Argentinien.

 

Reisezeit: 01.07.2006 bis 26.09.2006                          

 

Schon wieder stehen wir in Salta, treffen alte sowie neue Reisende. Endlich sieht man auch mal einige Motorradfahrer, mir blutet das Herz. Mein HU-Endurogespann steht zu Hause und wartet. Seit fast 2 Jahren schleppen wir nun unsere Kawa hinten drauf mit und mich ärgert immer mehr, dass nach Pistenfahrten ewig die Kette total versaut ist. Gerade eingesprüht, schon wieder verdreckt. Jetzt bin ich's aber leid. Wir haben doch noch unsere 110 Quadratmeter Abdeckplane von Südafrika. 2 Tage später hat man uns eine Riesenlümmeltüte für die Kawa genäht, für ganze 25 €. Ich finde einen Laden der Hydraulikpumpen repariert, also baue ich das leckende Ding selber aus, aber wohin mit 80 Liter Hydrauliköl. Alte Kanister finde ich auf dem Camping, doch das reicht nicht, so muss unsere gute alte Waschtonne noch herhalten. Drei Tage später ist die Pumpe wieder eingebaut, die Reparatur hat uns keine 30 € gekostet, inkl. Touristenzuschlag. Jetzt hängen wir schon wieder fast 3

Wochen in Salta und es wird Zeit, dass wir wieder aufbrechen.

Wir steuern die Thermalquellen von Fiambalá an. Oh man, tut das gut sich im 37° heißen Wasser die Haut runzelig werden zu lassen. Von hieraus wollen wir eigentlich nach Süden bis Mendoza und dann über den Hauptpass nach Santiago de Chile, aber mehrfach wird uns abgeraten, gestern noch hat man im Radio gehört, seit 6 Tagen geht dort nichts mehr, meterhoch Schnee, 2000 LKW hängen fest. Warum dann nicht gleich hier über den Paso de San Francisco, der scheint offen zu sein und er gilt als eine der spektakulärsten Andenüberquerungen. Also los, mal eben übern Berg, aber besser noch mal volltanken, denn in Chile ist der Sprit mindestens doppelt so teuer. Wir kommen später noch zu einem Extrabericht über Chile, da wir jetzt nur kurz im Land bleiben wollen, um nach MAN zu kommen. Letzte Tankmöglichkeit hier in Fiambalá, dann kommt 480 Km nix. He Leute, diese Strecke, wenn auch bis zur Grenze Chile asphaltiert, ist nix für Toupetträger und Offroadpinkler. Hier herrscht brutaler Sturm und eisige Kälte. Mützen sollten festgenagelt werden und bei ständig drehendem Wind kommt man nicht umher sich ans eigene Bein zu schiffen. Weiterhin entstehen äußerst heftige Sandstürme, die die Straße queren. Wenn man sie sieht, besser stehen bleiben und kurze Zeit abwarten bis alles vorbei ist. Nicht so wie wir, wir sausen da durch und die bis zu 2 mm großen Sandkörner ruinieren uns die Frontscheiben. Es ist schon war, die Landschaft ist traumhaft schön, aber der Sauerstoff wird langsam knapp. 20 Km vor der Grenze zu Chile ist die Abfertigung von Argentinien. Sauerstoffflaschen stehen hierfür jedermann bereit, falls man höhenkrank wird, bei ca. 4300 Metern. Doch es geht noch höher, bei 4726 Metern ist der höchste Punkt erreicht, hier beginnt Chile.

Nur schön langsam bewegen, um ein Foto zu machen, sonst ist die Puste weg. Ab hier beginnt wieder Piste. Die Zollformalitäten werden 80 Km weiter und in immer noch ca. 3800 Metern erledigt, am Salzsee Maricunga. Doch Vorsicht, die Chilenen filzen einem das Auto gründlich nach Obst, Gemüse, Pflanzen, Fleisch, Hundefutter usw. und: "Oh, sie reisen mit Hund? Wo ist das Gesundheitszertifikat von Argentinien?" Oh, äh, haben wir nicht. Ja, dann haben sie ein Problem! Aber der nette Beamte von der Agrikultur hilft uns dennoch weiter. Es gebe zwei Möglichkeiten. Erstens, zurück nach Argentinien, zweitens, es kommt ein Amtstierarzt aus dem 170 Km entfernten Copiapó und untersucht die Hunde. Wir entscheiden uns für zweitens, müssen aber bis zum nächsten Tag um 15oo Uhr warten. Wir bekommen ein vorläufiges Papier bis nach Copiapó und kriegen dort ein offizielles Papier. Die ganze Aktion war übrigens umsonst.

