Bolivien.

 

Reisezeit: 09.05.2007 bis 31.05.2007

 

Visum: Bis zu 3 Monate ohne Visum möglich. Am Grenzübergang Ollagüe allerdings nur 4 Wochen. Verlängerung in Potosí, La Paz usw. möglich.

Hunde: Unser europäischer Impfausweis mit den aktuellen Impfungen ist ausreichend.

Versicherung: Wir haben bereits bei der San Cristobal in Argentinien unsere Versicherung für ein halbes Jahr verlängert. Gefragt hat uns niemals einer danach.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich. Man bekommt an der Grenze eine landeseigene DECLARACION JURADA ausgestellt, womit das Fahrzeug bis zu 3 Monate im Land bleiben darf.

Währung: Ist der Boliviano. 1 Euro = 10 Bolivianos (Bs).

Bargeld: An Banken und Automaten mit Visa/Master/Maestro, letztere bei uns bis max. 2000 Bolivianos.

Kreditkarten: Außerhalb der Touristenzentren keine Akzeptanz. An Tankstellen gar nicht.

Diesel: 3,72 Bolivianos (Einheitspreis im ganzen Land).

Benzin: 3,75 Bolivianos.

 

Am 09.05.07 stehen wir an der chilenisch-bolivianischen Grenze bei Ollagüe in ca. 3800 Meter Höhe. Ein heftiger Wind pfeift uns um die Ohren und die Luft ist dicht mit Staub durchsetzt, sodass die Augen tränen und das Atmen schwer fällt. Nachdem wir beim Immigrations-Office vorstellig werden und hier nur 4 Wochen Aufenthalt bekommen für 15 Bolivianos p.P., geht's weiter zur Aduana. Allerdings hat der arme Bursche nicht mal einen Kugelschreiber. Ich gebe ihm meinen. Er füllt die erforderlichen Papiere aus und möchte danach den Kuli behalten. Nein, das ist ein Camel-Kuli und ein Abschiedsgeschenk von meinem Freund Linus, den kann ich leider nicht hergeben. Wir geben ihm eine Hand voll Werbekulis, die wir zu hunderten dabei haben und er ist glücklich. Auf sehr staubiger, aber sonst einwandfreier Piste brummen wir Richtung Uyuni.

In Uyuni parken wir direkt in der Innenstadt vor der Militärkaserne. Wir erkunden mit unseren VW-Bulli-Reiseabschnittspartnern zu viert die Stadt. Uns knurren die Mägen und wir kehren in ein Restaurant ein und bestellen 4 Mal das Tagesmenü inkl. 2 Liter O-Saft. Ende vom Lied, Bäuche randvoll und 5,50 Euro ärmer. Nach einer -12°C kalten Nacht machen wir uns morgens als erstes auf zur nächsten Tankstelle, denn wir wollen heute einen Abstecher auf den nahe gelegenen Salar de Uyuni machen. Hier macht das Tanken mal wieder richtig Freude, denn bei ca. 38 Euro-Cent kann man schon mal 700 Liter in die Fässer laufen lassen ohne dass einem die Farbe aus dem Gesicht rutscht.

Und nun, ab auf den Salzsee, übrigens mit 160 x 135 Km der größte der Welt. Mit einer 2-7 Meter dicken Salzkruste kann man sich getrost auch mit unserem Dicken drauf austoben. Nur um die so genannten Ojos (Augen) sollte man einen großen Bogen machen, denn dort ist der Untergrund weich und man kann hier auch schon mal so eine 12-Tonnen-Fuhre versenken. Die schneeweiße Oberfläche ist so hell, dass hier ohne Sonnenbrille nix mehr geht und man läuft Gefahr, nicht schneeblind sondern salzblind zu werden. Mit 80 Sachen brausen wir auf der fast aalglatten Salzfläche dahin, vorbei an komplett aus Salzblöcken erbauten Hotels sowie einem Restaurant bis hin zur ca. 80 Km entfernten Isla Incahuasi, eine Felseninsel bewachsen mit riesigen Kakteen. Es ist schon ein besonderes Erlebnis auf dieser schier endlos erscheinenden Salzfläche zu fahren. Nachdem sich der Tag langsam dem Ende neigt verlassen wir den Salar mit einmaligen Eindrücken und verordnen unserem versalzenen Fahrzeug eine kräftige Reinigung in der ortsansässigen Waschstraße von Uyuni. Selbst ich muss mit Hand anlegen. Ich werde verdonnert einen frei in der Gegend baumelnden 380-Volt-Schalter mit blanken Kabeln umzulegen, der dann eine Pumpe in Bewegung setzt. Das hier logischerweise alles unter Wasser steht, scheint keinen zu interessieren, nur mir flattert der Kittel. Nach 1½ Stunden gründlicher Handarbeit mit abschließendem Schaumbad sind wir 40 Bolivianos los. Na, das können wir uns gerade noch so leisten! Ölabscheider, Wasseraufbereitung - Fehlanzeige, alles versickert irgendwo im nirgendwo.

