Argentinien.


Reisezeit: 27.09.2006 bis 31.12.2006

 

02.10.06. Nachdem wir noch eine weitere Woche in Puerto Madryn am Strand verbracht haben, brechen wir heute wieder auf Richtung Süden, auf der Piste Ruta 1 nach Punta Tombo. Hier soll eine der größten Magellan-Pinguin-Kolonien sein. Und richtig, nachdem wir unseren Eintrittspreis von 20 Pesos p.P. entrichtet haben, Hunde übrigens kein Problem, man darf sie nur nicht im Gelände laufen lassen, fahren wir in die Kolonie. Ja man hört richtig, direkt hinter dem Schlagbaum laufen die ersten Pinguine über die enge Piste ohne Angst zu zeigen. Wir haben ca. 1 Km zurückzulegen um auf einen großen Park- und Wendeplatz zu gelangen. Diese herrlichen Tiere nisten auf dem Weg zum Teil nur 20 cm von unserem Ungetüm entfernt ohne auch nur die geringste Scheu zu zeigen. Es ist manchmal so eng, dass ich Angst habe die unterirdischen Behausungen zu zerstören. Doch die Pinguine bleiben scheinbar ganz cool in ihren Löchern liegen. Wir haben ein verdammt schlechtes Gewissen hier überhaupt mit dem MAN reingefahren zu sein. Hätte man uns vorher gesagt, wie eng hier die Tiere am Wegesrand liegen, wären wir zu Fuß gelaufen. Dass man es überhaupt zulässt, ist uns völlig unverständlich. Wir schaffen es dennoch bis auf den Parkplatz ohne dass eine Hütte zusammenbricht oder wir einen platt walzen. Auf dem Parkplatz angekommen, herrscht reger watschelnder Verkehr oder sie liegen unter den parkenden Autos. Ab hier beginnt ein eingezäunter Wanderweg. Abertausende von Tieren haben hier ihre zum größten Teil unterirdischen Nester. Es ist einfach herrlich dieses rege Treiben mit anzusehen. Ein Besuch hierhin sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wir verlassen Punta Tombo weiterhin auf der Ruta 1, die sehr einsam ist und übernachten kurz vor Cabo Raso direkt am Strand. Doch kurze Zeit später fängt es an zu stürmen und unser Auto schaukelt so, dass die Gläser auf dem Tisch verrutschen. Mir wird es zu brenzlig und ich fahre unseren MAN etwas weiter landeinwärts. Zum Sturm gesellt sich nach kurzer Zeit auch noch heftigster Regen. In dieser Nacht ist an Schlaf kaum zu denken. Wir kommen uns vor wie auf hoher See. Der nächste Tag, es schüttet weiterhin wie aus Eimern und die lehmige Piste verwandelt sich in eine glitschige und anspruchsvolle Strecke, die äußerste Konzentration erfordert. Unser 4x4-Betrieb ist zwar nicht zwingend erforderlich, weil kaum Steigungen vorhanden sind, aber das Auto liegt einfach ruhiger auf der Piste. Ohne Allrad habe ich ständig mit durchdrehenden Hinterrädern und ausbrechendem Heck zu kämpfen. Und dennoch kommen wir nicht ohne Ausrutscher ins Grüne davon. Des Öfteren bricht unser MAN völlig unvorbereitet aus und wir finden uns in der Botanik wieder. Da hilft allerdings auch der Allrad nichts mehr und wir müssen die Sperren mit einschalten. Wenn das nichts hilft, müsste man warten, bis alles wieder abgetrocknet ist, denn Bäume für die Winde sind nicht vorhanden. Aber wir haben Glück und kommen immer wieder aus eigener Kraft frei. Seit unserer Abfahrt von Puerto Madryn habe ich das Gefühl, wir haben ein Loch im Tank. Wo wir normalerweise mindestens 600 Km Reichweite mit unserem Haupttank haben, ist das Fass schon nach 450 Km leer, obwohl der MAN nicht besonders hart arbeiten musste. Da ist was faul, aber was? Die Unwissenheit macht mich ganz verrückt. Also kippe ich nach 2 Tagen unsere Hütte ab und siehe da, ein nicht unerheblicher Riss in der vorderen Auspuffkrümmerhälfte. Wir erreichen Comodore Rivadavia und steuern Scania und Volvo an, da MAN ja nicht präsent ist in Argentinien. Freundlich weist man uns darauf hin, dass sie keine Ersatzteile für MAN haben. Das weiß ich natürlich auch, du Knalltüte, denke ich mir, aber man könne einen Spezialschweißer anfordern, der sich das mal anschaut. Einen Tag später ist unser Krümmer wieder eingebaut. Die Schweißarbeit kostet uns knapp 70 €, der Aus- und Einbau 20 €. Um nicht die äußerst langweilige und asphaltierte Ruta 3 weiter Richtung Süden fahren zu müssen, biegen wir bei Caleta Olivia auf die Ruta 12, die ab der Überquerung der Ruta 43 in Piste übergeht und locker zu befahren ist. Ab hier ist die Gegend hügelig und dadurch sehr abwechslungsreich. Später geht's über auf die 25, die im weiteren Verlauf auf die 288 übergeht und laut Karte wieder auf die Ruta 3 trifft, aber weit gefehlt, südwestlich von Comandante Piedra Bueno stehen wir plötzlich vor dem Rio Santa Cruz, die Piste geht auf der anderen Seite weiter, doch das Wasser ist zu tief und eine Fähre gibt es nicht. Wir fragen in der Estancia Condor Cliff nach einem anderen Weg. Man sagt uns, wir müssen entweder zurück oder wir fahren ca. 80 Km gen Westen und ständig am Fluss entlang bis man den Largo Argentino erreicht, wo sich eine Brücke befindet, sodass man den Fluss überqueren kann. Wir entscheiden uns für die letztere Version und es ist eine gute Wahl. Die Piste ist im trockenen Zustand gut zu befahren, bei Regen allerdings wird's ein Mordsspaß, da bin ich mir sicher. Ab dem See Asphalt vom Feinsten, wer es liebt, bis Rio Gallegos. In Rio Gallegos übernachten wir eine Zeit lang auf der YPF-Tankstelle und treffen auf die Belgier, Eric und Axelle mit ihren 4 Kindern in einem Van-Hool-Bus. Sie kommen gerade aus Ushuaia und sind auf dem Weg nach Alaska. Eine nette Truppe, die wir gern wieder treffen würden.