Jetzt aber nix wie weg hier, der Beamte sagt uns, dass man für die kommende Nacht heftige Schneefälle gemeldet hat. Wir kommen spät in Copiapó an und es ist schwer einen Übernachtungsplatz zu finden. Also ab auf einen großen Supermarktparkplatz, den Cheffe angequatscht und die Sache ist geritzt. 23.00 Uhr wird das ganze Gelände hermetisch abgeriegelt, inkl. Bewachung, 7.30 Uhr wieder aufgeschlossen. Dafür haben wir ordentlich eingekauft und mit ein paar Fläschchen Wein feiern wir abends unsere erste Andenüberquerung.

Man, haben wir gut geschlafen! Ab hier langweiliger Asphalt vom Feinsten auf der Ruta 5 Richtung Santiago. Na und wie sich das für einen kultivierten Staat gehört, verlangt man auch eine Straßenmaut. Im Schnitt pro 10 Km einen Euro und Chile ist verdammt lang. Santiago ist in Sicht. Bereits schon im nördlichen La Serena, wo auch eine MAN-Vertretung ist, die aber keine Teile für uns hatten, hatte man uns erklärt wie wir zu MAN in Santiago kommen, S 33°23.150' und W 70°41.386'. Nur heißt die Firma nicht nur schlicht MAN, sondern Unión Técnica Automotriz Ltda. in der Panamericana Norte 5011. Wir hatten uns im Vorfeld doch entschieden, eine neue Motorbremse anzuschaffen plus einiger anderer Sachen. Nach einer kurzen Inspektion unseres Kats, offenbart man uns, Bremsen belegen kein Problem, aber der Rest mindestens 4 Wochen Lieferzeit. Der freundliche Chef der Firma, Herr Marcel Bunout, sagt uns, dass der Markt der Mittelklasse-LKW von Amerikanern und Asiaten beherrscht wird und somit kein einziger kleiner oder großer Kat, sowie die

LE-Modelle in Chile verkauft werden und deswegen auch keine Teile vorrätig sind. So bestellen wir die Teile und werden sie im nächsten Jahr bei ihm abholen, da wir erneut nach Chile zurückkehren.

Nun ist unser Reifenproblem immer noch nicht gelöst. Nachdem wir mehrere Reifenfirmen abgeklappert haben, kommen wir nicht unter 1030 US$ das Stück, Michelin X14.00 - 20 XZL, Lieferzeit mindestens 3-6 Monate. Wir erzählen MAN-Chef Bunout die Geschichte. Er lässt seine Beziehungen bei Michelin spielen und

einen Tag später bestellen wir 8 neue Reifen, dass Stück zum Preis von ca. 750 €. Alles wird kostenlos in seiner Firma gelagert, bis wir Anfang 2007 wieder hierher kommen. Vielen Dank von hieraus nochmals.