Nach einer weiteren arschkalten Nacht verlassen wir Uyuni in Richtung Potosí. Da Potosí nicht besonders reizvoll ist, zieht es uns 20 Km nördlich zur Laguna Tarapaya, ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater. Aber das Schärfste ist, dass das Loch nur ca. 100 Meter Durchmesser hat, aber 4000 Meter tief sein soll und zu alledem auch noch 34° Badewannentemperatur hat. In der Mitte des Sees steigt das warme Wasser blubbernd empor und es kostet mich anfangs einige Überwindung hier Baden zu gehen. Aber erst einmal im warmen Nass, will man nicht mehr raus. Die Übernachtung direkt am Krater ist kostenlos doch fürs Baden werden 5 Bolivianos p.P. und Tag verlangt. Nach einigen Tagen wollen sich bei mir Schwimmhäute zwischen den Zehen bilden und wir beschließen weiter nach Sucre zu ziehen, die Hauptstadt Boliviens. Die ca. 190 Km lange Piste ist eine Augenweide, nicht anspruchsvoll, mit jeder Art von Fahrzeug zu befahren, aber dennoch einer der landschaftlich schönsten Pisten, die wir bislang in Südamerika gefahren sind.

Wir erreichen Sucre. Durch enge Gassen arbeiten wir uns vor bis zum Friedhof, denn dort lassen wir unser Fahrzeug für kurze Zeit stehen, steigen in den Bulli und fahren los um einen geeigneten Platz für unseren Goliath zu suchen. Doch Fehlanzeige, die Straßen sind so eng, Kabel so tief, Äste so niedrig, dass wir keine Chance sehen in der Nähe des Zentrums zu stehen. So suchen wir außerhalb Sucres einen Platz und werden fündig. Kurz hinter der ersten Mautstelle Richtung Cochabamba fragen wir an einer Esso-Tankstelle nach einem Übernachtungsplatz und der Chef sagt sofort, na klar, hinten rum in den Garten, da ist reichlich Platz und Geld will er auch keines. So halten wir es gleich 1 Woche hier aus. Hier trennen sich auch unsere Wege von Gudrun und Volkmar, mit denen wir immerhin 4 Wochen unterwegs waren. Schön war es mit euch!!!!! Sie wollen auf dem kürzesten Wege nach La Paz, da der Bulli etwas schwächelt und es dort eine VW-Werkstatt gibt. Wir geben dem freundlichen Tankstellenbesitzer natürlich einen kleinen Obolus fürs Parken, der sich gleichzeitig ein Loch ins Hemd freut. Doch nun sind wir wieder pistenhungrig!

Wir fahren Richtung Cochabamba die ersten ca. 76 Km auf Asphalt, ab hier geht's weiter auf Piste. Doch entspannen können wir selbst auf diesem Stück Asphalt nicht. Die meiste Zeit fahren wir auf der linken Seite, weil die rechte Spur von Erdrutschen verschüttet ist, oder es liegen einfach mal kleine bis tonnenschwere Felsen auf der Fahrbahn rum, oder die linke Straßenhälfte ist gerade dabei den 200 Meter tiefer gelegenen Bach runter zu gehen.

Bei Aiquile biegen wir ab nach Samaipata. Wer es hart und staubig mag, kommt hier voll auf seine Kosten, also genau das richtige für uns. Langsam fahrende LKW zum Beispiel sind nur an einer Staubwolke zu erkennen und wir starten des Öfteren im Blindflug unseren Überholvorgang. Erst als wir mit den Fahrerhäusern auf einer Höhe sind, merkt der Trucker was Sache ist und macht Platz.

