Argentinien.

 

Reisezeit: 14.08. bis 26.09.2006

 

Wir verlassen Mendoza Richtung Süden auf der bis dahin asphaltierten Ruta 40 bis Pareditos und biegen ab auf die Ruta 101, eine traumhafte, einsame Piste, die bis auf wenige langsame Passagen zügig zu befahren ist und kommen in El Sosneado nach ca. 160 Km wieder raus. Nur ein Fahrzeug ist uns auf der gesamten Strecke entgegen gekommen. Prädikat sehr empfehlenswert!!! Weiter geht's wieder auf der Ruta 40 mit Asphalt. In Malargüe finden wir einen Camping Municipal, denn die sollte man nach Möglichkeit anfahren, weil in öffentlicher Hand und billig, inkl. Strom, max. 10 Peso (2 Personen + Auto). Hier können wir dann auch unseren einige Tage zuvor erworbenen Heizlüfter schnurren lassen ohne dass uns die Stromrechnung über denKopf wächst. Tagsüber ist das Wetter sonnig mit 12 - 18 Grad, aber wegen der fast zum Greifen nahen, schneebedeckten Anden nachts bitter kalt und 10°- 20° Minus sind an der Nachtordnung.

Kurz hinter Zapala verlassen wir die Ruta 40 um auf die Ruta 234 weiter Richtung Süden zu gelangen. Ab hier hat uns die Piste wieder. Es geht durch dicht verschneite Wälder, wo bei uns nur noch Trecker und Langholztransporter unterwegs sein würden. Wir haben Glück denn die Strecke scheint kurz vorher geräumt worden zu sein, aber zum großen Teil nur einspurig. Man hat hier große Mühe einander auszuweichen und wir sind verwundert, wer alles auf diesen einsamen Waldwegen unterwegs ist. Wir werden belohnt mit unzähligen kleinen und großen malerisch verschneiten Seen. Dann taucht San Martin de los Andes auf, ein nettes kleines Winterörtchen, bestehend fast ausschließlich aus Holzhäusern und wir beschließen einige Tage auf einem Camping zu verweilen. Doch wir vergessen leider den Faktor Touristennepp, was heißen soll, wir wären die einzigen Touris auf dem Camping und die wollen doch glatt 35 Pesos p.N. von uns haben. Wir fragen den Besitzer, ob er noch alle Tassen im Schrank hat und legen den Rückwärtsgang ein. Einige Kilometer weiter finden wir ein nettes lauschiges, aber arschkaltes Plätzchen mit daneben fließendem Gebirgsbach.

Am nächsten Tag geht es kurz vor San Carlos de Bariloche auf die nicht asphaltierte Ruta 23 Richtung Osten um bei Ingeniero Jacobacci auf die Piste Ruta 4 zu gelangen, die uns bis zur Halbinsel Valdés am Atlantik führen soll. Doch diese ca. 800 Km lange Piste hat es in sich. Landschaftlich eher uninteressant, aber zumindest im ersten Drittel mörderisch hart, steinig mit tiefen getrockneten Schlammpassagen. Doch man glaubt es kaum, meine Frau will unbedingt die gesamte Strecke fahren. Es wird ihr nicht leicht gemacht, denn es heißt schalten, schalten und nochmals schalten. Man findet keinen Rhythmus auf diesem üblen Teilstück.