Da wir um nach Ushuaia zu gelangen wieder durch Chile müssen und wir nicht wieder Theater wegen unserer Hunde bekommen wollen, besorgen wir uns in Rio Gallegos das Gesundheitszertifikat, was wie folgt vor sich geht. Man gehe zu einem x-beliebigen Tierarzt, lässt sich bescheinigen das die Tiere gesund sind (p. Hund 20 Pesos), geht mit diesem Papier zur SE.NA.SA (Servicio National de Sanidad y Calidad - Agroalimentaria), an der Ruta 3 gelegen, Km 2624 (S 51°37.096' W 069°16.187'), bekommt hier ein weiteres Papier mit wichtigen Stempeln, drückt pro Hund 13 Pesos ab und man kann losfahren. Will man von Rio Gallegos direkt nach Chile (ca. noch 50 Km), sollte man auf jeden Fall hier volltanken, denn es kommt keine Tankstelle mehr bis man Chile erreicht. Wir entscheiden uns allerdings 229 Km westwärts zu fahren, auf der Ruta 40 (Piste) bis 28 de Novièmbre, dort noch mal zu tanken, 11 Km zurück zu fahren bis S 51°39.813' W 72° 11.090' (keine Wegweiser), nach rechts abzubiegen um an die chilenische Grenze und dann nach Puerto Natales zu gelangen.

