Und der Herr sprach: Mein Sohn, es könnte schlimmer kommen und es kam schlimmer...

 

Reisezeit: 15.03.2005 bis 27.04.2005

 

15.03.2005. Wir überqueren die Grenze nach Kenia im Nirgendwo. Der erste Ort, auf den wir automatisch zusteuern, ist Ileret. Polizei begrüßt uns freundlich, doch Papiere will keiner sehen. Wir sollen nach Nairobi und dort alles erledigen. Hunde kein Problem. Wir steuern den Lake Turkana an. Bis dahin alles o.k..

Am See entlang gibt es sehr schmale Pisten, kaum groß genug für unseren MAN. Wir quälen uns über steiniges Gelände, wobei die Steine zum großen Teil über 15 cm messen und das auf mehr als 100 km. Es ist heiß, tagsüber 45° C und mehr, nachts sinkt das Thermometer nicht unter 35°. Ich ziehe es das erste Mal vor draußen zu übernachten, doch das bringt auch keine Abkühlung und an Schlaf ist nicht zu denken. Mehrere Tage hintereinander begleitet uns die Hitze, entlang am Sibiloi-Nationalpark über den Kibrot Pass. Eine Tortur für Mensch, Tier und Maschine. Die Piste wird so schlecht, dass wir manchmal nur 12 km/h schaffen. Steile Auffahrten mit blankem Fels mit Auswaschungen z.T. mehr als 1/2 m tief. Es beginnt die Regenzeit in Kenia und wer nicht weiß was das bedeutet, wird hier sehr schnell seine Erfahrungen sammeln. Es fängt an zu regnen, nein, es schüttet wie aus Eimern. In Nullkommanix verwandelt sich die Piste in eine Rutschbahn und wir fahren wie auf rohen Eiern. Die ersten Senken verwandeln sich in kleine oder auch größere Seen. PKW vor uns kommen schon nicht mehr durch und versuchen die Senken zu umfahren, doch der Boden ist außerhalb der Piste so aufgeweicht, dass sie z.T. steckenbleiben. Mit unseren 12 Tonnen keine Chance, also ab durch den See, kein Mensch weiß wie tief der ist. Also Vollgas und rein in die braune Brühe. Wir tauchen bis über die vordere Stoßstange ein und schieben eine beachtliche Flutwelle vor uns her. Nach 50 m ist das Ende in Sicht und wir tauchen allerdings mit weichen Knien wieder aus der trüben Suppe heraus.

Das Wetter wird wieder besser und der Ort Maralal ist in Sicht. Nach ca. 850 km die erste Tankstelle und Versorgungsmöglichkeiten. Wir versorgen uns hier das erste Mal mit Bargeld bei der KCB-Bank, die die Visa-Card akzeptiert. Bis zu 100000 Kenia Shilling sind hier möglich. Der Kurs 1 € = 95 KSh. Wir brauchen zwar nicht tanken, aber Diesel liegt bei 68 KSh, Benzin bei 74 KSh. Internet in jedem Postoffice, relativ schnell, 100-KSh-Rubbelkarten zu kaufen für ca. 80 min.

Ca. 5 km außerhalb von Maralal relaxen wir einige Tage auf dem sehr schönen und ruhigen Yare Safari Hostel und Campsite (N 01° 03,512' und E 36° 42,665') für 200 KSh pro Person. Nach vier Tagen der Ruhe nach Nyahururu zu der Thomson's Falls Lodge. Ein superschöner Platz mit grünem Rasen, gutem Restaurant und alles mit CC zu bezahlen. Preise 300 KSh p.P. Hier fällt der Ewaso-Narok-Fluss ca. 60 m in die Tiefe.

Auf dem Weg nach Nairobi machen wir noch eine Runde um den Mount Kenya, um dann in Nairobi im Jungle Junction, S 01°17,325' und E 36°45,635', für 400 KSh p.P. zu campieren. Der Besitzer Chris, ein Deutscher, hat hier ein Häuschen mit großem Grundstück. Er betreibt hier eine Motorrad-Werkstatt, hauptsächlich für BMW. Er ist selbst gelernter BMW-Schrauber. Wer keine Lust hat sein Zelt aufzubauen, kann sich auch ein Zimmer nehmen. Autos und Motorräder können hier abgestellt werden für 30 bzw. 20 € im Monat, LKW leider nicht. Von hier aus erledigen wir unseren Papierkram wie: Carnet abstempeln im Customs Office im Times Tower (S 01° 17,459' und E 36° 49,396'), 10tes Stockwerk; Visa-Verlängerung im Immigration Office, S 01° 17,254' und E 36° 49,112', für 3 Monate (Null Kosten) und wir gehen mal wieder nach Herzenslust im Nakumatt Supermarkt (S 01° 17,325' und E 36° 45,635') einkaufen, wo wir auch gleich 170 € lassen. Endlich mal wieder ein Stück Schweinefleisch, allerdings zu deutschen Preisen, dafür mit Visa zu bezahlen.

