Brasilien - wildcamperunfreundliches Land.

 

Reisezeit: 09.03.2006 bis 10.04.2006

 

Visum: Aufenthalt bis zu drei Monate ohne Visum, aber ohne Probleme zu verlängern.

Hunde: Hat keinen interessiert.

Versicherung: Hat keinen interessiert.

Carnet de Passages: Nicht erforderlich, man bekommt ein landeseigenes DECLARACÄO SIMPLIFICADA DE IMPORTACÄO (DSI).

Währung: Real (R$), die Mehrzahl ist Reais. 1 € = 2,50 Reais.

Bargeld: In Banken am Automaten mit Visa, Master und Maestro.

Kreditkarten: Kreditkarten werden vielerorts akzeptiert

Diesel: ca. 1,75 - 2,00 Reais.

Benzin: ca. 2,50 Reais.

 

Am 09.03.2006 stehen wir an der Grenze zu Brasilien. Die Einreise dauert über eine Stunde, aber auch nur, weil der Zöllner mit dem landeseigenen Carnet de Passages nicht in die Hufe kommt. Aber alles nett und freundlich. Danach wird uns gute Fahrt gewünscht und wir können losbrausen. Aber was ist mit der Kofferkontrolle auf Obst und Gemüse? Dann haben wir uns eben die Arbeit umsonst gemacht. Aber besser so, als wenn alles konfisziert würde!

Es ist bereits Nachmittag und unsere Nachtplatzsuche gestaltet sich recht schwierig, alles ist eingezäunt, kaum eine Möglichkeit zum Abbiegen oder es steht alles unter Wasser, dass die Rindviecher fast schwimmen müssen. Doch irgendwann kommen wir an den See Lagoa Mirim. Wir parken unsere LKW in der Nähe des Wassers und wie wir da später so sitzen, denken wir nur, dies hier könnte auch genauso gut am deutschen Nordseestrand sein.

Noch in Uruguay trafen wir einen Motorradfahrer aus Brasilien, der uns sagte, oh der Euro steht gut, bei 3,50 Reais und den Diesel gibt's für 1,30 Reais. Wir freuen uns wie die Schneekönige, das wird ein billiges Reiseland.

10.03.06. Wir steuern Rio Grande an, um uns mit Bargeld zu versorgen. Ich sehe die erste Tankstelle. Na ja, aus den 1,30 Reais sind plötzlich ca. 2 Reais geworden. Ab zur Bank und der Schock haut mich fast aus den Socken. Nix da, 3,50 Reais für 'nen €! 2,50 Reais für 'nen €, das sind gute 0,80 € Cent für den Liter Diesel. Schluss mit billig!!!!!!!!!!!

Nun kommen wir nach Novo Hamburgo, wo der "Hobby"-Bauer die Wohnmobile umbaut. Man(n) spricht Deutsch, was uns natürlich die ganze Sache vereinfacht. Die Brasilianer, so sagt man, machen schon Scherze darüber, dass es hier im Ort mehr Deutsche als Menschen gibt. Unser Seitz-Fenster ist in der Größe nicht vorrätig und müsste auch erst bestellt werden. Fenster aus eigener Herstellung muss erst angefertigt werden, was 10 Tage dauern kann und uns zu lange dauert. Da unseres noch wasserdicht und nur die Außenscheibe beschädigt ist, behalten wir es vorerst. Wir verabschieden uns und Marion und Diane schmälern im naheliegenden Bourbon-Supermarkt noch unsere Konten. Auf der Suche nach einem  Campingplatz kommen wir durch die Orte Gramada und Canela. Schon das Stadtportal heißt uns in altdeutscher Schrift, aber in portugiesischer Sprache willkommen. Unser erster Eindruck: Jo san mir hier im Bayernland? Und auch die Häuser sind alle im Schwarzwald- oder Bayernstil gebaut. Kaum zu glauben, da fährt man tausende von Kilometern weit ab der Heimat und trifft dann in Brasilien auf solche Orte. Sogar eine riesige Kuckucksuhr steht in Canela, Schokoladenläden gibt es haufenweise, Sommerrodelbahnen, einfach alles. Wir bleiben ein paar Tage, denn wir wollen uns hier im Nationalpark den Wasserfall ansehen. Der Eintritt liegt bei 16 Reais für zwei Personen und ist somit akzeptabel. Wir kommen an einen Punkt, wo man zum Wasserfall herabsteigen kann und werden bereits durch ein Schild gewarnt, denn zu bewältigen sind 927 Stufen, die man auch später wieder hoch muss. Wir sehen uns an, sind am Zweifeln, doch unser Ehrgeiz ist geweckt, wir gehen runter. Die, die uns entgegen kommen, sind völlig aus der Puste, haben rote Köpfe und man könnte denken, die kippen jeden Moment aus den Latschen. Da gibt es solche, die in Schuhen mit Pfennigabsätzen dort runterspazieren, oder Plateauschuhen, andere wiederum gehen barfuß, was soll man davon halten? Die müssen doch 'nen Lattenschuss haben. Unten angekommen, ist der Ausblick grandios und nach einer angemessenen Verschnaufpause geht es auch für uns wieder rauf. Mit vielen Pausen und völlig erschöpft, erreichen wir dann doch unser Ziel.