Die Ausreise aus Argentinien dauert 30 Min., 3 Km weiter kommt der chilenische Grenzposten. Wichtig wieder, kein Obst, Gemüse, Frischmilch, Käse, Eier usw. mitführen (oder gut verstecken) und keine gefüllten Reservekanister. Die Einreise geht schnell vonstatten, wir sind die Einzigen. In Puerto Natales übernachten wir direkt am Strand mit traumhaft schönem Ausblick auf die noch schneebedeckten Berge.

Am nächsten Tag starten wir in den Nationalpark Torres del Paine. Hunde verboten. Der Eintritt für 2 Personen kostet uns schlappe 30000 Pesos (ca. 43 €). Es darf nur auf den ausgewiesenen Campingplätzen übernachtet werden, die dementsprechend teuer sind. Da wir mit Hunden diese Plätze nicht anfahren können müssen wir am gleichen Tag wieder raus. Zum anderen können wir nur zwei Drittel der gesamten Strecke befahren, da zwei Brücken zu überqueren sind, die erste mit max. 15 t., die zweite max. 3,5 t. und da heißt es für uns umkehren. Mein persönlicher Eindruck, für Wanderer bestimmt ein Paradies, für mich allerdings, da wir uns nur sehr kurz hier aufhalten können, zu teuer und rausgeworfenes Geld.

Von hier aus geht es weiter nach Punta Arenas. Immer wieder kommen wir an ausgewiesenen Minenfeldern vorbei, aus welchem Krieg auch immer. Hier unten ist fast immer Sturm der so stark ist, dass wir unsere Zwangsbelüftung in den Dachfenstern zustopfen um unserer Heizung mal eine Ruhepause zu gönnen. Bei diesem ständigen Wind wird das Klettern auf dem Dach zum lebensgefährlichen Unternehmen. Wir nehmen die 2,5-stündige Fähre, um nach Porvenir zu gelangen (1 x täglich, Abfahrt ca. 9.00 Uhr). Kosten für Fahrzeug inkl. Fahrer 93000 Pesos (ca.134 €), zusätzliche Person 4300 Pesos (ca. 6,50 €). Büro "Transbordadora Austral Broom S.A." bei S 53°07,492'  W 070°52.168'. Man sollte besser vorbuchen oder man läuft Gefahr warten zu müssen. Am nächsten Tag schippern wir mit 17,5 km/h bei ruhiger See über die berühmte Magellanstraße. Gegen Mittag erreichen wir Feuerland - Tierra del Fuego. Wir fahren die Küste entlang nach Süden. Ein Großteil

Feuerlands sowie auch der Süden von Patagonien sieht aus wie nach der Explosion einer Atombombe. Millionen von abgebrochenen oder entwurzelten Bäumen liegen in der Gegend rum oder aber ganze Wälder sind einfach abgestorben.

Wir erreichen den Lago Blanco, ein großer See mit einem ausgewiesenen freien Camping, allerdings ohne jegliche Versorgung oder Toiletten und dergleichen. Aber dafür wird man entschädigt mit einer Totenstille und Natur pur. In der Ferne sieht man noch einige schneebedeckte Berge und um uns herum, kaum zu glauben, grüner Urwald. Alles was umfällt bleibt auch so liegen. Aber auch hier, inmitten des dichten Grüns, haufenweise umgefallene oder abgebrochene Baumriesen. Wir genießen hier einige Tage die absolute Einsamkeit. Das einzige was uns zu denken gibt, ist ein Toyota Pickup, der die ganze Zeit nicht weit von uns abgestellt steht. Kein Mensch zu sehen, außer zwei großen Hunden, die neben dem Auto liegen, als wolle der Besitzer jeden Moment wiederkommen - seltsam. Die Hunde sind sehr zutraulich und abgemagert. Jeden Tag lauschen wir, ob wir nicht etwas im Wald hören, aber nichts. Es könnte ja was passiert sein! Am letzten Abend gehe ich noch am Seeufer entlang und was entdecke ich dort, einen toten, angeschwemmten Biber. Ich gehe zurück und sage zu Marion: "Ich habe eine Leiche gefunden"! Der rutscht gleich das Herz in die Hose, und was jetzt? Sorry, es war nur eine Biberleiche. Sie hat mir bis heut noch nicht verziehen. Wir brechen am nächsten Tag wieder auf, melden aber den Vorfall mit dem Toyota der Polizei, die einige Kilometer entfernt vom See stationiert ist, man will sich um die Sache kümmern.

