Argentinien.

 

Reisezeit: 01.06.2006 bis 30.06.2006

 

Wir stehen immer noch in Salta und kriegen kein Ende. Da kommt ein Schweizer MAN auf den Platz gerumpelt. Man, ist der MAN dick man! Ein Dreiachser-TGA mit 480 Pferdchen, Made by Action Mobil. Beim ersten Anblick werden mir die Knie weich. MAN baut doch schöne Autos! Trotz dieses noblen Gerätes stellt sich heraus, dass die Besitzer Brigitte, Edy und Bodyguard Amigo, ein American Stafford, auf dem Teppich geblieben sind. Wir verbringen schöne Stunden mit ihnen. Doch irgendwann muss man ja schließlich weiter und so brechen wir am 14.06.06 auf in Richtung San Salvador de Jujuy, um von da aus zu den Termas de Reyes zu kommen, heiße Quellen, die durch ein Schwimmbecken geleitet werden. Aber der Hit ist, dass man von hieraus weiterfahren kann über eine kleine Bergpiste und man nach ca. 40 Km in Yala rauskommt. In kaum einer Straßenkarte ist diese Strecke verzeichnet. Nachdem wir eine Nacht an den Thermen verbringen, brechen wir am nächsten Tag auf zur Piste, die kaum bekannt ist. Zuvor jedoch fragen wir Argentinier, ob die Strecke zu befahren sei und man verneint. Warum verstehen wir nicht mit unseren mäßigen Spanischkenntnissen. Ich kann es nicht so recht glauben und so schwinge ich mich auf die Kawa für eine Erkundungsfahrt. Doch tatsächlich, nach 10 Km malerischer Piste, die zum Teil aussieht als sei sie an die Berghänge geklebt, kommt das Aus. Die Piste ist auf 10 m weggespült und auf weiteren 100 m verschüttet, schade, das wäre ein Spaß geworden. Also fahren wir die 14 Km wieder zurück auf die Ruta 9 nach Norden.

Hinter Humahuaca biegen wir auf die 54 Km lange Piste nach Iruya ab. Anfangs noch wenig abwechslungsreich, aber nach wenigen Kilometern stellt sie sich als die schönste Piste heraus, die wir bis jetzt in Argentinien gefahren sind. Wir schrauben uns langsam bis auf 4000 Meter rauf und die immer enger werdende Piste bietet nur noch für ein Fahrzeug Platz. Kleine Flüsse müssen durchquert werden und zahllose Serpentinen sind zu bewältigen, die zum Teil so eng sind, dass wir nicht auf einmal herumkommen. Am höchsten Punkt angekommen, bietet uns die Natur einen unbeschreiblichen Ausblick in ein fast endlos erscheinendes Tal mit einer Piste die sich in unzähligen schmalen Kehren hinab windet, bis sie einfach zu enden scheint.

Unten angekommen, glauben wir schon, wir haben uns verfahren, weil es aussieht als sei die Piste zu Ende, doch weit gefehlt, ab hier wird's erst richtig lustig. Es gilt ca. 300 m, fast senkrechte Felswände nach unten zu überwinden. Da haben pfiffige Burschen einen Zickzackkurs in den Hang gebastelt, dass sich einem die Haare sträuben. Mit leicht verschwitzten Händen kommen wir unten an.

Seit einer halben Stunde wartet unten schon ein Bus auf uns, der von Iruya kommt. Alles kein Problem, hier gehen die Uhren anders. Nach weiteren 7 Km auf an den Fels geklebter, einspuriger Piste erreichen wir Iruya, ein idyllisches Bergdorf in einer Sackgasse. Zwei Tage machen wir hier Pause und werden, mal abgesehen von grandiosen Bergen rundherum, belohnt, indem wir den größten fliegenden Vogel der Welt am Himmel sehen, den Condor und das gleich drei Mal. Diese Fahrt hierhin werden wir sicher nie vergessen!