Nachdem unsere Bremsen erneuert sind und wir einige Tage auf dem Firmengelände übernachten konnten, wollen wir über den 150 Km entfernten Paso Sistema Cristo Redentor nach Mendoza, der vor einigen Tagen noch wegen Schneefall geschlossen war. Er scheint frei zu sein. Allmählich wird uns klar, warum dieser Pass öfter geschlossen werden muss, die letzten 15 Km vor der Passhöhe (3800 Meter) müssen wir in endlosen engen Serpentinen 2000 Höhenmeter erkriechen. Die Landschaft wechselt von kleinen Schneeflecken in meterhohe Schneewände links und rechts am Straßenrand. Die Temperaturen sinken in kurzer Zeit unter den Gefrierpunkt mit Sturmböen und Schneegestöber, doch die Strecke ist bis auf kleinere Verwehungen frei. Kurz vor der chilenischen Abfertigung fahren wir an hunderten stehenden LKW vorbei, die alle auf ihre Abfertigung warten. Wir bekommen einen provisorischen Passierschein, den wir unterwegs mehrmals vorzeigen müssen und fahren 15 Km weiter bis zur gemeinsamen Grenzstelle von Chile und Argentinien. Doch Vorsicht, wer nicht zuvor alles Fleisch, Gemüse, Eier usw. wirklich gut versteckt oder gegessen hat, so wird es von den Argentiniern beschlagnahmt und sie sind sehr genau. Auch hier will man wieder das Gesundheitszeugnis der Hunde sehen, welches man sich vorher in Chile besorgen muss. Wir sind auch mittlerweile schlauer geworden. Damit man uns nicht jedes Mal unser Hundefutter klaut, tauschen wir jetzt nur noch die Verpackungen aus, wie es beliebt, einmal Made in Chile oder Made in Argentinien.

Wir erreichen Mendoza. Zufällig kommt Fabián mit seinem Unimog am Camping vorbei und wir werden von ihm eingeladen einige Tage bei ihm zu Hause zu verbringen. Er bietet uns an mit ihm einige Touren in die Berge zu unternehmen, unter anderem eine Stelle wo sich einige Kondorpaare aufhalten sollen. Sie kommen jetzt in tiefer gelegene Gebiete, da in den tief verschneiten Bergen kein Futter zu finden ist. Doch zuvor müssen wir eine alte Eisenbahnbrücke überqueren, maximale Belastung 12 Tonnen. Na, dann kann ja nichts passieren, wir haben 12 Tonnen. Das Ächzen und Stöhnen der alten Bahnschwellen geht einem durch Mark und Bein. Die Strecke ist an einigen Stellen so eng, dass mir die Nackenhaare hochgehen und Marion mehrmals aussteigt und zu Fuß geht, mit den Worten: Ich bin doch nicht lebensmüde. Naja, für Fabiáns kleinen "Hutzel-Unimog" ist das auch kein Problem. Aber wir werden für alles entschädigt.

Kaum auf der höchsten Stelle angekommen, kommt ein Kondorpaar geflogen, bleibt mit seiner ca. 3 Meter Flügelspannweite in den Aufwinden fast regungslos über uns stehen und beäugt uns neugierig. Sie sind so nah, dass man den Wind zwischen ihren Flügeln rauschen hört und uns eine Gänsehaut beschert. Selbst Fabián ist erstaunt, denn normalerweise sind die Vögel sehr scheu und bleiben auf größerer Distanz. Ein ganz sicher unvergesslicher Moment. Kaum sind die Kondore weg, kommt ein Oldtimer den Berg rauf geschnauft. Ein Alfa Romeo, 4x4, Baujahr 1951. Bei Fabián zu Hause angekommen, offenbart er uns, er wollte eigentlich nur schauen, ob ein so großes Fahrzeug diese Strecke bewältigen kann, denn er will sich einen Magirus aus Deutschland kaufen. Doch bevor wir Mendoza verlassen werden wir noch bei einer Reifenfirma vorstellig denn unsere Vorderreifen haben eine saubere Unwucht und alles was über 70 Km/h hinausgeht, schlägt es mir fast das Lenkrad aus der Hand. Doch hierzulande wuchtet man LKW-Reifen in angeschraubten Zustand aus. Vielleicht gut für normale LKW-Reifen, aber die Maschine kriegt unsere Reifen nicht mal zum drehen. Nett mit anzusehen wie sich die Reifenmonteure bei den saukalten Temperaturen aufwärmen. Ein selbstgebauter Allesbrenner, indem gerade altes Getriebeöl verheizt wird. Stolz führt man uns das Ding vor. Bei uns würden wohl bei einer solchen Benutzung drakonische Strafen verhängt.


Bis dahin. Marion, Walter, Whisky und Eros.