Am gleichen Tag erreichen wir die Grenze zu Argentinien auf Feuerland. Das ist mit Abstand der einfachste und schnellste Grenzübergang unserer ganzen Reise. Chile verlassen wir innerhalb 5 Minuten und auch die Einreise nach Argentinien hätte nicht wesentlich länger gedauert, wenn nicht der Computer drei Mal abgestürzt wäre. Alle verbotenen, zuvor gut versteckten Agrarprodukte, interessieren keinen Menschen und Schwups stehen wir auf argentinischer Seite Feuerlands. Selbst die Hunde haben keinen interessiert. Nur noch ca. 280 Km Asphalt bis Ushuaia.

29.10.06, Ushuaia ist erreicht. Ein weiteres großes Etappenziel unserer Reise. Natürlich muss erst einmal am Stadteingang ein Beweisfoto gemacht werden. Wir sind begeistert, T-Shirt Wetter empfängt uns, aber nur zwei Tage und dann, oh ne näh, der Wind bläst auf einmal in Stärke 12 oder so, es wird saukalt und teilweise fällt Schnee. Nein, das haben wir nicht bestellt, das würden wir gerne wieder zurückgeben! Die Webasto hat Schwerstarbeit zu leisten, rund um die Uhr ist sie im Einsatz und es hört nicht auf zu schneien. Da wir erst einmal nicht so genau wissen wo wir uns niederlassen sollen, gehen wir auf den Camping Rio Pipo, 4 Km vom Zentrum Richtung Nationalpark Tierra del Fuego. Für 12 Pesos p.P. und Tag bekommt man einen schönen Platz am im Gelände befindlichen Gebirgsbach. Ein schnelles Internet ist hier vorhanden für 6 Pesos/Std. Alles in allem zum Rest von Argentinien nicht ganz billig, aber es scheint uns o.k. Ich handele noch einen Preisnachlass heraus, da ich am 28.11.06 für 3 Wochen nach Hause fliege und Marion mit den Hunden hier allein bleibt. Hier füllen wir unsere Wasservorräte wieder auf und der Campingchef ist uns behilflich bei der Suche nach der Befüllung unserer Gasflasche. Er bringt sie uns morgens zur Füllanlage und abends wird sie uns wieder zurückgebracht für 22 Pesos. Die europäischen Anschlüsse scheinen hier kein Problem zu sein, entgegen vielen anderen Gasstationen, wo man einen sogenannten amerikanischen Adapter braucht, den wir bis jetzt noch nicht haben.

 

Neues Gesetz erlassen.

Wer allerdings mit dem Auto hier anreist wird verärgert sein, denn seit ca. 6 Wochen gibt es einen Erlass der Regierung, dass alle Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen fast das Doppelte für den Treibstoff bezahlen müssen. Was heißen soll, anstatt 1,38 Pesos (Diesel) für Argentinier, 2,60 Pesos für Ausländer. Benzin ist von dieser Regelung nicht betroffen. Dann müssen wir eben an anderer Stelle sparen. Wir verlassen den Camping nach zwei Tagen und stellen uns in der Mitte des Zentrums auf einen großen Parkplatz, nicht immer ganz leise, aber dafür umsonst und man kann alles Wichtige zu Fuß erreichen.