Der zweite Tag macht wieder richtig Spaß. Es geht bergauf und bergab und unzählige Flüsse müssen durchquert werden. Seit 2 Jahren hoffe ich solche Pisten vorzufinden und nun darf ich nicht fahren. Sie lässt sich auf keine Diskussionen ein um mich ans Steuer zu lassen. Am dritten Tag verlassen sie Gott sei Dank ihre Kräfte und sie klagt über Muskelkater und schafft es nicht mehr den achten Gang einzulegen. Mein Stündlein hat dann doch noch geschlagen. 50 Km vor Puerto Madryn und auch hier das Ende der Piste, kommen dann meine lang ersehnten Schlammlöcher, ach was sag ich, Seen, bis zu 200 Meter lang. Da lacht die Schnauze!!! Es entgleiten einem allerdings die Gesichtszüge wenn man merkt, dass man bei solchen Wasserspielen enormen Wassereinbruch in der Fahrerkabine hat. Auf der Fahrerseite dringt es massiv durch den Lenksäulentunnel ein, der zwar staubdicht aber absolut nicht wasserdicht ist. Nach den Werbefilmen die ich vom MAN-Kat gesehen habe, wo man mit diesem Fahrzeug fast tauchen kann, scheint mir alles nur Verarschung zu sein. Ich bin überzeugt, 2 Minuten in 1,5 Meter tiefem Wasser könnten wir Goldfische darin züchten. Auch Eros schaut dumm aus der Wäsche, als ihm die schlammige Brühe an der haarigen Schnauze herunter läuft, allerdings ist das auf eine fehlende Schraube im Fußboden zurückzuführen, die ich daraufhin schleunigst ersetze. Wer allerdings Angst vor Einsamkeit hat sollte sich eine andere Strecke aussuchen. In den 3 Tagen und rund 800 Km haben wir ganze 5 Fahrzeuge gesehen.

Völlig verschlammt erreichen wir Puerto Madryn. Die Campingplätze allesamt wegen der walreichen Gegend teuer. Aber warum auf einen teuren Camping gehen, wenn 300 Meter vor dem ACA-Camping direkt am Strand eine ausgewiesene Stellfläche für Wohnmobile besteht.

Wal, da bläst er. Es ist kaum zu glauben, am Abend kommen die ersten Nordkapwale in die Bucht. Wir zählen 15 Tiere, einige an die 50 Tonnen schwer und bis zu 18 Meter lang, so steht es beschrieben. Sie sehen eher aus wir kleine U-Boote. Welch ein bewegender Moment. Doch Bewegung hin oder her, in der Nacht bleiben die Dicken in der Bucht und lassen uns nicht schlafen, denn das Ausatmen ist nicht gerade leise, zum anderen geben sie dumpfe, grummelnde Geräusche von sich, die einem durch Mark und Bein gehen. Doch irgendwann überfällt uns doch die Müdigkeit und wir sinken in tiefe Träume. Am Tag drauf schwinge ich mich auf die Kawa, um die Küste zu erkunden und ich kann's kaum fassen, Wale, Wale, wohin das Auge blickt. Viele Mütter mit Jungtieren. An manchen Küstenabschnitten kommen sie bis zu 20 Meter ans Ufer. Man hat das Gefühl als seien sie neugierig und schwimmen mit ihren Jungen zum Teil in Fotopose. Deutlich erkennt man ihre Augen, die einen aufmerksam mustern. Andere stehen geraume Zeit auf dem Kopf, winken mit der riesigen Schwanzflosse. Ganz übermütige befördern ihre Massen fast ganz aus dem Wasser, um dann mit mächtigem Getöse auf die Wasseroberfläche aufzuschlagen.

Hurra der Sprit wird billiger. Wo wir doch in den letzten Monaten den Diesel für ca. 1,52 Pesos getankt haben, kostet er nun nur noch 1,32 Pesos (0,48€ Cent), Normalbenzin 1,12 Peso (0,44€ Cent), Superbenzin 1,27 Peso (0,46€ Cent). Ab der Höhe Valdés Richtung Süden ist nun zu den Preisen zu tanken. Also zusehen, dass man mit fast leeren Tanks hier ankommt. Alles andere wird allerdings teurer, wie z.B. Obst und Gemüse.

