht noch, weil es ist ja der Teufel hinter ihm her, an dem Volvo vorbeizukommen und schlittert logischerweise in den Modder. Die haben alle einen Riss im Pfirsich!!!! Mit 5 Mann versuchen sie den Toyo wieder fit zu kriegen, jedoch keine Chance. Da kommen wir gerade recht. Seil hinten an die Achse und ab geht die Lutzi. In Nullkommanix ist der Toyo draußen, aber an drei Felsbrocken mit der rechten Seite hergeratscht und Frontspoiler abgerissen. Aber die Jungs bleiben cool. Es kann weiter gehen, die Bahn ist wieder frei. Einige Km weiter kommt doch tatsächlich ein Tunnel, so ein naturbelassener, versteht ihr? Da hat man ein Loch in den Berg gepickelt und fertig. Wir tasten uns ins Dunkel, aber da steht schon einer drin ohne Licht und so. Und wie könnt es anders sein, natürlich ist es ein Volvo, aber diesmal ein 4-Achser. Nur mal so zwischendurch, da muss wohl mal vor einigen Jahren ein Ausverkauf in Skandinavien stattgefunden haben und Bolivien hat alles aufgekauft. Also wer nach Bolivien fahren will, sollte das mit irgendeinem Volvo-LKW machen, da kriegste Ersatzteile an jeder Ecke. 99.9% sind Volvos, von FL - FH, der Rest Japse, mal ein Mercedes und ganz zuletzt, man glaubt es kaum, ein MAN Baujahr um die 60er/70er. Aber den Vielstoffmotor haben sie schon rausgeworfen und einen ISUZU reingestrickt. Also zurück zu dem Tunnel. Der 4-Achser voll beladen mit Holzbrettern und oben drauf drei SUZUKI Vitara, Räder schon abgeschraubt damit sie nicht zu hoch kommen. Doch der erste muss dran glauben, der klebt unter der Tunneldecke. Dumm gelaufen! Und rückwärts wieder raus. Wir verfolgen die Geschichte nicht weiter und folgen weiter unserer Traumstraße. Selbst meine Marion hält sich wacker und sagt immer nur, guck mal wie tief das runtergeht. Alles hält sich Grenzen und plötzlich finden wir uns bei Coroico auf Asphalt wieder. Was ist das denn für ein Mist? Wo sind unsere Yungas hin? Na, vielleicht kommen sie ja noch?

Wir schrauben uns innerhalb weniger Kilometer in unzähligen Serpentinen, von 800 m auf fast 4700 m hoch. Plötzlich ein riesen Knall, als sei uns ein Reifen geplatzt. Wir schauen verdutzt aus unseren Fenstern, aber alle Pneus sind in Ordnung. Wir halten an, es scheint alles in Ordnung, Hütte abgekippt, nix zu sehen. Wir starten wieder, doch ab 1500 Touren und unter Last ertönt ein Zischen und Pfeifen, als hätten wir einen Silvesterheuler unterm Hintern. Wir fahren jedoch weiter, wenn auch ohne Leistung und mit viel Rauch und plötzlich stehen wir in La Paz.

Am Stadtrand von La Paz, der immer noch bei 4200m liegt, lassen wir uns von einem Taxi zum Hotel Oberland (3300 m hoch und in schweizerischer Hand) im Stadtteil Mallasa in der Calle Agrario führen. Für 3 US$ p.P. steht man hier recht teuer auf einem kleinen, staubigen, abgeschlossenen Gelände, mit gutem Essen, freundlichem Chef und sehr unfreundlicher Chefin. Zu alledem hält man sich noch ein verhaltensgestörtes Alpaka auf dem Parkgelände, das unsere Hunde attackiert und die Leute bespuckt, doch es scheint keinen zu interessieren. Eine ziemlich ärgerliche und nervige Geschichte. Eine nicht weiter zu empfehlende Adresse, aber eine andere Möglichkeit ist nicht gegeben. Da mir das Pfeifen und Zischen immer noch in den Ohren tönt, kippe ich vorsichtshalber mal die Hütte ab und siehe da, nach einer gründlichen Inspektion stelle ich fest, dass sich ein Gummischlauch vom Turbo zum Ladeluftkühler verabschiedet hat. Am nächsten Tag mache ich mich mit einem Taxi auf die Suche nach einem Ersatzschlauch und lande in einem Hydraulikladen, der die passende Schlauchgröße hat. Den hohen Druck wird er auf jeden Fall aushalten, aber die Nähe des Auspuffkrümmers macht mir Sorgen. Also bastle ich mir noch ein Hitzeschild, nun wird's wohl gehen.