Aber nun genug geschwärmt. Wir fahren weiter nach Abra Pampa, um an die Laguna de Pozuelos zu gelangen, ein flacher See, der im Sommer von tausenden Flamingos und anderem fliegende Getier besucht wird und in 3700 Meter Höhe liegt. sind nur wenige Flamingos anzutreffen, weil der See zum Teil zugefroren ist. Der Eintritt ist kostenlos und man kann entweder vorm Eingang stehen und übernachten, um dann die ca. 2 Km zu Fuß bis an den See zu laufen oder aber man nächtigt beim freundlichen Parkranger, Markos. Markos fragt uns, ob wir auch dicke Decken dabei haben. Wieso dicke Decken, fragen wir. Tagsüber ein fürchterlich brennender Stern, des nachts aber bitterkalt. Es kommt wieder, wie es kommen muss.

Unser Wecker steht auf 3.00 Uhr und unsere Webasto fängt wieder das große Stöhnen an, ich raus aus dem warmen Bettchen um nachzusehen, mache die Haustüre auf, da friert mir gleich die Schnötte in der Nase fest. Das Thermometer steht auf minus 20 Grad. Trotz Dieselfrostschutz haben wir Marmelade im Tank oder haben die uns Scheiß verkauft? Am Morgen, wir warten extra bis 10.00 Uhr und lassen die Sonne ran, müssen wir 8 Mal orgeln um unseren eingefrorenen MAN zum widerwilligen Leben zu erwecken.

Wir machen uns auf den Weg nach Bolivien, denn unser 3 Monatsvisum läuft langsam ab, die Verlängerung in Salta würde uns p.P. 100 Pesos kosten, eben über die Grenze nach Bolivien kostet nix, außer den Sprit.

So stehen wir am 20.06.06 in La Quiaca/Villazón an der Grenze zu Bolivien. Hier ist was los. Tausende von Bolivianern schleppen wie die Ameisen Tonnen von Gütern, alles was es in Bolivien nicht gibt, und dort gibt es nicht viel, über die Grenze. 1 Std. später rollen wir in Villazón ein. Wir finden anscheinend nicht die richtige Umgehung und fahren direkt durch die Stadt. Stromkabel hängen allerdings so tief, dass ich aufs Dach klettern muss um die Strippen hoch zu halten, Marion muss fahren. Sie verwechselt allerdings den Vorwärts- mit dem Rückwärtsgang und ich drehe einen Salto der Extraklasse auf unserem Kofferdach, zur allgemeinen Belustigung der Zuschauer.

Wir wollen nur eine kleine Runde von wenigen Hundert Kilometern in Bolivien drehen, um dann bei Bermejo wieder nach Argentinien einzureisen. Aber was uns hier an Straßen erwartet, das ist das Schärfste was wir je gesehen haben.

Stunden für Stunden kriechen wir auf fast einspurigen Pisten, auf denen es jeweils mal links oder rechts ca. 500 Meter fast senkrecht bergab geht. Marion wird neben mir vor Angst immer kleiner. Walter pass auf, da ist was weggerutscht, da sind scharfe Steine, nicht zu nah an den Abhang, da hinten kommt jemand und wo sollen wir jetzt ausweichen, es ist doch kein Platz. Die macht mich ganz wirsch! Leute, das muss man einfach gesehen haben!!!!!!! Ich mein jetzt aber nicht meine nervöse Frau, sondern die Landschaft. Zum guten Schluss fängt auch noch unsere Hydraulikpumpe an zu lecken und wir hoffen dass wir uns noch damit nach Argentinien retten können. Doch 50 Km vor der Grenze, erklärt uns ein freundlicher Bolivianer, ob man uns in Tarija nicht gesagt habe, dass die Straße kurz vor Bermejo komplett gesperrt sei. Warum haben wir nicht verstanden und wir denken sie sei verschüttet, denn auf dem Weg dahin lagen oft genug Geröllhalden auf der Straße. Wir fahren trotzdem und denken, mit unserem Allrad werden wir schon durchkommen!?

