Sudan - mit gemischten Gefühlen.

 

Reisezeit: 17.01.2005 bis 06.02.2005

 

18.01.2005, 16.00. Wadi Halfa ist in Sicht. Wir legen an, aber an Weiterfahrt ist nicht zu denken. Uns wird berichtet, daß der Zoll heute nicht mehr arbeitet und erst am nächsten Morgen wieder öffnet. Also noch eine Nacht auf dem Kahn. 19.01., 10.00 Uhr können wir endlich in den Zollhof fahren. Wir finden jemanden, der unsere ägyptischen Pfund in sudanesische Dinar eintauscht und tauschen gleichzeitig Euro. Für einen Euro bekommt man ca. 305 SD, für den Dollar ca. 245 SD. Die Zollformalitäten sind in 5 Std. erledigt mit verschiedenen Kosten natürlich:

Zoll: MAN 1600 SD Steuer: MAN 9600 SD

Motorrad 1600 SD Motorrad 4000 SD

Diesel wird langsam teurer und liegt bei ca. 29 Cent.

Es ist ratsam in Karthum zu tanken, denn dort kostet der Liter Diesel nur 23 Cent. Wir haben einen Helfer, der Touristen von Ägypten aus kommend weiterhilft. Wir sollen am besten die Hunde im Auto verstecken und möglichst ruhig halten, denn wenn der Zoll sie entdecken würde, gäbe es Ärger. Ein Tierarzt müsse gefunden und geholt werden, aber die nächsten 3 Tage seien Feiertage im Sudan, da sei keiner zu bekommen. Außerdem kostet es pro Hund 30 U$. Sollte es hier das erste Mal Probleme geben?

Nachdem Marion, die uns im Hafen bereits erwartet, sich mit den Hunden 5 Std. im Koffer versteckt hält, können wir das Hafengelände verlassen ohne das jemand etwas bemerkt. Nach Einreise muß man sich innerhalb drei Tagen bei irgendeiner Polizeistelle melden und den Pass nochmals stempeln lassen, mit dem man dann 4 Wochen im Land bleiben kann. Wir erledigen das sofort in Wadi Halfa und kostet 6200 SD. Eine Haftpflichversicherung ist keine Pflicht und so brummen wir ohne los. Noch auf dem Dampfer haben wir Fritz aus Österreich kennengelernt, der in 8 Monaten bis Namibia will und wir beschließen einige Zeit zusammen zu reisen. Er fährt einen 20 Jahre alten Steyr. Unser Weg führt uns in Richtung Süden am Nil entlang nach Dongola. Wir müssen um nach Dongola zu kommen, den Nil mit einer kleinen Fähre überqueren. Der Preis ist Verhandlungssache, wir bezahlen von den anfangs geforderten 7600 SD noch 4500, was uns allerdings immer noch zu teuer erscheint, denn ein einheimisches Auto kostet 800 SD.

Es gibt kaum asphaltierte Straßen im Sudan und so holpern wir die ersten 400 km auf übler Piste, die sich abwechselt mit anfangs Wellblech, dann steinig über felsig bis hin zu Sand, gespickt mit bis zu knietiefen Löchern. Unser Schnitt liegt bei 25 km/h. Wir werden überall von super netten und freundlichen Menschen empfangen, werden zum Tee oder Essen eingeladen.

 

Kleiner MAN rettet großen MAN.

 

Auf unserem Weg nach Merowe durchfahren wir ein Dorf mit einer Stelle,an der schon einige Fahrzeuge steckengeblieben sind. Wir sehen zwei Sattelzüge mit Anhänger, beladen mit großen Stahlrohren, die sich festgefahren haben. Der erste ein nagelneuer MAN TGA 410, der andere ein Mercedes und beide Fahrer schauen uns so hilfesuchend an, daß wir nicht anders können als zu helfen. Ich gebe ihnen zu verstehen, daß sie die Anhänger abhängen sollen und ich würde sie dann mit unserer Winde versuchen herauszuziehen. In Nullkommanix haben sich haufenweise Schaulustige angesammelt und mit vereinten Kräften haben wir den TGA draußen, dann noch den Anhänger und fertig. Innerhalb 2 Std. sind beide Autos aus dem Sand gezogen mit zwei überglücklichen Fahrern, die uns mit Dank und Lobeshymnen überschütten.

26.01.05, Steyr-Fritz und wir beschließen heute die ca. 300 km lange Piste von Merowe nach Atbara zu befahren. Nach 13 km, aus der Traum, zumindest für Fritz. Fast kompletter Federnbruch an der Hinterachse. Mit Holzkeilen die Achse starr gesetzt und zurück nach Merowe.

In der Stadt gibt es eine Werkstatt N 18°29,453 E 31°50,080, die mit allen technischen Finessen ausgerüstet ist wie: Dreh-Fräs-Stoß-Bohrmaschienen, Schweißgerät und einer Maschine zur Überprüfung von Einspritzdüsen. Neue Federn sind zwar nicht zu besorgen, aber sie werden geschweißt. 8 Stunden Arbeit = 100 US$. Steyr- Fritz beschließt eine besser ausgebaute Straße bis nach Karthum zu benutzen und wir wollen uns die Piste antun.