Einige Tage später verlassen wir Puerto Madryn, um in den Nationalpark Valdés zu fahren. Eintritt p.P. 35 Peso, Hunde kein Problem, campen nur auf dem Municipal Camping in Puerto Piramides erlaubt oder auch in diesem Ort bei der örtlichen Polizei. Jaja, wir staunen nicht schlecht, da haben die Bullen einen eigenen Campingplatz hinterm Office. In der Saison allerdings nur für Polizeiangehörige. Das Eintrittsticket für den Nationalpark erlaubt unbegrenzte Ein- bzw. Ausreise, sofern man eine Camping- oder Hotelbescheinigung vorweisen kann. Wir haben Glück, da jetzt keine Saison ist, ist der Municipal-Camping kostenlos inkl. Toiletten, Wasser und Strom, Duschen funktionieren nicht. In diesem kleinen Örtchen geht es ab wie auf dem Jahrmarkt, busweise werden hier die Touris angekarrt, um auf Whale-Watching zu gehen, bei den hier 4 oder 5 ansässigen Unternehmen. Vom eher kleinen Schlauchboot bis hin zum Riesenkatamaran ist hier alles vertreten, um die Kunden zu den Walen zu bringen. Preise von 65 - 100 Pesos sind üblich, wer allerdings das Geld besonders locker sitzen hat, kann sich eine Alleinfahrt buchen, was dann mit ca. 1200 Pesos zu Buche schlägt. Dauer der Tour 1,5 - 2 Std. Da werden dann die Boote auf Anhängern mit Riesenmaschinen und überlangen Deichseln ins Wasser

gefahren. Kurz bevor der Fahrer der Zugmaschine nasse Füße bekommt, fängt der Kahn an zu schwimmen und er fährt wieder an Land. Ich schau mir dann noch diese Zugmaschinen an, sie sind zum großen Teil mit luftgekühlten 6-Zylinder-Motoren ausgestattet und ölen aus allen Knopflöchern. Das zum Thema Umweltschutz. Da rosten den Walen wenigstens nicht die Gelenke ein!

Montag 11.09.06, wir machen eine Walfahrt. Gehen zu Moby Dick Tours und buchen eine Tour mit dem Zodiac für 100 Pesos p.P. zu den sanften Riesen. 30 Minuten später holpern wir über die Wellen und da tauchen sie auch schon auf. Einer kreuzt unsere Bahn. Der Skipper haut den Rückwärtsgang rein, sonst rammt der Brummer uns. Noch mal gut gegangen. Der Skipper ruft, aufpassen gleich taucht er wieder auf und tatsächlich, direkt neben uns taucht die riesige knorrige Nase auf, bläst die Luft raus, dass alle nass sind, unsere Nussschale schaukelt, bloß nur schön weiterknipsen, gar nicht so einfach bei dem Seegang. Dann verschwindet er wieder in der Tiefe, aber nicht ohne uns noch seine riesige Schwanzflosse zu zeigen, fast zum Greifen nah. Da in kurzer Entfernung, eine Mutter mit Kind, aber weiß, ein Albino. Aufpassen, gleich springt einer und tatsächlich kommt Sekunden später einer fast in voller Größe aus dem Wasser. Man, sind das fette Viecher!!!! Er kracht auf das Wasser und wir kriegen die Dusche ab, alle Fotolinsen müssen erst mal geputzt werden. Keiner hat ihn aufs Bild gekriegt, zu nah, zu groß. Das Geschaukel schlägt meiner Marion gehörig auf den Magen, sodass sie nach ......Jööööööörrrggggg....... ruft, den Kopf über die Reling hält und die Fische füttert. Da sitzt sie nun, weiß wie die Wand mit wabbelnden Knien, nur noch ein Häufchen Elend. So geht das bald die

ganzen 1,5 Stunden. Action pur!!!! Ein Erlebnis, dass man sich antun sollte.