Stell dir vor, in Bolivien wird gestreikt und du stehst mitten drin! Wir kommen an einer langen Schlange von LKW an. Ich will natürlich ein paar spektakuläre Bilder machen und laufe los bis an eine Erdbarriere, die nach 2 Km alles stoppt. Ich versuche zu fragen, wie weit es denn noch bis zum Erdrutsch ist. Man sagt mir ca. 14 Km. Also wieder zurück, die Kawa runter und los. Ich sehe immer wieder LKW und Baumstämme quer auf der Straße. Ich komme an den Toren Bermejos an und was muss ich feststellen? Nix da Erdrutsch, es wird gestreikt und das in übelster Weise. Stellt euch vor, auf 300 Meter Asphalt nichts, außer haufenweise Steine und ein paar lodernde Feuer. Auf beiden Seiten Menschen mit Steinen und Knüppeln bewaffnet und versuchen sich das ganze Zeug einander zuzuwerfen. Ne, mal ganz im Ernst, die Lage ist ziemlich brenzlich, ich trau mich nicht einmal ein Foto zu machen und verpiesele mich wieder. Zurück am Auto höre ich, dass die hiesige Zuckerindustrie bestreikt wird, man will mehr Kohle.

Es wird langsam dunkel. Hinter uns hält ein 7,5-Tonner. 10 Männer steigen runter und laden große Ballen in Plastiktüten ab. Das Auto verschwindet wieder, die Leute rollen die Ladung an den Fluss, der direkt neben der Straße verläuft. Die Burschen haben's scheinbar eilig, verknoten alles sorgfältig zu einem Floss und ab ins eiskalte Wasser damit. Na ja, die haben vielleicht Terminfracht?! Ich bin so blöd, dass mich die Schweine beißen. 20 riesige Ballen Coca werden hier heimlich über die Grenze nach Argentinien verflösst. In Bolivien legal, in Argentinien verboten. Es ist 21.00 Uhr und stockfinster, eben noch ein paar Blätter in die Backen gesteckt und die Jungs stechen in Fluss, Coca ahoi! Wir würden ja den ganzen Weg wieder zurückfahren, aber unsere Hydraulikpumpe leckt, schon ohne dass der Motor läuft und das ist mir auf der einsamen Strecke nicht geheuer, also warten wir, bis???????? 2.00 Uhr, alles startet die Motoren, nur wir nicht, wir liegen in der warmen Kiste und versuchen zu pennen. Nach einer Weile steige ich aus der warmen Hütte und... alle weg! Also Motor an und hinterher bis fünf Kilometer weiter, dann der nächste Stopp, der ganze Konvoi steht wieder. Das passiert uns nicht noch mal, wir bleiben jetzt im Auto sitzen, bis 4.00 Uhr, bis uns die Knie vor Kälte schlottern und ziehen dann um in unsere warme Hütte. In dieser Nacht passiert nix mehr. Am nächsten Tag hören wir von den Truckern, es kommt eine Verhandlungsdelegation aus La Paz, doch es tut sich nichts, außer dass wir Essen auf Rädern bekommen, sowie Bananen, Orangen, Mandarinen. Clevere Frauen aus der Gegend nutzen die Gunst der Stunde ein paar Bolivianos zu machen. Wir erstehen eine leckere Gemüsesuppe mit ordentlicher Fleischeinlage für 2 Personen für 1 €. 1,5 Kilo Bananen und 1 Kilo Mandarinen für zusammen 0,60 €.

3.Tag, 14.00 Uhr. Der Trucker hinter uns mit seinem Volvo F12 sagt uns, um 16.00 Uhr geht’s weiter, macht euch bereit. Eine halbe Std. später, vamos, es geht los. Mit den Zeiten haben's die Jungs nicht so. Alles nur so ins Auto geschmissen, sonst machen wir wieder das Schlusslicht. Der Konvoi gerät in Bewegung bis....... 5 Km weiter uns die nächste Barriere stoppt. Wieder eine Stunde warten, dann geht alles ganz flott und wir stehen plötzlich an der Argentinischen Grenze.

Jetzt hat es die andere Seite noch auf Drogen abgesehen, sie kommen mit Stethoskop und Hämmerchen und klopfen auf unseren Reifen rum. Ich hab schon auf den Lippen, he Jungs, schaut mal ab und zu auf den Fluss da unten, letzte Nacht sind 2 Tonnen mal eben zu euch rüber gepaddelt, aber ich halt besser die Klappe. Wir kommen mit einer weiteren Übernachtung unbeschadet wieder in Salta an.

 

Bleibt sauber bis zum nächsten Bericht aus Argentinien. Marion, Walter, Whisky und Eros.