Ach übrigens, in Bolivien wird für jede Straße und jede Piste eine Straßenmaut verlangt und ist sie noch so schlecht. Sie versuchen einen fast jedes Mal mit einer höheren Gebühr über den Tisch zu ziehen. An fast jeder Mautstelle ist auf einer Tafel angezeigt, wie viel es wohin kostet. Als Letztes steht unten drunter in Rot „No pague mas“ (nicht mehr bezahlen). An vielen Stellen haben die Burschen einen eigenen handgeschriebenen Zettel mit höheren Gebühren, speziell für die häufig unwissenden Touristen. Auf keinen Fall sich auf eine Diskussion einlassen. Hart bleiben und auch nur den Preis bezahlen. Am besten immer passendes Kleingeld in der Tasche haben. Häufig versuchen sie es dann mit der Ausrede, der geringere Betrag sei nur für einheimische Fahrzeuge. Oft bezahlt man dann von A nach B und zwischendurch kommt noch mal eine Mautstelle, hart bleiben sonst drückt man nochmals ab. Manchmal kommen dann auch noch Polizeikontrollen, die versuchen auch noch die Hand aufzuhalten. Hart bleiben und darauf pochen, dass man ja schließlich schon bezahlt hat. Sie geben sich dann zufrieden.

In Samaipata angekommen, will sich meine Marion wieder mal Kultur in Form von Ruinen reinziehen. Kurz hinter dem Ort geht eine 5 Km lange, üble Erdpiste zu den Ruinen. In zahllosen Serpentinen schlängelt sich diese Piste, bergauf und bergab, mit Steigungen, die es in sich haben. Die zum Teil sehr engen Kurven sind nur durch mehrmaliges Rangieren zu bewältigen. Die Grenzen des Machbaren sind mit unserem Fahrzeug hier erreicht. Bei Regen ist diese Piste lebensgefährlich!!!!! Oben endlich angekommen, es ist 16.30 Uhr, um 17.00 Uhr machen sie dicht, schöner Parkplatz, aber Übernachten verboten. Na dann eben nicht und so schruppen wir den Weg im 2ten Gang zurück bis wir wieder Asphalt unter den Gummis haben. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, die fürchterliches "Kittelsausen" hat. Als die Dämmerung einsetzt sind wir zurück in Samaipata und sehen zufällig ein Hinweisschild „Landhaus Familie Hafner“ und fragen nach einem Stellplatz für unser Fahrzeug, denn mit halbwegs vernünftigen Plätzen scheint es in diesem Nest schlecht bestellt zu sein. Im gemütlichen Restaurant der Hafners genehmigen wir uns mal wieder ein leckeres Stück vom toten Schwein in Form von Medaillons in Sahnepilzsauce mit Spätzle und danach ein bolivianisches Bier. Und das alles für zusammen 8,80 €. In der Nachbarschaft, in der Metzgerei Griese, gibt es dann noch den feinsten Holsteiner Schinken und alles, was das Herz sonst noch begehrt. Am nächsten Abend sitzen wir nochmals mit den Hafners und einem Bolivianer in gemütlicher Runde zusammen und man fragt uns wie wir weiter fahren wollen und ich antworte, mein Kutscher (Marion) hat sich schon eine Strecke auf der Karte markiert. Wir wollen die ca. 50 Km Asphalt zurück bis Mataral und dann die Piste über Vallegrande, Pucara, Villa Serrano, Padilla, Monteagudo, bis wir dann wieder Asphalt erreichen. Alles lacht, der Bolivianer sagt, die Strecke gibt es nicht, der Landhaus-Chef holt seine Militärkarten raus und meint: „Nicht möglich“, weil die Piste bei ihm nicht vorhanden ist. In unseren Karten ist sie aber eingezeichnet und wir versuchen es jetzt erst recht.

Am nächsten Tag starten wir in ein ungewisses Abenteuer. In Mataral biegen wir ab auf eine schöne geschobene Piste in Richtung Südwest. Doch es bleibt nicht lange so, denn die Piste wird zusehends schmaler und kurvenreicher. Mal geht es bis 2800 Meter rauf, kurze Zeit später in endlosen Serpentinen wieder 1500 Meter runter. Von steinig bis staubig ist alles da was das Herz begehrt. Voran kommen wir mit einem Schnitt von 25-30 km/h. Die Landschaft besteht fast ausschließlich aus losem Sandstein und Geröll, dementsprechend häufig sind auch die Erdrutsche, die in der Vergangenheit die Piste verschüttet haben. Das Einzige, was uns Schwierigkeiten bereitet, ist die durch Wasser zum Teil weggespülte Piste und die äußerst engen Kurven, die wir nur durch mehrfaches Rangieren bewältigen können. Des Öfteren steigt dann auch schon mal der ein oder andere Schweißtropfen auf die Stirn, wenn das Hinterrad gerade die Abbruchkante überwunden hat und dann ein Erdrutsch in die Tiefe abgeht. Wir hoffen nur, hier nicht wieder zurück zu müssen. Dank unseres 4x4-Antriebes finden wir immer wieder mal ein lauschiges Plätzchen, wo wir geschützt stehen können.