Eigentlich sind wir überhaupt keine Stadtmenschen, aber diese Stadt zieht uns in ihren Bann. La Paz liegt in einem riesigen Trichter und wie schon oben erwähnt mit einem Höhenunterschied von fast 1000 Metern. Man findet hier so gut wie alles, vom gebrauchten Nagel bis hin zum frisch gepressten Orangensaft, man muss nur wissen wo, das ist der Haken, denn hier leben immerhin 1,3 Millionen Menschen. Nach ein paar Tagen hat man sich an das hier herrschende Chaos gewöhnt und es erscheint einem fast normal. Nach 2 Wochen verlassen wir La Paz, um endlich die Yungas zu durchfahren. Wir fahren zurück bis nach Coroico, um endlich auf die Ruta del la Muerte (die Todesstraße) zu gelangen. Wir haben extra die Strecke von unten nach oben gewählt, denn somit steuere ich unseren MAN an der Bergseite. Derjenige, der die Hangseite bergab fährt, muss dem entgegen kommenden Verkehr ausweichen, die Haltebuchten ansteuern und schaut gleichzeitig locker hunderte von Metern senkrecht in die Tiefe. Es ist schon etwas Nervenkitzel dabei. Die ca. 40 Km sind fahrtechnisch aufgrund des wenigen Verkehrs locker zu bewältigen, da der Schwerlastverkehr über die fast parallel verlaufende Asphaltstrecke geführt wird, aber landschaftlich ist es der absolute "Kracher". Wir können nicht ganz verstehen, wieso man so ein Theater um diese Strecke macht, denn die Piste nach Caranavi, die wir am nächsten Tag Richtung Norden befahren, ist auch zum großen Teil einspurig, mit senkrechten Steilhängen, sehr staubig und zudem von hunderten LKW und Bussen befahren. Sie ist wesentlich gefährlicher. Wir sind auf den Spuren von Touratech, einem bekannten Motorradzubehörausrüster, der vor einiger Zeit einen Werbefilm im Norden Boliviens gedreht hat. Wir wollen versuchen die Strecke ebenfalls zu fahren. Also geht es von Caranavi aus ca. 70 Km nach Guanay, für die man locker 3 Std. einplanen sollte. Die Temperaturen ändern sich binnen 2 Tagen vom arschkalten La Paz bis in die tropischen Niederungen, sodass uns hier der Saft aus allen Poren läuft, bis hin zu allen damit verbundenen Übeln, wie Mücken und Unmengen von winzig kleinen beißenden Fliegen, die selbst auf Autan oder Off nicht reagieren. Wir übernachten kurz vor Guanay am Rio Coroico und wachen am nächsten Morgen mal wieder mit einem Plattfuß auf (Nr.11 auf dieser Reise). Also ab zur nächsten Reifenschmiede und wieder mal nur der Schlauch durchgescheuert, wie fast immer.

Seit den vergangenen 2 Tagen bemerke ich beim Anfahren immer wieder mal ein "Knacken" und ich untersuche mal die Kreuzgelenke vom Kardan. Wie befürchtet ist das Gelenk an der Hinterachse " inne Fritten" und wir beschließen wieder einmal nach La Paz zurückzukehren, um dort evtl. unser Problem zu beheben. Am nächsten Tag muss die Kawa dran glauben. Sie muss sich in den auf über 4000 Metern hoch gelegenen Stadtteil El Alto quälen, da wir eine Info bekommen haben, dass uns evtl. bei der Firma Ingenieria De Transporte R.L. LTDA. geholfen werden könne. Am gleichen Nachmittag stehen wir mit unserem Fahrzeug in dessen Gelände. 1 Std. später ist das Kreuzgelenk ausgebaut und ich brumme mit dem Vorarbeiter in einem VW-Käfer Baujahr uralt ohne Heizung und nur einem bremsenden Vorderrad in die City. Zweimal befinden wir uns bei einer Notbremsung fast im Gegenverkehr wieder, doch mein Partner nimmt's grinsend gelassen und meint, dies sei schließlich Bolivien und völlig normal, wobei sich bei mir kleine Schweißtropfen auf der Stirn gebildet haben. Bei der Firma Fini-Lager werden wir fündig, für ganze 37 € bekommen wir unser Kreuzgelenk original Volvo F7. Gleichzeitig erneuern wir ein abgerissenes Kugelgelenk eines Stabilisators des Hydrauliktanks und ein ausgenudeltes Kugelgelenk am Schaltgestänge. Zwei weitere Stunden später verlassen wir glücklich den Hof der Firma. Geld haben sie nicht verlangt, man freue sich einem Reisenden in Not zu helfen. Wir haben dafür ihre Kaffeekasse etwas aufgefüllt. Schon wieder stehen wir zwei Wochen in La Paz und wir beschließen langsam weiter zu ziehen.

Morgen, am 20.07.07 wollen wir aufbrechen, doch auf Flugblättern werden wir vor Streiks in ganz La Paz gewarnt. Doch bevor wir da drinstecken, verschieben wir unsere Abreise um einen weiteren Tag. So ganz schlimm finden wir das nicht, denn seit einigen Tagen haben sich zufällig die Schweizer Edy und Brigitte mit ihrem MAN TGA zu uns gesellt, mit denen wir zuletzt in Ushuaia zusammen Silvester gefeiert haben. Also Leute, wir wollen euch die Bilder der Yungas nicht weiter vorenthalten. Wir sehen uns wieder zum dritten und letzten Bericht über eines der bislang schönsten Länder Südamerikas.

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.