 

Einige Tage später fahren wir in den Nationalpark Tierra del Fuego. Beim Eingang sehen wir schon in großen Lettern, Hunde verboten. Also verstecken wir unsere beiden einmal wieder. Für 20 Pesos p.P. wird die Schranke geöffnet und man kann sich drei Tage und zwei Nächte im Park aufhalten, entweder auf dem einzigen offiziellen Camping oder auf den vier freien Plätzen ohne Versorgung. Wir versuchen es auf dem Platz, auf dem sich Sylvester viele Traveller treffen, aber die werden sich dieses Jahr wundern. Nach kurzer Zeit kommt eine Schar Parkranger und bittet uns höflich den Platz zu verlassen, denn man wolle die Einfahrt zusperren, weil in der Vergangenheit zu viel kaputt gefahren wurde. So verlassen wir den Park wieder, nicht dass er nicht schön wäre, aber umgehauen hat er uns nicht gerade. Es gibt dort nichts, was wir nicht schon mehrfach in der Vergangenheit gesehen haben, an einsameren Ecken, wesentlich ruhiger und viel weniger Touris, denn hier werden sie massenhaft reingekarrt. Mehrmals innerhalb kurzer Zeit geht der Rio Pipo über die Ufer und wir finden uns plötzlich auf einer Insel wieder. Wir sind rundherum vom Wasser eingeschlossen und sind gezwungen die Gummistiefel rauszuholen. Der Fluss wird zum Land fressenden Monster. Reihenweise werden Bäume unterspült und fallen ins Wasser. Treibholz versperrt dem Wasser den Weg und es wird Zeit zu handeln. Wir bieten dem Campingchef an mit unserer Winde den Baum, der am schlimmsten den Weg versperrt, zur Seite zu ziehen, aber das Ding ist so schwer, dass erst einmal eine Motorsäge die Vorarbeit leisten muss. Danach ist der Wasserweg wieder frei. Und nun kommt's, haltet euch fest, dies ist kein Scherz!

Am nächsten Tag, 18.11.06, schraube ich ein bisschen am Kat rum, die Sonne scheint, alles ist in scheinbarer Ordnung. 50 Meter weiter, an der nächsten Flussbiegung pfeift ein Anglerpärchen, signalisiert mir, ich soll mal rüberkommen. Sie rufen mir zu: "Hola Señor, una persona muerta" und zeigen ins Wasser. Ich sehe erst nichts, doch dann entdecke ich was Langes, Dickes, Helles, an dessen Ende ein Schuh hängt. Bei näherer Betrachtung komme ich zu dem Entschluss, es ist entweder ein Puppen- oder Menschenbein, was sich da im Wasser bewegt. Ich gehe zurück zum Auto und sage zu Marion: "Ich glaube, jetzt habe ich aber eine Leiche gefunden". Sie natürlich wieder einmal erschrocken und verärgert: "Ich bin es leid, dass du immer solche makaberen Scherze machst". „Na gut, dann wird's wohl eine Puppe sein“, sag ich nur und gehe zum Campingchef. 10 Minuten später wimmelt es hier von Polizisten. Eine Stunde später wird mit Hilfe von Marinetauchern die Leiche einer nackten Frau aus dem Fluss geborgen, die nur noch ihre Schuhe an hat. Man vermutet, dass dies die Frau ist, die seit ca. 4 Wochen vermisst wird und in einer großen Aktion von Militär und Polizei vergeblich gesucht wurde. Wir verfolgen die ganze Aktion hautnah, ohne dass sich irgendjemand daran stört. Ich hätte sogar Fotos machen können, aber das wollten wir euch ersparen. Bei uns Zuhause wohl undenkbar. Da sag mal einer in Ushuaia ist nix los.

