Uruguay und Mate.

 

Reisezeit: 23.02.2006 bis 09.03.2006

 

Visum: Aufenthalt bis zu 90 Tage ohne Visum.

Hunde: Bei uns hat der Internationale Hundepass der EU ausgereicht. Man will eigentlich nur wissen, ob Tollwutschutz besteht.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich, landeseigenes "Vehiculos en Admisión Temporaria" wird ohne Probleme ausgestellt.

Versicherung: Wir haben bereits in Argentinien bei der San Cristobal AV. Cordoba 948/52, für 967 Pesos eine Fahrzeugversicherung (MAN) abgeschlossen, für 1Jahr, die für die meisten südamerikanischen Länder gilt. Wurde aber an der Grenze und bis heute nicht verlangt.

Währung: Pesos (UYU): 1 € = 27,7 Pesos. 1 US$ = 24 Pesos.

Bargeld: Aufgrund des schlechten Eurokurses tauschen wir erst einmal US$ bei der Bank ein, aber auch Visa- und Mastercard sind möglich.

Kreditkarten: Nur sehr mäßige Akzeptanz.

Diesel: 20,60 Pesos, meist in den Städten, bis zu 30,60 Pesos an größeren Überlandstraßen.

Benzin: 31,60 Pesos.

 

Am 23.02.06 stehen wir an der Grenze zu Uruguay bei Concordia/Salto. Da beide Seiten direkt an einem Tresen unter einem Dach sitzen, vereinfacht es die Grenzformalitäten. Nachdem ich zwei Meter am Tresen weitergerutscht bin, sind die Uruguayer dran. Anstatt des Carnet de Passages bekommt man hier ein landeseigenes "Vehículos en Admisión Temporaria", zusammen eine 3/4 Std. und alles ist fertig, zumindest was den Papierkram angeht. Doch bevor wir durchstarten können, wollen die neugierigen Zöllner Argentiniens noch in unsere Hütte schauen, doch kein Problem. Alles wieder zu und abgeschlossen, Auto angelassen und los. Zwei Meter weiter, halt, stopp. Was jetzt? Nun sind die Uruguayer dran. Man, können sich diese Birnen nicht absprechen? Also wieder alles auf, aber hier hat man es nur auf Agrarprodukte aus Argentinien abgesehen. Natürlich haben wir Idioten nicht daran gedacht. Das Ende vom Lied ist, unsere frischen Äpfel, Zwiebeln, Milch, Wurst usw. müssen entweder vor Ort gegessen werden oder man entsorgt sie in einer bereitstehenden Tonne. Aber wer kann das schon alles auf einmal essen? Einige Äpfel werden verzehrt, Wurst an die Hunde verteilt, aber wohin mit den Zwiebeln? Also ab in die bereitstehende Tonne. Kein Wunder, dass die Burschen auf dieser Seite so fett sind, die holen sich wahrscheinlich am Ende des Tages alles wieder aus der Tonne und leben wie die Made im Speck. Also vor Grenzübertritt alles gut verstecken, einschließlich Hundefutter. Uns passiert das kein zweites Mal.

Wir fahren in den nächsten Ort um Geld zu tauschen. US-Dollar scheinen uns am günstigsten. Weiter geht's zum Staudamm des Rio Negro. Wir finden ein lauschiges Plätzchen am Wasser unter schattigen Bäumen und beschließen hier ein paar Tage zu verweilen. Keiner schert sich um uns, selten mal ein Neugieriger, der uns dann mit erhobenen Daumen wieder verlässt, ohne aufdringlich zu sein.

Die Krankheitswelle unserer Hunde reißt nicht ab. Nachdem wir heute noch die letzten toten Maden aus Eros Maul gefischt haben und es ihm eigentlich wieder gut geht, fängt Whisky an zu kränkeln. Er hat sich zum 4. Mal auf unserer Reise einen "Hot Spot" eingefangen, direkt über dem linken Auge. Es ist dick geschwollen, tränt, ist verklebt und muss antibiotisch aus unserer Hausapotheke behandelt werden. Weiterhin scheint er Zahnschmerzen zu haben und wir suchen vorsichtshalber einen Tierarzt auf, und siehe da, ein lockerer Backenzahn, der sich entzündet hat. Wenn es mit dem Antibiotikum nicht besser wird, sollte man ihn ziehen. Es wird besser. Doch ich habe entschieden, der nächste lose Zahn und raus damit.

Mittlerweile habe ich unsere Carnets zum ADAC zurückgeschickt, damit wir unsere Bürgschaft löschen lassen können, was uns jedes Jahr fast 500 Teuro gekostet hat, denn in ganz Amerika wird kein Carnet benötigt, also lasst euch vom ADAC bloß keins aufschwatzen.