So holpern wir eines frühen Nachmittages in ein Flussbett runter bis an den Rio Grande. Unten stehen wir zwar am staubigen Flussufer, aber es geht kein Wind und die Sonne brennt. Ich sammle Treibholz, damit wir ein Feuer machen und später in der Glut Brot backen können. Der Teig liegt gerade im Topf und in der Glut, da fängt es an zu blasen, dass uns hören und sehen vergeht. Innerhalb kürzester Zeit sieht man die Hand nicht mehr vor den Augen. Alle vier sehen wir aus als wären wir in einen Kalkeimer gefallen. Marion und die Hunde verschanzen sich im Haus, ich wache über unser Brot. Doch für die drei ist es in der Hütte nicht auszuhalten, da es heiß, aber nicht möglich ist die Fenster zu öffnen, ansonsten können wir später den Staub mit der Schüppe rausschaufeln. Endlich ist unser Brot fertig und wir beschließen unseren Standplatz an eine staubgeschütztere Stelle zu verlagern. Stunden später lässt der Sturm abrupt nach, so plötzlich wie er gekommen ist. Das einzige Ärgernis, im Auto sieht es aus, als wenn einer Mehl verstreut hätte.

Drei Tage fahren wir schon in dieser sich nicht ändern wollenden Landschaft, doch ab Padilla wird es bewaldeter und wir finden uns schleichend im Regenwald wieder.

Die Piste wird nochmals schmaler und wechselt über in dunkle Lehmfarbe. Die Abhänge werden tiefer und man sieht nur Urwald, eine Landschaft wie wir sie nicht einmal erträumt hätten. Es kommt keine Langeweile auf, denn es gibt keine Gerade, die länger ist als 100 Meter. Unzählige kleine Flüsschen sind zu durchqueren. In unseren Pausen herrscht eine Totenstille, außer den Geräuschen des Dschungels. Wir sehen unseren ersten frei lebenden Tukan, Schwärme von kleinen bunten Papageien ziehen über uns hinweg und irgendwo hört man einen Wasserfall in die Tiefe stürzen. Vereinzelt treffen wir auf versteckte Hütten aus denen uns Menschen anstarren, als kämen wir aus einer anderen Welt. Aber ganz so fremd scheinen wir ihnen doch nicht zu sein. Da springt dann schon mal jemand plötzlich aus dem Gebüsch auf die glitschige Piste und bietet uns 10 leckere Mandarinen für 10 Euro-Cent an.

Nach 5 Tagen und 537 Km traumhafter Piste treffen wir wieder auf Asphalt (Ruta 9), die uns bis nach Santa Cruz führt. Es gibt sie also doch, diese Piste, auch wenn sie nicht in allen Karten verzeichnet ist. Die Millionenstadt Santa Cruz erwartet uns stinkend und lärmend, aber wir müssen da durch, denn am anderen Ende, Richtung Norden, wenige Kilometer hinterm Flughafen, gibt es einen Camping vom bolivianischen Automobilclub (S 17°38,097' W 63°09,479'), auf dem man kostenlos übernachten kann, wenn man eine Mitgliedskarte des deutschen ADAC vorweisen kann. Ohne diese Karte verlangt man 20 Bolivianos pro Fahrzeug. Die Treibstoffversorgung scheint nicht immer gewährleistet zu sein. Da hat schon mal die ein oder andere Tankstelle aus Mangel an Sprit geschlossen oder wie es uns geschehen, man steht eine ½ Std. in der Schlange an und als wir endlich an der Reihe sind, ist das Fass leer und wir ziehen unverrichteter Weise von dannen.

Jetzt ist mal wieder Kawasaki fahren angesagt, dringende Einkäufe werden erledigt. Ja und weil die Wurstwaren vom Metzger Griese auch zu Ende gehen, entschließe ich mich die 100 Km Entfernung bis Samaipata in Kauf zu nehmen, um dieses Mal aber den Rucksack randvoll zu packen, denn in den nächsten Tagen wollen wir nach Westen, zur brasilianisch/paraguayanischen Grenze und wer weiß, ob es da auch so leckere Sachen zu kaufen gibt. Also bis dahin, wir sehen uns wieder zum 2. Teil Boliviens.

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.