 

Während Walter jetzt auf dem Weg nach Deutschland ist, beginne ich die Decke in der Wohnkabine abzukleben, um danach die Farbe aufzutragen, die wir in Rio Gallegos gekauft haben. Langeweile wird bei mir in den ca. vier Wochen, die Walter mit Besuchen und Einkäufen in good old Germany verbringt, nicht aufkommen. Ruben und seine Familie kümmern sich in dieser Zeit um mich, als wäre ich eine eigene Tochter. Ich brauche nicht zu kochen, denn jeden Mittag bin ich bei ihnen eingeladen. Auf einen Esser mehr oder weniger käme es bei der großen Familie nicht mehr an.

Bereits zwei Tage später lerne ich Carlos und Alejandro kennen, die aus Buenos Aires sind und in Ushuaia gut erhaltene Autos billig einkaufen, um sie für gutes Geld in der Hauptstadt Argentiniens wieder zu verkaufen. Jeden Tag kommen sie mich besuchen und laden mich ein mit ihnen zu essen. Etwas ganz besonderes ist, als sie mich zum Cordero einladen. Cordero ist ein Lamm, das an einer speziellen Spießkonstruktion schräg über der Glut hängt und mindestens 3 ½ Stunden zum Garen benötigt. Eingerieben wird es mit einem kleinen Ästchen, welches in einer Wasser-Salzlauge getaucht wird. Wer die Gelegenheit bekommt, eine solche Köstlichkeit mal zu probieren, der sollte nicht nein sagen. Ich habe mir förmlich die Finger danach geleckt.

Wie immer in Argentinien, findet am Wochenende das traditionelle Asado statt. Der Campingplatz füllt sich binnen weniger Stunden und ich habe keinen Freiraum mehr für mich. Um dem Rummel zu entgehen, mache ich mich auf die Suche nach Rube, Carlos und Alejandro. Das Wetter zeigt sich von seiner schönsten Seite und so sind auch mehrere Paare auf dem Platz, die nicht nur zum Asado kommen, sondern sich zum Tanz treffen. Es ist schön anzusehen, wie sie im Einklang mit dem Partner auf die Musik tanzen. Auf meine Frage hin, ob ich einige Fotos machen dürfte, werde ich herzlich dazu eingeladen. Der Nachmittag geht in netter Gesellschaft vorüber und als 20 Uhr ist, werden auch noch die letzten Tagesgäste vom Platz verwiesen und ich habe meine Ruhe wieder.

An einem Sonntag geschieht dann etwas Außergewöhnliches. Ruben macht mich darauf aufmerksam, dass eine Taufe am Ufer des Flusses Rio Pipo stattfindet. Es ist eine Taufe der Baptisten. Schnell gehe ich zurück zum Lkw, um mir das einmal aus der Nähe anzusehen. Zwei Erwachsene haben weiße Gewänder an. Der Täufer steht bereits im Wasser, als die Frau zuerst auf ihn zugeht. Er hält sie an der Stirn und dem Hinterhaupt fest, während ein zweiter Mann von hinten den Rücken stützt, dann taucht der Täufer sie einmal geschwind rückwärts ins Wasser und die Taufe ist vollzogen. Die gleiche Prozedur geschieht mit dem Mann. Die Familie steht am Ufer und beglückwünscht die frisch Getauften, die bibbernd aus dem kalten Wasser waten und sich trockene Kleidung überziehen. Etwas so Besonderes mal erleben zu dürfen, ist schon beeindruckend. Da wird keine Kirche benötigt, nein, ein einfacher Fluss tut es auch.