Es geht weiter nach Süden, Richtung Montevideo. Die Straßen sind in gutem Zustand und wir suchen uns die nicht asphaltierten Nebenstraßen, schlafen fast immer in der Pampa, an irgendwelchen Feldwegen, die irgendwo in Sackgassen enden. Doch es ist Vorsicht geboten, da es häufig regnet, verwandeln sich die Feldwege in glitschige Pisten. So wie an diesem Tag. Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen, parken auf Gras und genießen den Rest des Tages. In der Nacht gießt es wie aus Kübeln. Am Morgen ist der ganze Boden aufgeweicht. Wir starten als Erste. 5 Meter und die Hinterräder drehen durch. Wir schalten alle Hebel ein, die wir haben, von 4x4 bis Sperren, und kommen frei. Wir warten auf unsere Holländer, aber nix tut sich, der DAF bewegt sich nicht vom Fleck. Der Allrad geht nicht rein und Sperren hat der Holländer nicht, aber macht nix, ich wollte sowieso mal wieder die Winde ausprobieren. Also, das Ding ist Gold wert! Später stellt sich raus, ein Stein hat sich hinter den Schalthebel am Verteilergetriebe geklemmt und alles lahm gelegt.

Weiter geht's zu den Salto del Penitente Wasserfällen. Im Reiseführer als lohnender Besuch beschrieben. Doch auch hier hat der Tourismus Einzug gehalten, ein Camping ist entstanden und nix ist mit umsonst stehen und der Wasserfall haut uns nicht um, aber vielleicht, weil kaum Wasser da ist, oder sind wir einfach schon verwöhnt? Also machen wir uns weiter auf den Weg zur Atlantikküste, übernachten noch einmal weit ab der Hauptstraßen und genießen den Sonnenuntergang und es läuft uns ein Gürteltier fast über die Füße ohne Angst zu zeigen.

Manch einer der hinter uns herfährt wird denken, die haben doch wohl die Kappe am brennen, weil wir oft Schlangenlinien fahren, aber um nicht zum 100000fachen Mörder zu werden, müssen wir um die süßen, 10 cm großen und pelzigen Spinnen herum fahren, die ständig die Fahrbahnseite wechseln.

Uruguay ist alles in allem ein sehr angenehmes und billiges Reiseland, mal abgesehen vom teuren Treibstoff. Man kann fast überall stehen und übernachten ohne dass es irgendjemand kümmert, wobei die Landschaft eher eintönig ist. Fast alles nur Weideland für Rinder, Schafe und Pferde. Wenn man überhaupt Bäume oder Wald sieht, besteht er aus schnell wachsendem Eukalyptus. Was die Lebenshaltungskosten angeht, hier nur ein Beispiel. 1 Schachtel Marlboro ca. 1,50 €, einheimische unter einem €. Fährt man über Land, hält an einem Obst- und Gemüsestand an und kauft wie wir 6 Gurken, 1 große Paprika, 5 Äpfel, 1 kg Kartoffeln und 6 Tomaten, kann es einem schon einmal ein Loch von 1,50 € in den Geldbeutel reißen.

90 % der Bevölkerung scheint behindert zu sein!? Sie haben nur einen Arm zur Verfügung. Es ist überaus lustig mit anzusehen, wie die Uruguayer ihren Mate trinken. Die scheinen alle süchtig zu sein. Der Tee wird durch ein Metallröhrchen getrunken, das Gefäß besteht meistens aus einem ausgehölten Rinder- oder Schafshuf, oder aber einem Metallbecher. Ein überaus übel schmeckendes Gesöff. Der Huf wird vollgestopft mit Teeblättern und mit der mitgeführten Thermoskanne wird ständig heißes Wasser nachgegossen. Man sieht sie nur selten ohne diese Utensilien. Im Supermarkt, an der Tankstelle, beim Autofahren oder auf dem Moped, wobei letzteres nicht ganz ungefährlich zu sein scheint. Sieht man ein Auto in Schlangenlinien fahren, ist der Fahrer meistens nicht besoffen, nein, der stinkende Huf ist leer und der Fahrer muss Wasser auf den Tee kippen, das wiederum geht nicht ohne das Lenkrad loszulassen. Am besten ist es auf dem Moped. Erst Vollgas geben, dann die einzig freie Hand vom Lenker, heißes Wasser in den alten Huf, der Motor ist kurz vorm Absterben und bevor es dann gefährlich wird, wieder Gas geben.

Unterwegs treffen wir ein älteres deutsches Ehepaar, die mit einem alten Mercedes 911 Rundhauber unterwegs sind. Sie erzählen uns, dass es in Südbrasilien, in Novo Hamburgo, einen Wohnmobilhersteller der Marke Hobby gibt und die auch unsere Seitz-Fenster verkaufen. Sie haben sich dort einen komplett neuen GFK-Koffer bauen lassen mit einer Top-Innenausstattung, inkl. Heizung, Versorgungsbatterien, Elektronik usw., für 30000 €. Bei uns hätte der Spaß das 3fache gekostet. Also brummen wir auf die Grenze von Brasilien zu.

Am 09.03.06 stehen wir an der Grenze zu Brasilien bei Chuy. Natürlich haben wir aus dem letzten Grenzübertritt gelernt und haben alles Obst, Gemüse, Fleisch usw. aufs Dach verfrachtet, damit die Zöllner es nicht filzen. Die Ausreiseformalitäten sind in 5 Minuten erledigt.

 

Bis dahin und wir sehen uns wieder in Brasilien. Marion, Walter, Whisky und Eros.