Big brother is watching you.

 

Reisezeit: 14.11.2004 bis 16.01.2005

 

Die Einreise nach Ägypten übertrifft alles, was wir bisher erlebt haben. Schlichtweg eine Katastrophe, für welche man ca. 6 Stunden einplanen sollte, allerdings mit der Hilfe eines Helfers, eigens für aus Jordanien ankommende Touristen abgestellt, ohne ihn hätten wir am nächsten Tag noch im Hafen gesessen. 12.00 Uhr angekommen, 18.00 Uhr im Stockdunkeln rausgekommen. Ein Gutes hat es ja, wir können unsere 6 zusätzlichen Fernscheinwerfer ausprobieren. Einfach geiles Licht. (Linus, ich bin dir dankbar, der Aufwand hat sich gelohnt). Na und wie in jedem Land fallen auch hier Gebühren an. Nach den Horrormeldungen von Travellern, die wir auf verschiedenen Treffen in Deutschland getroffen haben, sind wir auf einiges gefasst. Der eine sprach von 800 $ Dieselsteuer, der andere von 450 $ usw.

Alles Quatsch:

1015 Ägyptische Pfund Diesel tax (126 €)

265 Ägyptische Pfund keine Ahnung wofür (Motorrad)

100 Ägyptische Pfund Nummernschild Auto

100 Ägyptische Pfund Nummernschild Motorrad

200 Ägyptische Pfund Versicherung Auto (3 Monate gültig)

50 Ägyptische Pfund Motorrad (3 Monate gültig)

50 Ägyptische Pfund für, ich glaube hunderte von Kopien von Führerschein usw. Bei der Einreise unserer Hunde gab es keine Probleme. Wichtig auch hier wieder, die Aufenthaltserlaubnis für den MAN gilt nur für 30 Tage und kann angeblich nur beim Car-Customs-Office in Kairo, nahe dem Flughafen verlängert werden. Überschreitungen werden mit 10000 $ geahndet. Das Motorrad spielt hierbei keine Rolle. Weiter sollte man darauf achten, dass die Aufenthaltserlaubnis für einen selber, die uns vorher für 2 Monate ausgestellt wurde, auf der Fähre nicht wieder auf 1 Monat geändert wird (wie uns geschehen), da dort nochmals die Pässe kontrolliert und gestempelt werden. Nur durch energische Beschwerden im Hafen wird es wieder geändert. Man bekommt sogar einen extra einlaminierten ägyptischen Führerschein für jedes Fahrzeug, was allein fast zwei Stunden dauert, da die Maschine ein Vorkriegsmodell ist. Geld ist im Hafengelände bei der Bank of Egypt mit Visa u. Eurocard sowie cash zu bekommen und man bekommt für 1 € 8 Ägyptische Pfund. Der Liter Diesel ist für sage und schreibe 8 Cent und Benzin für 12 Cent im ganzen Land zum gleichen Preis zu haben. Da macht das Tanken wieder richtig Spaß und wir lassen gleich mal 500 Liter reinlaufen.

Wir treffen unsere Holländer, Diane und Johan, wieder und beschließen einige Tage zusammen zu fahren und wir müssen unsere Meinung über die "blöden Holländer" zumindest in diesem Fall kräftig revidieren. Unser Weg führt uns an Sinais Ostküste entlang, aber wenn man glaubt, man könnte sich irgendwo ein schönes Plätzchen am Strand suchen, um dort zu übernachten, hat man sich getäuscht. Überall ist Militär oder Polizei, die einen freundlich aber bestimmend darauf hinweist, dass das Übernachten am Meer nicht erlaubt ist. Tagsüber darf man stehenbleiben, aber mit Einbruch der Dämmerung muss man sich schleichen. Weil auch hier wieder ein bisschen Kultur sein muss, geht es auf zum Katharinen-Kloster. Dort leben griechisch-orthodoxe Mönche, die die größten kirchlichen Schätze nach dem Vatikan beherbergen sollen. Später biegen wir ganz in der Nähe in eine ca. 100 km lange supergeile Piste ein, die uns nach Dahab führt, mit dem Resultat, dass sich unsere zu schwach konstruierte Motorradbefestigung langsam in Wohlgefallen auflöst.

Einstieg bei N 28°39,897' E 34°01,155' und mündet kurz vor Dahab auf die Teerstraße bei N 28°34,814' E 34°28,023'. Zwischendurch mal eine Militärkontrolle, die uns aber weiterfahren lässt, später die nächste Kontrolle und die verlangen plötzlich eine Pistengenehmigung (Tasrih), die wir natürlich nicht haben. Wir stellen uns dumm, aber die Jungs verstehen keinen Spaß und wollen uns nicht fahren lassen, aber zurück dürften wir auch nicht, dort würden wir verhaftet. Nach 1 Stunde dann doch grünes Licht und man lässt uns fahren. In Dahab angekommen, lassen wir unsere Motorradhalterung erst einmal provisorisch schweißen. Vor jeder Stadt stehen Polizeikontrollen und fragen " woher und wohin" und Ausweiskontrolle.