Am 28.01.05 brummen wir los und weil man jeden Tag eine gute Tat tun soll, helfen wir einem 7,5-Tonner nach 35 km Pistenfahrt mit 8 Liter Diesel aus. Er kommt aus der anderen Richtung und hatte sich wohl etwas verschätzt. Nach reichlich händeschütteln und Umarmungen reißen wir uns los und fahren weiter. Nächster Tag bei Kilometer 200, schon wieder ein liegengebliebener Bedford, diesmal mit komplett abgerissenen Radbolzen am re. Hinterrad. Drei Mann warten am Auto, wer weiß wie lange schon, einer holt Hilfe und die Jungs haben nichts mehr zu trinken. Wir helfen mit 20 Litern aus und sehen wieder in glückliche und dankbare Gesichter. Gleicher Tag, Atbara ist erreicht. Wir fahren westlich des Nils über schöne Piste mit bis zu 80 km/h schnellen, ebenen Sandflächen nach Karthum.

Bei einer Mittagspause in der Pampa, müssen wir feststellen das unser Haupttank wieder leckt, unser Flicken scheint doch wohl keine Dauerlösung zu sein. Beim Nachtrastplatz stellen wir einen Eimer unter das Leck und stellen fest, dass in der Nacht einige Liter ausgelaufen sind. In Karthum angekommen, steuern wir den Blue Nile Sailing Club (N 15° 36,670' und E 32° 32,030') an. Hier verweilen wir 3 Tage, machen Ölwechsel, schmieren ab, lassen den Tank schweißen, wobei die Jungs hier mehr kleben als schweißen ( er ist immer nocht nicht ganz dicht, aber besser als vorher) und besorgen unser Visum für Äthiopien. Kosten 20 US$ p.P., ( 2 Passbilder p.P. nicht vergessen), morgens beantragt, nachmittags abgeholt. Kosten für Camping: 5 US$ pro Fahrzeug, Motorräder 3 US$, p.P. 3 US$. Alles in allem ein "scheiß Platz", laut, dreckig, selten Wasser in ausreichender Menge und viel zu teuer. Aber eben der einzige in dieser Gegend. Der andere, angeblich 5 km außerhalb, ist geschlossen.

Es wird langsam wärmer und die Tagestemperaturen steigen bis auf 45 Grad. Normalerweise muß man sich in Karthum für 500 SD registrieren lassen, was einige Stunden in Anspruch nimmt. Wir haben darauf verzichtet und haben an den Polizeikontrollen angegeben, wir seien nur durchgefahren und es hat funktioniert. Nun noch eben die 500 km bis zur Grenze Äthiopiens und siehe da, es gibt doch Asphalt. Anfangs noch gut, doch dann schleichen sich üble Bodenwellen ein, die das Auto so aufschaukeln lassen, dass es uns ein paarmal fast aus den Angeln hebt und noch die riesigen Löcher, die sich plötzlich vor einem auftun und zu Vollbremsungen zwingen. Und dann noch die Eselkarren, Kühe, Ziegen, Schafe, Kamele sowie die uralten Bedfords, die wegen ausgenudeltem Lenkgetriebe die ganze Straße brauchen. In Äthiopien treffen wir uns mit Marion und Hubert in Gondar, die mit einem Endurogespann mit 850er TDM Motor nach Simbabwe unterwegs sind. Da treibt es mir doch das "Pippi" in die Augen, gerade mir als alter Gespannfahrer, der sein Endurogespann zu Haus lassen mußte. Die Asphaltstraße endet für uns in Gedaref. Ab hier geht es die letzten 155 km über Piste bis zur Grenze und es ist mit das Übelste, was wir hier gesehen haben. Wir kommen wieder auf einen Schnitt von 35 km/h.

Drei Steinewerfer haben wir im ganzen Land erlebt und ich habe mir geschworen, den vierten, den packst du dir. Jeden Tag eine gute Tat !!!! So eiern wir auf der Piste Richtung Äthiopien und kommen an einer Gruppe Kindern vorbei, wobei einer mit einer Melone wirft. Wir, nicht besonders schnell, Vollbremsung, der Dreckskerl läuft auf freies Feld, nur gut, die Verfolgung geht los. Wir jagen den kleinen "Scheißer" mit unserem Kat über den Acker, wobei der Haken schlägt wie ein Hase. Die Gelegenheit ist günstig, er läuft geradeaus und hat das große "P" in den Augen. Ich aus dem fahrenden Auto gesprungen und verfolge ihn, verliere noch meine Sandalen und laufe Barfuß weiter. Ich erwische ihn, ich glaube er denkt ich bringe ihn jetzt um, aber nein, ich haue ihm links und rechts was an die "Schnauze", zum Schluß noch einen Tritt in den Hintern und er ist entlassen. Ich hoffe er hat etwas daraus gelernt, was auch immer? Ich habe auch was daraus gelernt, ich bin keine 20 mehr, eine ausgerenkte Schulter, deren Schmerzen ich mit Tabletten bekämpfe und blutige Füße, die ich behandeln muß. Aber es hat gut getan!!!!!

Einige Kilometer weiter ist die Grenze erreicht. Die Ausreiseformalitäten sind in einer knappen Stunde abgetan. Kaum zu glauben!

Abschließend sei gesagt: Der Sudan ist ein ideales Reiseland für Offroader mit materialmordenden Pisten, abwechslungsreicher Landschaft, sehr freundlichen Menschen, die zum größten Teil auf Distanz bleiben. Wir waren überall willkommen und konnten überall frei Campen ohne größere Belästigungen. Wir führen jederzeit wieder hin!!!

 

Bis dahin, wir sehen uns in Äthiopien. Marion, Walter, Eros und Whisky.