Nach vier Tagen haben wir alles erledigt und wir brechen auf zum Lake Naivasha ins Fisherman's Camp für 200 KSh p.P. Ein großes Areal mit Rasen und Bäumen, auf welchem ab 19.30 Uhr die Hippos zum Fressen kommen.

Ab 18.00 Uhr wird ein 50 m breiter Streifen zum See mit einem Zaun unter Strom gesetzt, sodass man ruhig hinterm Zaun mit der Taschenlampe die tonnenschweren Kolosse beobachten kann. Man sollte sich allerdings hüten die Absperrung zu überschreiten, denn eine Frau wollte vier Wochen vor uns näher ran und wurde getötet.

Nach 4 Tagen brechen wir auf zur Massai Mara. 100 km vor dem Park ist Bushcamping angesagt, das ist recht schwierig, denn du parkst 5 m neben der Fahrbahn und sofort kommt ein Massai und hält die Hand auf und behauptet, es sei sein Land. Nun ja, wir versuchen es diesmal mit 200 m und es geht 2 Std. gut. Wir bleiben standhaft und zahlen nicht. In der Nacht regnet es, wie fast immer. Der Morgen sieht dann so aus: der Lehmboden völlig aufgeweicht. Erster Gang rein und wir sacken schon auf den ersten 10 m ein. Mit viel vor und zurück geht es dann doch raus aus dem Schlamassel, aber nur 50 m und wir sitzen schon wieder im Dreck. Kein Problem, genug Bäume hier, Winde raus, aber das Ding geht mal wieder nicht. Dann eben alle Hebel umgelegt, die wir haben. Mit letzter Kraft nach hinten auf festeren Boden und dann mit Vollgas wieder nach vorn, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir walzen alles platt, was uns in den Weg kommt. Der MAN springt wie ein Ziegenbock über Stock und Stein. Der Aufwand lohnt sich, wir haben die Straße erreicht.

10 km vorm Park, wieder Bushcamping, wieder bekommen wir Besuch, aber diesmal will keiner Geld. Man will uns nur warnen, die Hunde nicht zu weit laufen zu lassen, es gebe viele Löwen, Elefanten und Giftschlangen wie, Puffottern, Schwarze Mambas und Speikobras. Es fängt an zu Dämmern, die ersten Elefanten brechen lautstark durchs Gebüsch und im Hintergrund wird Löwengebrüll immer lauter. Die Massai verziehen sich, wir bleiben allein. Nachdem die Elefanten uns gewittert haben, ziehen sie auch wieder ab, aber ich sehe wie der erste Löwe aus dem ca. 50 m entfernten Gebüsch kommt. Kurze Zeit später folgen noch zwei. Ich habe schon längst die Hunde ins Auto geworfen, wobei ich noch auf der Treppe warte, bis es auch mir zu brenzlig wird. Die Nacht bricht ein, die Löwen bleiben, man sieht sie nicht, man hört sie nur, aber ganz nah und das Gebrüll begleitet uns die ganze Nacht, bis 2.00 Uhr.

 

Schon mal Angst gehabt?

Ich werde wach, weil mein Oberbett durchnässt ist (nein nicht nass gepinkelt). Es hat mal wieder angefangen wie aus Eimern zu gießen und unser Dachfenster hat ein Leck. Was tun? Entweder ich mache nichts und wir können morgen in unserer Bude schwimmen, oder ich wage mich in die Höhle des Löwen und spanne unsere Sonnenplane über´s Dach. Also raus, es ist stockfinstere Nacht, es gießt in Strömen.

Von der Treppe aus leuchte ich unters Auto, keiner da, rasch aufs Dach und die Plane raus, aber jetzt wieder runter oder bleibe ich hier oben bis die Luft rein ist, das kann dauern! Also runter und die Gummis gespannt, rein ins Auto, geschafft. Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Fracksausen gehabt.

Nächster Tag, Massai Mara. Am Gate Karten gekauft, 30 US$ p.P, LKW 20000 KSh. Man sieht die Hunde, keiner sagt was. Das Tor geht auf, einer ruft noch "give me one dog" und wir sind drin. Auf der Eintrittskarte steht, Hunde verboten. Der ganze Park ist aufgeweicht und wir quälen uns den ganzen Tag mit 4X4 durch den Morast. Wir sehen außer Rhinos und Leoparden fast alles, was Afrika an Tieren zu bieten hat.

Weiter geht´s über Keroka und weil wir in dieser Gegend keinen Ü-Platz finden gehen wir zur örtlichen Polizei. Man, was haben sich die Jungs da gefreut, endlich mal wieder was los. Dann zum Lake Victoria nach Kisumu, zum Kisumu Beach Resort, für 300 KSh p.P. bleiben wir hier ein paar Tage stehen. Achtung, es laufen hier 21 Hunde auf dem Gelände rum. Man sagt uns, alle aggressiv. Am zweiten Tag sitzen 10 von denen am Frühstückstisch und betteln nach Leckerchen. Hier lernen wir Hamir, einen Inder kennen, der hier eine Toyota-Werkstatt betreibt und nennt sich Toyota Silverline Services Ltd. Ein sehr netter junger Mann, der mich am nächsten Tag einlädt, mich durch die Stadt zu fahren und einige Besorgungen zu machen. Zum guten Schluss surfe ich noch bei ihm 3 Std. im Internet und das alles für nix.