Nun soll`s nach Sham El Sheik gehen, wo die schönsten Tauchgründe der Welt sein sollen und wo wir uns einige Zeit ausruhen wollen. Dort angekommen, gleicht es einem großen Volksfest. Ein Hotel neben dem anderen, aber nix mit Ruhe. Also nix wie weiter Richtung Suez-Kanal. Wir trennen uns von unseren mittlerweile lieb gewonnenen Holländern und überqueren den Kanal über die ca. 90 m hohe Mubarak-Peace-Bridge für eine Gebühr von 5 ÄP und können dabei die Ozeanriesen bestaunen, die unter einem herfahren. Einige Kilometer vorher kann man den Kanal auch durch einen Tunnel unterfahren, was auch 5 ÄP kostet.

Wie schon gesagt, will man länger als 30 Tage mit einem Dieselfahrzeug in Ägypten bleiben, kommt man nicht umher nach Kairo zu fahren, um sich dort die Verlängerung beim Car-Customs- Office zu holen. Und wen trifft man da, unsere Holländer. Man fahre zum Kairo International Airport, Richtung Terminal 1 bis an eine Schranke, an der man ein Ticket bekommt. Nach ca. 500 m wieder eine Schranke, dort zückt man 15 ÄP. Hinter diesem Posten links abbiegen und nächste rechts, dann bis Kreisverkehr, eine Runde und in entgegengesetzter Richtung zurück bis rechte Seite N 30°07,297' E 31°23,859'. Man wird von Helfern abgefangen, die die Arbeit für dich übernehmen, ohne sie braucht man um ein Vielfaches länger. Kosten für die Verlängerung ca. 60 ÄP und ein Bakschisch für den Helfer von 50 ÄP(er wollte vorher 100 ÄP haben und man sollte 1-2 Std. einplanen). Und da wir ja schon mal in Kairo sind, kann man sich auch noch die Pyramiden ansehen. Auf der Suche nach einem Campingplatz fahren wir in der Abendsonne auf die Pyramiden von Gizeh zu; was für ein Anblick.

Nach einem Tag der Ruhe, nehmen wir uns ein Taxi und lassen uns für 20 ÄP zu den Pyramiden von Gizeh fahren. Für 40 ÄP p.P. Eintritt kann man sich im Gelände frei bewegen oder man mietet sich ein Kamel für z.B. 1 Std. und 50 ÄP. Nachdem wir uns hier 7 Tage die Ruhe angetan haben, zieht es uns weiter in den Süden, in die "schwarze und die weiße Wüste". Dort angekommen suchen wir uns einen Schlafplatz, der sich allerdings als tückischer Weichsand rausstellt. Johann und Diane mit ihrem DAF und nur mit Straßenreifen ausgerüstet, erwischt es als erste. Fest und nix geht mehr. Wir wollen helfen und graben uns selbst ein, vorwärts geht nichts mehr. Also beide Sperren rein, kleine Gruppe und rückwärts geht’s im Schneckentempo bis auf härteren Untergrund und bin immer wieder erstaunt, was der Kat alles kann. Dann die Winde ausgerollt und die anderen beiden rausgezogen. Weiter geht es über die Desert-Road westlich des Nils entlang, um die lästige Konvoipflicht zu umgehen, bis hin zur Oase Dakhla, weiter bis Baris und dann wieder gerade nach Osten auf den Nil zu. An der Westseite des Nils befahren wir eine kleine Straße Richtung Süden. Eine Gegend, die zum Träumen einlädt. Palmen säumen den Straßenrand und man hat fast immer einen Blick auf den Nil. Am Abend suchen wir uns zwischen den bearbeiteten Feldern einen Schlafplatz mit grandiosem Blick auf den Nil.