Eines schönen Tages versagt die Kawasaki ihren Dienst, ich orgele solange bis ich ihr völlig das Leben ausgehaucht habe. Dann schließe ich eine MAN-Batterie an, aber wie ich die Kawa dann so nach langem Orgeln widerwillig zum Leben erwecke, habe ich auf einmal den schönsten Kabelbrand. Holla die Waldfee, ich steh völlig im Nebel und suche panikartig nach den Klemmen von den Überbrückungskabeln. Zu spät, ein Massekabel hat sich komplett durch den Kabelbaum geschmurgelt. Na ja, ein Gutes hat so etwas, ich habe zwei Tage wieder Beschäftigung. Aber das anfängliche Problem, dass sie nicht anspringen will, ist noch nicht behoben. Also Vergaser raus, gereinigt, ausgeblasen usw., ach ja, dafür braucht man bekanntlich Luft. Kein Problem denke ich, da starten wir eben unseren Goliath, der wird's schon richten. Denkste! Ich dreh am Zündschlüssel und nix tut sich. Das darf doch nicht wahr sein, Haupt- und Reservefahrzeug streiken. Aber wie schon gesagt, es kommt wenigstens keine Langeweile auf. Wegen der fehlenden Druckluft muss ich mich nun zuerst einmal um unseren Anlasser am MAN kümmern. Also Anlasser raus und siehe da, der Magnetschalter klemmt wegen Rost. Ein bisschen Kupferfett bewirkt Wunder und einen Tag später schnurrt auch die Kawa wieder.

Eines Tages kommen Daniel und Catherine aus Belgien mit ihrem Landrover  und Anhänger und vier Kindern im Schlepptau auf den Platz gefahren. Nach der Kennenlernphase kommen die fetten Steaks auf den Grill. Sie sind erst seit 15 Tagen von Buenos Aires aus unterwegs, wollen nach einigen Monaten von Südamerika nach Südafrika und dann die Ostküste Afrikas rauf nach Norden um wieder nach Hause zu gelangen. Wer noch Informationen braucht über Reisen mit vier Kindern in einem bis unters Dach vollstopften Landrover, kann sich gerne bei ihnen melden unter www.lavie-est-belle.be

 

Vorsicht Stinktier!!!!!

Und wie wir da eines Abends mal wieder in fröhlicher Runde so sitzen, kreuzt ein süßes Stinktier den Platz. Whisky sieht es als erster und spurtet von dannen. Bis wir überhaupt schnallen was abgeht, hat unser Hund den Stinker fast erreicht, wir schreien uns die Kehle aus dem Leib. Der Stinker hebt den Schwanz, unser Geschrei findet nun endlich Gehör, Whisky bleibt in letzter Sekunde stehen und das übelriechende Sekret des Stinktieres verfehlt sein Ziel, landet im Sand. Kaum vorzustellen, wenn der Stinker sein Ziel getroffen hätte.

 

Am nächsten Tag hören wir, dass am anderen Ende der Halbinsel bei Punta Caleta, viel zu früh, eine Gruppe Orcas eingetroffen sein soll. Am Tag darauf machen wir uns auf den Weg sie zu sehen. Leider Fehlanzeige, gestern noch wurden 9 Orcas gesichtet, doch heute, obwohl wir uns den ganzen Tag am Strand aufhalten, kommen keine Orcas in Sicht. Dafür werden wir mit Herden von See-Elefanten und

Seelöwen belohnt. Wir haben fast jeden Winkel auf der Insel erkundet, doch für uns ist Punta Caleta eine der interessantesten Stellen, da man sehr nah an die Tiere herankommt, im Gegensatz zu vielen anderen Stellen, wo uns die Absperrzäune viel eher aufhalten.

Am 26.09.06 verlassen wir die Halbinsel Valdés in Richtung Ushuaia und wir hoffen ihr verfolgt weiterhin unsere Berichte.

 

Wir sehen uns in Ushuaia, einem weiteren großen Ziel auf unserer Reise. Marion, Walter, Whisky und Eros.