Marion hat einen neuen Tick. Sie hechtet mit dem Fotoapparat weißen Schmetterlingen, die ca. 8 cm Flügelspannweite haben, und kleinen olivgrünen Papageien hinterher. Das ist nicht immer ganz einfach ist, weil diese Viecher nicht sitzen bleiben, wie sie es sich wünscht und so springt sie auch mal morgens wie von der Tarantella gestochen vom Frühstückstisch auf, den Fotoapparat immer an der Seite liegend, rennt zum nächsten Baum, um ein Foto der Papageien zu erhaschen. Ebenso springt sie den Schmetterlingen in den Dschungel hinterher, was einige Hautkratzer und ebenso viele Mückenstiche nach sich zieht. Hoffentlich hält das nicht allzu lange an!

Nach fünf Nächten auf dem Camping brechen wir wieder auf, Richtung Rio. Doch ich habe keine Lust mehr auf Asphalt, denn das kostet auch noch Maut. Auf allen großen Verbindungsstraßen wird man zur Kasse gebeten. Im Schnitt kann man pro 100-130 km mit 3 € rechnen und bis Rio sind es immerhin noch 1300 km. Nicht die Masse, aber es läppert sich. Wir finden dann aber doch noch einige Pisten und wir umgehen die Nationalstraße 101 etwas westlich. Aber wer hier Dschungel erwartet, der hat sich getäuscht. Fast alles abrasiert und jetzt Weideland. Mit einigen Übernachtungen kommen wir dann nach Blumenau, wo viele Deutsche leben sollen, wir haben keinen getroffen. Auch deutschen Apfelstrudel soll es hier geben, haben wir aber auch nicht gefunden. Auf dem Camping besucht uns das örtliche Fernsehen und interviewt uns. Man hat uns auf dem Camping zufällig gesehen und möchte einen kleinen Bericht über uns im Lokalfernsehen bringen. Warum nicht?

Ich fahre dann noch mit der Kawa in die Stadt ins Internet. Ich komme nach 2 Stunden zurück, oh nee näh! Moped weg oder in der falschen Straße geparkt? Andere Straßen abgelaufen, kein Moped. Der Schweiß rinnt mir die Stirn runter. Das fehlt noch, da fährst du mehr als 50000 km durch die Gegend und gerade hier, wo alles deutsch ist, klauen sie dir das Motorrad. Da läuft mir gerade ein Sheriff über den Weg. Hey Sheriff, mir hat man das Moped geklaut. Der versteht natürlich nix und ich muss mit Händen und Füßen ran. Dann aha, haste etwa hinter dem Schild geparkt, ja, na klar, dann wurde es abgeschleppt. 2,5 Std. später habe ich sie wieder und wir sind ca. 30 € ärmer. Ich wollte doch bloß ins Internet! Unfreundlicher Ort hier, nix wie weg.