Nach zwei Tagen brechen wir wieder auf zu den Tempeln von Abu Simbel, der südlichste Ort Ägyptens, den man mit dem Auto erreichen kann, 50 km weiter beginnt der Sudan. 260 km vor Abu Simbel müssen wir dann doch im Konvoi fahren. Mit einigen Touristenbussen brummen wir los. Vor uns sind schon alle weg, hinter uns nur noch eine Polizeieskorte, die brüllen aus dem Auto "yallah, yallah", also schneller, schneller und geben uns zu verstehen, das wir schon 100 Sachen fahren müssten. Wir verstehen das "natürlich" nicht und bleiben bei unseren 70 Sachen. Nach 10 Minuten sind sie es leid und wir sind wieder allein. Das zu dem Thema "Konvoipflicht". Abu Simbel, übernachten vor den Tempeln umsonst, mit Blick auf den Nasser-Stausee. Eintritt 61 ÄP p.P. Die Übernachtungsmöglichkeiten in Assuan mit dem Reisemobil oder Zelt sind schlecht und der Campingplatz am unfertigen Obelisken, der in vielen Reiseführern beschrieben steht, existiert nicht mehr. Seit kurzem gibt es einen neuen Platz, ca. 10 km außerhalb von Assuan in nördlicher Richtung auf der Westseite des Nils. Zu erreichen aus Norden kommend von Luxor auf der Straße östlich des Nils. Ca. 10 km vor Assuan, Kreisverkehr, nach rechts abbiegen und über die große Brücke den Nil überqueren. Hinter der Brücke nach links abbiegen, der kleinen Straße westlich direkt am Nil entlang nach Süden folgen. Nach ca. 2,5 km erreicht man "Nubian Village", zwei große ummauerte Areale die blau gestrichen sind. Beim 2. hat man das Ziel erreicht. N 24°10,153' O 32°51,989'. Übernachtung p.P. 20 ÄP, Fahrzeug frei, Frühstück 7 ÄP, Mittag- oder Abendessen 20-25 ÄP. Der Besitzer ist Mr. Yahay Abdelazem. E-Mail: ADAM_your_HOME@yahoo.com.

Wir holen uns in Assuan die nötigen Vorinformationen für die Fähre nach Wadi Halfa (Sudan). Für ein Auto unserer Größe muss man mit der Pontonfähre übersetzen, Fahrzeit ca. 3 Tage und meistens sonntags, Kosten 15700 ÄP, es sei denn man findet jemanden, der mitfährt und man sich den Spaß teilt. Personenfähre geht montags. Auto 2450 ÄP, Motorrad 370 ÄP, Person 1. Klasse (Kabine) 383 ÄP, 2. Klasse (Sessel) 236 ÄP.. Fahrzeuge bis max. 6 m Länge können auf der Personenfähre mitfahren und die Überfahrt dauert ca. 17 Std. Wir haben eine Zusage zum Festpreis von 2000 ÄP rüberzukommen, weil ein englischer Overlander mitfährt und die haben einen Festpreis von 1500 $. Auf dem Ponton darf nur der Fahrer mitfahren, eine zweite Person muss auf die Personenfähre. Das Visum für Sudan kann man sich beim Sudanesischen Konsulat in Assuan besorgen, Kosten 100 $ p.P und man kann drauf warten. In Kairo kostet es nur ca. 60 $. Donnerstags und freitags geschlossen. Es geht über Luxor, dem größten Open Air Museum der Welt, und man kann sich wieder umgefallene Steine ansehen. Nach ein paar Tagen der Ruhe starten wir durch nach Norden, aber was ist jetzt schon wieder, es rappelt im Motor. Hütte abgekippt und wir sehen das Malheur. Unsere Wasserpumpe hat sich verabschiedet. Also im Schleichtempo nach Luxor zurück auf unser Rezeiky-Camp. Der Chef hat natürlich einen Freund, der Wasserpumpen verkauft und der hat zufällig einen Reparatursatz für uns auf Lager. In 3 Std. haben wir unsere Pumpe für 135 € wieder und kann eingebaut werden. Gleichzeitig verkauft der Freund auch noch schöne laute Fanfaren und wir gönnen uns eine mit drei Klängen für 55 €. Nach Anschluss natürlich ausprobiert, aber das Ding ist nichts für schwache Nerven, da bekommt man Ohren wie Rhabarberblätter. Und nun verschaffen wir uns lautstark Gehör, denn vorher hat man uns nur belächelt, trotz dauerhupen mit unserer krächzenden "Tröte".

Die Weihnachtstage wollen wir im Badeort Hurghada verbringen, ca. 600 km nördlich von Assuan und haben eine Adresse von jemandem aus Deutschland bekommen, die sich allerdings als Flopp herausstellt. In ganz Hurghada kein Camping möglich!!! Also wieder 60 km zurück nach Safaga, dort ist das Sun Beach Camping für 4 € p.P. Fahrzeug inkl. Zu finden von Hurghada aus, 5 km vor Safaga auf der linken Seite.

Heute ist der 04.01.05 und wir sitzen vorm Adam Home Camping und warten darauf, dass unsere Fähre endlich am 16.01.05 in Richtung Sudan losgeht.