Jeden Tag unternehme ich mit unseren beiden Hunden schöne Wanderungen über das Gelände des Campingplatzes. Ganz reizvoll sind da die morgendlichen Spaziergänge, denn pünktlich um 7 Uhr kommt mein Freund aus seinem Nest. Es ist ein Eisvogel, der bereit ist, sich einige kleine Fische aus dem Rio Pipo zu fischen. Er scheint vor uns keine Angst mehr zu haben, denn ich kann teilweise sehr nah an ihn heran. Eines Morgens sitzt er direkt neben unserem Eingang des Lkw auf einem Ast, als ich die Tür aufmache und ihm zusehen darf. Er fliegt nicht weg, nein, er scheint mir seine Kunststücke vorführen zu wollen. Direkt vor meinen Augen stürzt er sich in den Fluss, taucht wieder auf und setzt sich auf dem Ast nieder. Schade, dass ich nicht so schnell mit dem Fotoapparat bin, denn das wären wirklich schöne Aufnahmen geworden.

Eines Abends lade ich die Familie ein, Pizza mit mir zu essen. Da Ruben meinte, dass Sergio ein prima Pizzabäcker sei, besorgt er mir die Zutaten und backt mir sogar die Pizza. Ich bin wirklich erstaunt, wie gut sie ist. Eigentlich mache ich schnell schlapp beim Essen, aber die ist so gut, dass ich immer wieder zugreifen muss, bis ich beinahe platze. Als ich am nächsten Tag bezahlen will, werde ich abgewiesen. Nein, sie wären schließlich eine große Familie und ich doch nur eine Person. Es ist mir beinahe schon peinlich, aber ich habe keine Chance dagegen anzutreten. Also revanchiere ich mich damit, dass ich ihnen das Geschirr spüle, wenn die Gäste von Rotel Tours kommen, um bei Ruben die guten Steaks essen zu bekommen.

So gehen meine Tage schnell vorüber und ich sehne mir Walter mittlerweile zurück. Noch mehr freue ich mich, als er eines Tages eine Mail schickt und meint, dass der ganze Weihnachtstrubel ihn in Deutschland ganz konfus mache und er sich freue wieder „nach Hause“ zu kommen. Ja, unser Goliath ist „unser Zuhause“. Kurz vor Weihnachten ist es dann soweit, Walter kommt wieder, vollbepackt mit den tollsten elektronischen Sachen, die ich mir gewünscht habe.

 

Silvester feiern wir dann noch mit einigen Motorradfahrern, die auf dem Platz eintreffen und mit Edy und Brigitte, über die wir uns am meisten freuen.

 

Wir sehen uns wieder im neuen Jahr. Marion, Walter, Whisky und Eros.

 

Nach unserem zweiten Etappenziel Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, haben wir uns gedacht, dass es mal Zeit wird sich bei Freunden, Bekannten und Verwandten zu bedanken, ohne deren Hilfe es nicht immer einfach gewesen wäre!

Freesemann, Thomas (Snoopy), der für unser Haus, unsere Finanzen und all den Behördenkram sorgt.

Hofmann, Angelika und Hartmut (Marions Vater) haben Marion ermöglicht den LKW-Führerschein zu machen.

Hofmann, Käthe (Marions Mutter), die auf unser Haus achtet und sich um die Wohnung kümmert.

Kersting, Michael, der uns bei wichtigen Dokumenten mit seinen perfekten Spanisch- und Englischkenntnissen bei Übersetzungen hilft.

Linn, Matthias (Linus), der uns mit Lkw-technischem Rat zur Seite steht, wann auch immer. Er ist der Mechaniker unseres Vertrauens!

MAN-Arnsberg und MAN-München für ihre freundliche Unterstützung.

Pillitteri, Bruno (Brupi) und Snoopy, die uns beide schon auf unserer Reise besucht haben. Vollbepackt mit den besten Leckereien und anderen Dingen aus Deutschland haben sie unser Reiseleben versüßt und Abwechslung in den Reisealltag gebracht. Danke auch an Bruno für die elektrotechnische Hilfe und Beratung.

Danke auch an den TÜV-Brühl!

Und allen anderen, die weiterhin gespannt und interessiert unsere Reise auf unserer Webseite verfolgen.

Danke! Danke! Danke! Wir wünschen allen ein schönes und friedliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.