Na denn auf, immer in Küstennähe, zur Insel Ilhabela. Für 56 Reais bringt uns die Fähre rüber, Hin- und Rückfahrt. Die Küstenstraße endet auf beiden Seiten in einer Sackgasse. Um auf die andere Seite zu gelangen muss man über eine 22 km lange Dschungelpiste. Na klar, genau das Richtige für uns nach den letzten mehr als 1000 km Asphalt. Also auf ins Abenteuer Brasilien. Es fängt gut an, rote Erde, kurz vorher hat es geregnet, übrigens das 2. Mal auf unserer Reise, dass es mehr als einen Tag durchgeregnet hat. Tiefe Auswaschungen und glitschig. Unsere Autos rutschen und da, ne alte Holzbrücke. Nach kurzer Inspektion, müsste gehen, aber die Längsbretter sind nicht unsere Spurbreite. Sie ächzt und knatscht und verbiegt sich an beiden Seiten verdächtig, jetzt aber fix, sonst liegen wir im Bach. Nach 3 km ist Schluss, die Piste wird zu eng, die Bäume zu niedrig, also auf einer Postkarte wenden und zurück. Man, das hätte so schön werden können!

Es sind noch ca. 300 km bis Rio, aber die Stellen, wo man wild übernachten kann, sind immer noch rar gesät. Wir fahren auf der Küstenstraße, aber kein Weg auf den man mal abbiegen könnte. Campingplätze gibt es mittlerweile genug, aber die Zufahrten sind fast immer zu eng oder zu überquerende altersschwache Holzbrücken zwingen uns zur Umkehr. So fahren wir zu einer der Polizeistellen direkt an der Straße und fragen dort um eine Übernachtung, kein Problem. Abends gesellen sich Olaf und Stephanie aus Mannheim zu uns. Sie sind seit 2 1/2 Jahren mit einem Hanomag Bauj. 1964 in Südamerika unterwegs und verbringen mit ihnen den Abend, und es gibt mal wieder viel zu erzählen. 50 km gäbe es einen schönen Camping, im Ort Trinidade, auf den wir mit unseren Ungetümen Platz hätten, aber die An- und Abfahrt über den Berg zur Küste sei sehr steil. Sie seien nur knapp mit ihren 70 PS rübergekommen. Und tatsächlich, die Auffahrt, für uns kein Problem, aber die Abfahrt hat es in sich. Unser Kriechgang reicht nicht aus um unsern Kat im Zaum zu halten, wegen bekanntlich fehlender Motorbremse, auf der mehrere Kilometer langen Strecke. Wir erreichen unseren Camping direkt am Strand, allerdings mit übel stinkender Bremse. Nach zwei Tagen und schlechtem Wetter mit Regen, brechen wir auf zum Endspurt nach Rio de Janeiro.

Der Verkehr ist nicht so schlimm wie erwartet und die Copacabana ist in Sicht. Die Enttäuschung ist groß, wo sind die knackigen Hintern der Damen und die braungebrannten Machos? Der Strand ist wie leergefegt. Kein Wunder, es ist Winter hier und das Wetter ist schlecht, mit zeitweise Regen und schlappen 25°. Weiter geht's zum Zuckerhut. Wir haben gehört, dass man direkt am Fuße des Zuckerhutes auf einem Parkplatz sicher übernachten kann, da sich nebenan eine Militärschule befindet und im Umkreis Streife läuft. Einen Steinwurf weit entfernt von der Seilbahnstation, mit der man sich für 35 Reais auf den Zuckerhut karren lassen kann. Doch bei Ankunft ist alles dicht in Wolken verhüllt. Der nächste Morgen ist auch wieder wolkenverhangen, doch nach kurzer Zeit klart es auf. Aber jetzt rauf auf den Zippel. Nach 25 Min. sind wir oben, wauuuu, ist das ein Ausblick. Wir sehen auf der anderen Seite der Stadt unter anderem die Christusstatue und die Copacabana. Nach kurzer Zeit zieht sich wieder alles zu und der Spuk ist vorbei. Nächster Tag früh morgens. Der Christus ist frei! Nix wie mit dem Taxi hin und rauf. Wir sind ganz allein und keiner will Geld haben, seltsam!