Bei meinen täglichen Spaziergängen mit Eros und Whisky werde ich täglich mit Gemüse beschenkt und zum Tee eingeladen. Zudem habe ich feststellen müssen, dass der Whisky sich wahrscheinlich einen Kieferbruch zugezogen hat, bei einer Rauferei mit dem Hund unserer holländischen Reisepartner. Allerdings ist das schon zu lange her um etwas dran zu ändern. So muss er eben den Rest seines Hundelebens mit einer Labberschnauze leben. Mittlerweile haben sich schon 5 Fahrzeuge unserer Größe für die Fähre angemeldet, unter anderem ein Österreicher, der sich uns eine Zeitlang anschließen will. Sollte sich noch großartig was ändern, werden wir es in unserem Sudanbericht nachreichen.

13.01.2005, unser Carnet de Passage ist mit heutigem Tage für Ägypten abgelaufen und so müssen wir den MAN im Zollgelände im Hafen von Assuan abstellen und dürfen ihn auch nicht mehr bewegen. Wir haben jedoch das Glück beim Auto bleiben zu dürfen und auch dort zu übernachten, bis dann am 16.01. unsere Fähre Richtung Sudan aufbricht. Aus den anfänglich 5 LKW die mitfahren sollten, sind nur 3 geworden und wie sich später herausstellt, passen auch nur 4 Autos unserer Größe auf den Kahn. Für die Übernachtung im Hafen müssen wir 30 ÄP p.T. bezahlen, vergleichsweise viel, denn ein Hotel der unteren Kategorie kostet 25 ÄP. Bei der Ausreise fallen verschiedene Gebühren an wie: MAN 22 ÄP - Motorrad 22 ÄP - Ausreisestempel 2 ÄP und nimmt ca. 2-3 Std. in Anspruch.

Ich verabschiede mich am 14.01. 2005 von Marion, denn sie schließt sich dem Team des Overlanders aus England an, der mit uns auf die Fähre geht und werde sie, so Gott will, am 16.01.2005 in Wadi Halfa wiedertreffen.

16.01.2005, 10.30 Uhr soll es dann endlich losgehen, doch es wird 12.00 Uhr bis unser Antriebsschiff eintrifft, welches unser Ponton schieben soll. Die Verwunderung ist groß als ich sehe, was für ein Schrotthaufen uns die nächsten 3 Tage über den Nil schippern wird. Bis der alte Trümmerhaufen an unserem betagten Ponton endlich festgezurrt ist, mit geflickten Drahtseilen und ca. 20 x geknoteten Hanfseilen, starten wir dann um 14.30 Uhr, 1 MAN, 1 Steyr, 1 Mercedes, 3 Fahrer und 6 Mann Besatzung, die nicht gerade vertrauenserweckend aussieht, in eine ungewisse Zukunft. Wir sind noch keine zwei Stunden unterwegs, da werde ich gefragt, ob ich eine Eisensäge besitze. Es stellt sich heraus, dass jemand dringend aufs stille Örtchen muss, aber das Vorhängeschloss der Tür lässt sich nicht öffnen. Ich schnell das "Aggi" raus und die Flex angeworfen und im Nu ist das Problem behoben und alle sind mir dankbar. 20.30 Uhr, es ist bereits stockfinstere Nacht und man sieht nichts mehr, plötzlich Geschrei auf dem See. Unser Skipper will anscheinend einen Anlegeplatz für die Nacht suchen und zersäbelt dabei ein Fischernetz von Fischern, die um Dunkeln ihre Netze ausgelegt haben. 17.01.2005 der Tag verläuft super gut, wie der vorherige, und unsere Fahrt ist ein absolut einmaliges Erlebnis, was ich auf keinen Fall hätte verpassen wollen. 18.00 Uhr, unser Skipper sucht wieder einen Rastplatz. Wieder stockduster und ich mache mir Sorgen um Eros und Whisky, die beide seit zwei Tagen ihr "großes Geschäft" noch nicht erledigt haben. Der Kahn legt an und ich will ins Wasser springen um die Hunde an Land zu bringen. Die Besatzung schreit, bloß nicht ins Wasser!!!!! Es wimmelt hier von Krokodilen, danke für den Tipp! Wir haben leider keines gesehen. Die Zeit vergeht wie im Fluge und wie mir der Skipper berichtet hat, uns um 4.00 Uhr Marion mit der Personenfähre überholt. 10.00 Uhr passieren wir noch einmal die Tempel von Abu Simbel und es sind noch ca. 60 km bis Wadi Halfa, was ca. 6 Std. bedeutet, denn laut GPS mach unser Speedboot 11 Sachen in der Stunde.

Bis dahin, man sieht sich im Sudan. Walter, Whisky und Eros - vielleicht auch Marion.