Wir machen uns noch mal auf zur Thompson Falls Lodge, um von dort aus nach Uganda zu fahren. Dort angekommen verreckt uns die Harddisk unseres Laptops und wir müssen deshalb nach Nairobi zurück. Wir lassen uns so ein Ding für ca.165 € besorgen und durch Chris installieren, ein Computerfreak aus Nairobi (Mobile 0723346420 oder E-mail chriso-j@yahoo.com). Wahrscheinlich sind alle unsere zuvor gemachten Bilder von Kenia unwiederbringlich verloren. Nun knipsen wir wie die Blöden, um unseren Fotorückstand wieder aufzuholen.

Wir steuern den Nakuru Nationalpark an und schmuggeln unsere Kampftiger mit in den Park. 30 US$ Eintritt p.P. und wir sind drin. Hier sehen wir unsere ersten Rhinos aus nächster Nähe. Von hier aus geht es weiter zur Ol Ari Nyiru Ranch, ein Privatpark, von Kuki Gallmann, einer Buchautorin, von der wir ein Buch gelesen haben. Man will hier allerdings 400 US$ für die Übernachtung haben, wir danken ab und machen uns schleunigst aus dem Staub.

Wir fahren die Piste zum Lake Baringo, anfangs noch gut, dann über übelste Bergketten mit scharfkantigen Steinen und heftigsten Steigungen (nur mit 4X4 zu empfehlen). Wir campieren mal wieder im Bush.

Der nächste Tag. Wir starten mit guter Laune, doch nach 1 Std. Stopp, was ist das? Die Piste geht über in ein Flussbett mit riesigen Schlammpfützen. Zuerst können wir noch an dem Rand ausweichen, aber dann werden die Bäume zu niedrig und wir müssen rein in die Pampe. Ratet mal was dann passiert? Wir sitzen fest, und das nicht zu knapp. Doch wir haben vorgesorgt, die Winde geht wieder. Winde abgerollt, am nächsten Baum verankert und ab geht die Post. 2 Meter vor dem Baum haben wir wieder festen Grund unter den Rädern.

Wir erreichen den Lake Baringo, da die Campsites uns zu teuer erscheinen (350 KSh p.P.) ziehen wir es vor 2 x im Bush zu übernachten. Wir überqueren den Kito Pass, ein Pass übelster Sorte, nur Felsen und scharfkantige Steine, bis wir dann irgendwann wieder auf Asphalt gelangen.

Hinter dem Ort Chepareria schlagen wir uns erneut in die Büsche, doch wir werden mehrmals gewarnt, hier nicht zu übernachten, weil hier Viehdiebstahl an der Nachtordnung ist und die Burschen gerade diesen Schleichweg nutzen, wo wir stehen. Wir nehmen eine Einladung bei einem Farmer an bei ihm zu übernachten. Es ist bereits wieder stockdunkel und wir finden dank unserer guten Scheinwerfer wieder einmal sicher den Weg. Der nächste Tag, helle Aufruhr im Dorf. Zum ersten Mal sehen die Bewohner hier einen Touristen und dann noch mit zwei kleinen Hunden. Es herrscht Volksfeststimmung. Schweren Herzens brechen wir auf, wir wollen ja schließlich nach Uganda.

In Kitale, etwa 50 km vor der Grenze (letzte Tankmöglichkeit), machen wir noch einmal die Fässer voll und fahren zur Mount Elgon Lodge, die aber 600 KSh p.P. haben wollen, ohne Dusche und Toilette. So starten wir sofort durch zur ugandischen Grenze, zum Übergang Suam. Dort werden wir vom kenianischen Zoll herzlich eingeladen, direkt am Zollhäuschen mit Bewachung zu übernachten. Die Nacht ist um 6.00 Uhr morgens rum, denn die Grenze öffnet von 6.00 bis 18.00 Uhr. Viele PKW und Fußgänger warten schon darauf die Grenze zu überschreiten. Wir sind gespannt was uns bei der Ausreise erwartet. Wir hörten von einer Road-Taxe, die im Nachhinein verlangt wird. Aber nichts dergleichen, die Zöllner bearbeiten unsere Papiere innerhalb 20 Min., der Schlagbaum öffnet sich und wir fahren über den Fluss Suam auf die andere Seite.

 

See you later in Uganda. Marion, Walter, Whisky und Eros.

 

Ach noch was, viele Leute schauen scheinbar in unsere Web-Seite und tragen sich in unser Gästebuch ein, was uns sehr freut, doch den meisten können wir nicht antworten, weil keine E-mail-Adresse angegeben ist. Also bitte, hinterlasst eure Adresse, damit wir euch antworten können.