Die Schönwetterfront zwischen Deutschland und Holland nähert sich dem Ende und es ziehen Wolken auf und wir trennen uns von unseren Holländern. Wir machen uns allein auf den Weg zu den Iguazu-Wasserfällen. Noch in Rio de Janeiro, irgendwo auf einer der vielen Autobahnen, werden wir Opfer der zum Teil korrupten Polizei. Wissen sie eigentlich, dass sie hier nicht fahren dürfen, ne, keine Ahnung, wir haben kein Schild gesehen. Ja, ja, nur für Busse und PKW. Und nun? Normalerweise macht das 180 Reais, aber dafür müssen wir ins entfernte Office, doch wir können das auch hier unter uns regeln, gegen eine Zahlung von 100 Reais, bar auf die Kralle. Ich, ne, bezahle ich nicht. Was ich denn freiwillig abdrücken wolle? Ich, 10 Reais. Er sagt, o.k. 80. Ich sage 20, mein letztes Wort oder wir fahren zum Office und ich bezahle lieber die offizielle Rechnung und Zeit haben wir schließlich genug. KleineBesprechung mit dem Kollegen, o.k., war nett sie kennengelernt zu haben und weiterhin gute Fahrt. Arschloch!!!!

Unser Rückweg über São Paulo und Curitiba wird zum teuren Vergnügen, hier verlangt man wieder Straßenmaut vom Feinsten. Das kotzt mich langsam an und wir verlassen hinter Guarapuava die große Hauptverbindung in der Hoffnung, dort nicht löhnen zu müssen. Also für uns ist Brasilien gelaufen und kommen nur noch mal im Norden rein, wo es keine vernünftigen Straßen mehr gibt und keine Maut, hoffentlich. Man hat sich das wahrscheinlich bei den Verbrechern in Europa abgeguckt.

07.04.06. Wir erreichen die Stadt Foz do Iguaçu. 20 km vor der Stadt müssen wir nochmals 14 Reais berappen, diesmal werden wir als Bus mit zwei Achsen eingestuft, verhandeln keine Chance. Es scheint so, als stufe uns jeder so ein, wie er gerade Lust und Laune hat. Wir gehen auf den Camping Internacional (S 25°33,564' W 54°34,572') für 12 Reais p.P. und 5 fürs Auto.

Am nächsten Tag machen wir uns mit der Kawa auf zu den ca. 20 km entfernten und berühmten Wasserfällen von Iguazu. Man wird von einem Parkplatz aus mit dem Bus bis an die ca. 15 km entfernten Wasserfälle gefahren, für 20 Reais p.P. Das Wetter spielt zwar nicht so mit wie wir das gerne hätten, ab und zu fängt es an zu regnen, und trotzdem sind wir begeistert was die Natur geschaffen hat. Man läuft einen Canyon entlang und sieht unzählige kleinere und größere Wasserfälle, bis man letztendlich an das Ende des Canyons gelangt, indem unter ungeheurem Getöse enorme Mengen an Wasser in die Tiefe stürzen. Gischt steigt auf und regnet in feinem Nebel auf uns herab. Alle Leute sind nur noch damit beschäftigt die Linsen ihrer Kameras zu putzen. Zum guten Schluss dürfen wir dann noch 11 Reais für den Parkplatz bezahlen (3 €), diese Schweinesäcke, übrigens genau so viel wie für ein Auto, allerdings unter Bewachung. Nun haben wir aber wirklich genug von Brasilien und machen uns am nächsten Tag wieder auf nach Argentinien.

So stehen wir am 10.04.06 an der Grenze nach Argentinien bei Foz do Iguaçu. Die Ausreise dauert ca. 1/2 Std. Man sieht sich in Argentinien bei endlich wieder moderaten Spritpreisen!

 

Marion, Walter, Whisky und Eros.